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Andacht

Hesekiel 47-48

Ströme lebendigen Wassers

In Hesekiel 47-48 sehen wir, dass Jesus der Tempel ist, zerstört und wieder aufgebaut, aus dem Ströme lebendigen Wassers fließen, um jeden zu heilen, der ihn anbetet.

Was passiert hier?

Gott ist gerade dabei, dem Propheten Hesekiel eine Vision zu zeigen, in der Gottes Volk nach langem Exil in seine Heimat zurückkehrt. Ein Engel hat Hesekiel eben durch einen neuen Tempel in Jerusalem geführt. Doch als Hesekiel aus dem Gebäude hinausgeführt wird, bemerkt er ein Rinnsal Wasser, das unter dem Tempel hervorkommt und nach Osten in die Wüste fließt (Hesekiel 47,1-3). Je weiter der Fluss fließt, desto tiefer wird das Wasser, bis es das Tote Meer erreicht (Hesekiel 47,4-8). Das Wasser aus dem Tempel verwandelt das salzige Meer in ein Süßwassermeer. Dank des Wassers aus Gottes Tempel wird die Wüste geheilt. Ein totes Meer wird zu fruchtbaren Fischgründen für Gottes ganzes Volk, und eine unfruchtbare Wüste wird zu einem Dschungel aus Obstbäumen, die nie aufhören, Frucht zu tragen (Hesekiel 47,9-12). Diese Vision zeigt symbolisch, dass Gott sein Reich zu einem Ort der Heilung und des Lebens machen will – für alle, die ihn anbeten.

Unmittelbar nachdem der Fluss das Land geheilt hat, beschreibt Gott sehr ausführlich die Landesgrenzen dieses erneuerten Israels. Etwas ganz Ähnliches geschieht im Buch Numeri (auch: Buch der Zahlen), als Israel sich darauf vorbereitet, zum ersten Mal den Jordanfluss zu überqueren und in das Land Kanaan zu ziehen (4. Mose 34,1-10; Hesekiel 47,13-20). Doch in Hesekiels Vision dieses erneuerten Israels können sowohl einheimische Israeliten als auch Fremde, Asylsuchende und Flüchtlinge Anspruch auf Gottes Land erheben (Hesekiel 47,21-23). Dieses geheilte Israel ist nicht nur für Israeliten da, sondern für alle, die Gott und sein Reich als ihre wahre Heimat ansehen.

Dann zeichnet Hesekiel neue Stammesgrenzen für die Bürger der zwölf Stämme Israels und betont damit die Gleichheit von Gottes Volk (Hesekiel 48,1-7.23-29). Jeder Stamm erhält einen gerechten Anteil am Land, angeordnet um eine neue Hauptstadt, in deren Mitte Gottes neuer Tempel und sein lebensspendender Fluss liegen (Hesekiel 48,8-22). Um dann zu betonen, dass Gottes ganzes Volk gemeinsam Zugang zu diesem heiligen Ort hat, beschreibt Hesekiel die Tore der Stadt Gottes. Aus Sicherheitsgründen hatten antike Städte normalerweise nur ein einziges Tor, aber Gottes neue Hauptstadt hat zwölf – eines für jeden Stamm Israels (Hesekiel 48,30-34). Jeder Stamm hat freien und gleichen Zugang zu Gott. Viele hätten erwartet, dass diese Stadt ein wieder aufgebautes Jerusalem wäre, doch Hesekiel gibt diesem Ort einen anderen Namen: Sein Name für diese einladende, sichere, gerechte und lebensspendende Stadt lautet „Der Herr ist hier“ (Hesekiel 48,35b).

Wo ist das Evangelium?

Israels Heimat ist zerstört. Israels Bürger wurden aus dem Land ihrer Vorfahren weggeführt. Israels Hauptstadt und Tempel liegen in Trümmern. Doch Gott gab Hesekiel eine Vision, in der Israels Heimat erneuert wird, das Land der Vorfahren zurückgegeben wird und eine neue Hauptstadt und ein neuer Tempel gegründet werden. Letztlich war der Apostel Johannes überzeugt: Der neue Tempel, der Fluss des Lebens und das erneuerte Reich beginnen für Gottes Volk in der Person Jesu Wirklichkeit zu werden. 

In Johannes’ Bericht über das Leben Jesu beginnt und endet Jesu Wirken mit Wasser. Jesu erstes Wunder besteht darin, Wasser in Wein zu verwandeln – ein Zeichen für die Freude und die Erneuerung, die er bringen würde (Johannes 2,1-12). Unmittelbar danach erklärt Jesus, dass sein Leib der endgültige Tempel für Gottes Volk ist (Johannes 2,13-19). Wie der Tempel, der von Babylon zerstört wurde, so wird auch sein Leib zerstört werden, sagt Jesus. Doch Jesus sagt auch, dass er von den Toten auferstehen und wie der Tempel in Hesekiels Vision wieder aufgebaut werden wird, um seinem Volk Leben zu geben. Nur wenige Verse später sagt Jesus einer ausländischen Frau, dass das Leben, das er geben will, nicht nur für einheimische Israeliten bestimmt ist, sondern ein erfrischendes Wasser, das alle Menschen trinken können (Johannes 4,1-26). Dieses Wasser für alle Menschen wird endgültig in dem Augenblick gegeben, in dem Jesus stirbt. Johannes ist der einzige Biograf Jesu, der erwähnt, dass Wasser herausströmt, als eine Lanze in Jesu Seite gestoßen wird (Johannes 19,34). Doch genau wie Jesus es gesagt hatte, ist er von den Toten auferstanden. Jesus ist der Tempel, zerstört und wieder aufgebaut, aus dem Ströme lebendigen Wassers fließen, um jeden zu heilen, der ihn anbetet. 

Im Buch der Offenbarung beschreibt Johannes noch ausführlicher, wie Gottes Volk erneuert wird. Ein Engel zeigt Johannes die ewige Hauptstadt von Gottes Volk. Wie in Hesekiels Vision hat sie zwölf offene Tore, durch die alle erschöpften Menschen in ihre neue Heimat eintreten können (Offenbarung 21,10-14). In der Mitte der Stadt steht kein Tempel, sondern Jesus auf seinem Thron (Offenbarung 21,22). Und unter Jesu ewigem Thron entspringt ein Fluss, an dessen beiden Ufern Bäume stehen, die nie aufhören, Frucht zu tragen. Und jeder, der davon isst, wird geheilt (Offenbarung 22,1-5). Die Geschichte von Gottes Volk endet damit, dass die Kranken geheilt werden, die Erschöpften Ruhe finden und die Verbannten ihre wahre Heimat finden. Jesus ist gestorben und auferstanden, um uns Hoffnung zu geben und die Gewissheit, dass dieses Reich kommt.

Sieh selbst

Ich bete, dass der Heilige Geist dir die Augen öffnet, damit du den Gott siehst, der sein Volk erneuern wird. Und mögest du Jesus als den erkennen, der unser lebendiges Wasser ist. 

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