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Andacht

Hesekiel 8-11

Gott hat den Tempel verlassen

In Hesekiel 8-11 sehen wir, dass Jesus gekommen ist, um Gottes Volk zu reinigen, ihre Herzen weich zu machen und für immer bei ihnen zu wohnen.

Was passiert hier?

Gott erwählte Israel, um sein Reich der Gerechtigkeit, der Reinheit und der Güte auf der Erde zu errichten. Und er versprach: Solange Israel ihm treu bliebe, würde er in Israels Tempel wohnen und dafür sorgen, dass seine guten Absichten auf der Erde geschehen. Doch in Hesekiels erster Vision war Gott nicht im Tempel von Jerusalem, wo ihn alle erwarteten, sondern in Babylon (Hesekiel 1,3). Jetzt, in einer neuen Vision, erklärt Gott, warum er gegangen ist. Gott hat seine Wohnung in Jerusalem verlassen, weil sie voll vom Bösen und von Abgötterei ist, und bevor er wieder unter seinem Volk wohnen kann, muss er sie reinigen.

In dieser zweiten Vision bekommt Hesekiel einen prophetischen Blick darauf, was im Tempel von Jerusalem geschieht. Das Erste, was er sieht, ist ein fremdes Götzenbild, das vor dem Nordtor zu Gottes Tempel steht (Hesekiel 8,1-6). Gottes erstes Gebot an sein Volk war, keine Götzenbilder zu machen, doch jetzt steht direkt vor seinem Haus ein gemeißeltes Denkmal dafür, dass Israel Gott verworfen hat (2. Mose 20,3-4). Aber Gott zeigt Hesekiel, dass in seinem Haus noch schlimmere Schrecken verborgen sind. Hinter einer Wand bringen 70 der Führer Israels heimliche Gebete vor Bildern von Insekten und Schlangen dar (Hesekiel 8,9-11). Noch weiter im Innern sieht Hesekiel, wie Töchter Israels den Fruchtbarkeitsgott Tammuz anbeten (Hesekiel 8,14-15). Und schließlich stehen im Herzen des Tempels 25 Führer Israels, die nun die aufgehende Sonne anbeten und nicht den, der sie gemacht hat (Hesekiel 8,16). Gott offenbart auch, dass Jerusalem nicht nur abgöttisch ist, sondern dass seine Führer ihre Macht durch Mord und durch ungerechte Gesetze zu ihrem eigenen Vorteil sichern (Hesekiel 8,17; 9,9; 11,1-3). All dieses Böse und diese Unreinheit sind kein geeigneter Ort für Gottes gute und reine Gegenwart. Darum hat Gott den Tempel verlassen und wird ihn durch Zerstörung reinigen (Hesekiel 8,17).

In einer Vision ruft Gott sechs Krieger und einen Priester mit einem Tintenfass herbei, damit sie sich vor den Tempel stellen (Hesekiel 9,1-2). Gott sagt dem Priester, er solle die Stirn all derer kennzeichnen, die sich öffentlich gegen Israels zunehmende Abgötterei und Verderbtheit stellen (Hesekiel 9,3-4). Die Krieger dürfen denen, die das Zeichen des Priesters tragen, nichts antun, aber alle anderen werden getötet (Hesekiel 9,5-7). Die Verunreinigung, die ihr Böses verursacht hat, muss ein Ende haben. Doch während Hesekiel Gottes Vollstreckern zusieht, fragt er, ob überhaupt jemand von dieser Reinigung verschont wird. Gottes einzige Antwort ist: Israels Abgötterei, Mord und Korruption sind so schlimm, dass es ungerecht wäre, ihnen kein Ende zu setzen (Hesekiel 9,8-10). Dann ruft Gott den Priester, Kohlen von unter seinem Thron zu holen und die Stadt in Brand zu setzen (Hesekiel 10,1-2). Während er das tut, bewegt sich Gottes Thron langsam von seinem Platz über der Mitte des Tempels fort, hin zu den äußeren Mauern. Gott verlässt seinen Tempel, um ihn und die Führer, die ihn verdorben haben, zu belagern (Hesekiel 10,3-22).

Dann übernimmt Hesekiel selbst eine aktive Rolle in der Vision und verurteilt die Führer, die die aufgehende Sonne anbeten. Während er redet, fällt der oberste Führer tot um. Entsetzt fragt Hesekiel noch einmal, ob jemand von Gottes Reinigung verschont wird (Hesekiel 11,13). Doch dieses Mal sagt Gott: »Ja.« Er wird die sammeln, die der Priester gekennzeichnet hat, und sie in ihr Land zurückbringen (Hesekiel 11,14-17). Und wenn sie dort sind, wird er die Herzen seines Volkes durch seinen Geist verwandeln, damit sie ihn lieben und seine Gebote halten, solange sie leben (Hesekiel 11,18-20). Die Vision endet mit einem Tempel, der wegen seines Bösen und seiner Abgötterei in Trümmern liegt, und mit Gottes kosmischem Thron, der Jerusalem verlässt, um auf den Bergen weit im Osten zu ruhen (Hesekiel 11,21-25). 

Wo ist das Evangelium?

In Gottes Zerstörung Jerusalems liegt ein kleiner Hoffnungsschimmer. Durch die Zerstörung verspricht Gott, eine kleine Gruppe von Menschen zu reinigen und völlig zu verwandeln. Diese Menschen werden nicht länger verhärtet gegen Gott sein, sondern durch Gottes Geist weich gemacht, damit sie hören und Gott mit ihrem ganzen Herzen lieben (Hesekiel 11,18-20). Hesekiel hat vielleicht angenommen, dieses verwandelte Herz würde unmittelbar nach der Zerstörung des Tempels von Jerusalem kommen, aber so war es nicht. Das weiche Herz, von dem Hesekiel prophezeite, wurde Gottes Volk erst gegeben, als ein neuer Prophet mit dem Namen Jesus zu Israel kam und noch einmal die Zerstörung des Tempels ankündigte. 

Wie Hesekiel in seiner Vision stand Jesus im Tempel von Jerusalem, verurteilte die Abgötterei, die er dort fand, und klagte die Ungerechtigkeit der Führer an (Matthäus 21,12-13; Markus 12,38-40; Lukas 19,45-48). Wie Hesekiel prophezeite Jesus, dass der Tempel zerstört würde (Markus 13,1-2; Lukas 21,5-6). Und wegen dieser Prophetien gegen das korrupte religiöse System wurde Jesus umgebracht. Doch als Jesus starb, zerriss der Vorhang, der Gottes Thron verbarg, in zwei Teile. Das war ein Zeichen dafür, dass Gott seinen verdorbenen Tempel endgültig hinter sich gelassen hatte (Matthäus 27,51). Als Jesus starb, zeigte Gott, dass er den Tempel verlassen hatte und bereit war, ihn zu zerstören. Nur 40 Jahre später wurde er von Rom zerstört, und er ist nie wieder aufgebaut worden.

Aber Jesus kam nicht nur, um Gottes Reinigung zu prophezeien; er kam, um sein Volk zu verwandeln, indem er es reinigt (Johannes 3,17). Als Jesus zerstört wurde, reinigte sein Tod uns von unserer Unreinheit, so wie Israels Zerstörung Gottes Volk reinigte (1. Johannes 2,2). Mehr noch: Jesus ist aus seiner Zerstörung auferstanden. Er trat in Gottes kosmischen Thronsaal ein und begann, wie der Priester mit dem Tintenfass, sein Volk mit seinem Geist zu kennzeichnen und zu versiegeln (Epheser 1,13). Wie Hesekiel es hoffte, wird jeder, der Jesu Prophetien glaubt, durch sein Schlachtopfer gereinigt und völlig verwandelt. Vielleicht schaust du in dich hinein und siehst einen hässlichen, verdorbenen »Tempel«. Vielleicht hast du Angst, dass Gott dich zerstören würde, wenn er ihn sähe – so wie er Israels Tempel zerstörte. Aber Jesus starb, um dich zu reinigen. Wenn du an seinen Tod und seine Auferstehung glaubst, wird er dich als sein Eigentum kennzeichnen. Er wird dich retten, und nichts wird Gott davon abhalten, die Menschen zu verwandeln, für deren Kennzeichnung er gestorben ist.

Sieh es selbst

Ich bete, dass der Heilige Geist dir die Augen öffnet, damit du den Gott siehst, der Herzen weich macht. Und mögest du Jesus als den sehen, der zerstört wurde, um uns zu reinigen und zu verwandeln. 

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