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Andacht

Psalmen 135-136

Seine Liebe hört niemals auf

In Psalm 135 und 136 sehen wir, dass Jesus der König über alle Könige ist, der jede Macht besiegt hat – und dass nichts uns jemals von seiner Liebe trennen kann, die niemals aufhört.

Was geschieht hier?

Die Zwillingspsalmen 135 und 136 geben Israel Lieder der Anbetung, die es am Ende der fünfzehn Wallfahrtslieder singen soll. Nachdem Gottes Volk unter bösen Mächten ins Exil geführt worden war, begann es, in Pilgerzügen wieder nach Jerusalem hinaufzuziehen, zur Bergstadt, in der Gott gegenwärtig ist. Beide Lieder singen dieselbe Geschichte: Gott rettete sein Volk aus dem Exil und besiegte seine bösen Unterdrücker, weil seine Liebe niemals aufhört. Die vier Abschnitte beider Psalmen spiegeln einander wider und gründen jedes Wort des Lobes und jede Tat Gottes in seiner niemals endenden Liebe.  

Beide Lieder beginnen und enden mit einer Einladung zum Jubel und rufen das Volk Gottes dazu auf, Gott anzubeten (Psalm 135,1.19; 136,1.23). Die Heimkehrer aus dem Exil beten Gott an wegen seiner Macht und wegen seiner Erwählung. Er ist der mächtigste Gott über allen Göttern (Psalm 136,2). Und doch hat er Israel als sein Volk erwählt, und er wird es niemals loslassen (Psalm 135,4). Diese beiden Wirklichkeiten – Gottes unumschränkte Macht und seine unwiderrufliche Erwählung – bedeuten, dass seine Liebe zu seinem Volk niemals aufhören kann (Psalm 136). Wenn Gott mächtiger ist als jeder andere Gott, dann kann nichts seine Liebe daran hindern, sein Volk zu retten. Und wenn Gott selbst nicht aufhören wird, sein Volk zu lieben, dann hört diese Liebe niemals auf. Die einzig mögliche Antwort auf einen so mächtigen Gott und eine so beständige Liebe ist Dank, Jubel und Anbetung. 

Beide Psalmen verkünden dann die unumschränkte Macht Gottes über alle anderen Götter. Er allein nimmt den erhabenen Platz ein über der gesamten irdischen und himmlischen Schöpfung, über allen Mächten und Wesen (Psalm 135,5). Mit solcher Vollmacht hat er allein die Kraft, Himmel und Erde zu erschaffen und sie mit Leben und Licht zu erfüllen (Psalm 135,7; 136,4-9). Jede andere Macht ist an das gebunden, was Gott selbst geschaffen hat, während Gott frei ist, alles zu tun, was ihm gefällt (Psalm 135,6). Und wie wunderbar: Es gefällt ihm, seine unaufhaltsame Macht dazu zu gebrauchen, sein Volk zu lieben und es von den unterlegenen Göttern zu befreien, die es versklavt haben.    

Beide Psalmen erzählen dann die Geschichte des Auszugs aus Ägypten und nennen die Siege, die Gott über konkurrierende Mächte errungen hat, um sein Volk zu befreien. Während Gottes Herrschaft über sein Volk für immer bleibt, wurde die Herrschaft des Pharao – der es versklavt hatte – gebrochen und seine Nachkommenschaft ausgelöscht (Psalm 135,8; 136,10-11). Sogar die Natur – das Meer, das Land und die Tiere – beugte sich unter Gottes Macht in den Plagen und Wundern, mit denen er sein Volk befreite (Psalm 135,9; 136,12-16). Nach der Befreiung aus Ägypten versuchten feindliche Völker wie die Amoriter und die Kanaaniter, Gott sein Volk zu entreißen (Psalm 135,10-11; 136,17-20). Doch Gott besiegte jede Macht, sogar den Riesenkönig Og. Og stammte sowohl von irdischen als auch von geistlichen Mächten ab, aber er ist kein Gegner für den Gott des Himmels und der Erde (5. Mose 3,11). Die Mächte der Menschen und die Mächte der geistlichen Welt sind ohnmächtig, Gott sein Volk zu stehlen (Psalm 135,15-18). Nichts kann Gottes Liebe daran hindern, sein Volk zu retten. 

In Psalm 136 wird Gottes beständige Liebe in jedem einzelnen Teil des Liedes betont. Der Kehrvers „seine Liebe hört niemals auf“ wird zwischen jede einzelne Zeile gesetzt, sodass das Lied dichterisch von einem nie endenden Bekenntnis zu Gottes nie endender Liebe durchdrungen ist. Die Gemeinde sang diesen Kehrvers als Antwort auf den Vorsänger, der alles aufzählte, was Gott in der Geschichte Israels getan hatte. Diese Wiederholung war für Israel ein Zeugnis: Nichts kann und wird Gottes Liebe daran hindern, seinem Volk nachzugehen und es zu retten. 

Wo ist das Evangelium?

Psalm 135 und 136 sind Zwillingslieder, aber das Evangelium schenkt uns ein drittes. So wie Israel von seinem Gott sang, der Ägypten und den Riesenkönig Og besiegte, so können auch wir von Jesus singen, der die größeren Feinde bezwungen hat, die uns versklaven: Sünde, Tod und die Mächte der Finsternis.

Wie Israel waren auch wir im Exil, gefangen von Mächten, die zu stark für uns waren. Die Verdorbenheit in unserer Welt, die Sünde in unseren Herzen und der Tod selbst hielten uns gefangen. Doch die Geschichte von Jesus fügt sich genau in das Lied ein, das diese Psalmen singen. Er ist der Gott über allen Göttern, der Herr über alle Herren, der König über alle Könige (Offenbarung 19,16). Auf seinen Befehl hin teilte sich das Rote Meer, durch seine Hand kamen die Plagen, und die ganze Schöpfung besteht durch seine Herrschaft. Und doch blieb dieser Schöpfer nicht fern. Er trat in seine Schöpfung hinein, um sein versklavtes Volk zu retten.

In Jesus gefiel es dem, der tut, was immer ihm gefällt, sich selbst zu erniedrigen, unsere Gestalt anzunehmen und gegen unsere Feinde zu kämpfen. Die Herrscher der Erde – Statthalter, religiöse Führer und Völker – lehnten sich gegen ihn auf. Die Herrscher der himmlischen Welt – Sünde, Satan und Tod – taten ihr Schlimmstes. Sie nahmen ihn gefangen, verspotteten ihn und kreuzigten ihn. Doch wie bei Ägypten, wie bei Og, wie bei jedem Gott wurde ihre Herrschaft beendet. Jesus stand von den Toten auf und triumphierte über alle Mächte und Gewalten (Kolosser 2,15). Er brach das Grab auf und rettete alle, die dem Tod versklavt waren.

Darum sagt Paulus, dass nichts – „weder Tod noch Leben, weder Engel noch Dämonen, weder Gegenwärtiges noch Zukünftiges noch irgendwelche Gewalten“ – uns trennen kann von der Liebe Gottes, die in Christus Jesus ist (Römer 8,38-39). Wenn Jesus der Herr der ganzen Schöpfung ist, dann kann keine feindliche Macht ihn überwinden. Und wenn Jesus sich entschieden hat, uns zu lieben – sogar als wir noch seine Feinde und Verbannte waren –, dann kann nichts diese Entscheidung rückgängig machen (Römer 5,8).

Die Psalmen sagen es immer und immer wieder: „seine Liebe hört niemals auf.“ In Jesus ist dieser Kehrvers endgültig offenbart worden. Sein Tod beweist es, seine Auferstehung sichert es, und seine Herrschaft verbürgt es. Nichts kann Jesu Liebe aufhalten. Nichts kann seine Liebe beenden. Nichts wird uns jemals von seiner Liebe trennen.

Sieh selbst

Ich bete, dass der Heilige Geist, dessen Liebe niemals aufhört, dir die Augen öffnet, damit du den Gott siehst, dessen Liebe niemals aufhört. Und mögest du Jesus sehen, den König über alle Könige, der jede Macht besiegt hat und dessen Liebe niemals aufhört. 

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