Was passiert hier?
In einer Vision zeigt Gott Hesekiel ein Massengrab voller Gebeine. Dieses Massengrab steht für Israels Exil in Babylon (Hesekiel 37,1-2). Das Exil Israels sieht aus wie der Tod aller Zusagen, die Gott seinem Volk gegeben hat. Und Gott fragt Hesekiel, ob er glaubt, dass das Königreich Israel jemals wiederhergestellt werden kann (Hesekiel 37,3). Hesekiel weiß, dass Gott aus dem Tod Leben hervorbringen kann. Doch er weiß auch, dass das Böse seines Volkes das Exil verursacht hat und dass sie ihre jetzige Trennung von Gott und seinen Zusagen verdient haben. Deshalb sagt Hesekiel, dass nur Gott die Zukunft seines Volkes kennt. Gott antwortet, dass der Tod Israels als Nation nur vorübergehend ist und dass er sein Volk schon bald auferwecken wird. Gott sagt Hesekiel, er solle den Gebeinen befehlen, auf seine Stimme zu hören (Hesekiel 37,4-6). Als Hesekiel das tut, fährt Gottes Geist über die Gebeine, fügt sie zu Skeletten zusammen und überzieht sie mit Muskeln und Haut (Hesekiel 37,7-8). Dann erfüllt Gott die Leichen mit seinem Geist, und ein lebendiges Volk füllt das Tal (Hesekiel 37,9-10). Diese Vision soll Israel Hoffnung geben (Hesekiel 37,11). Trotz ihres Ungehorsams wird Gott sie aus dem Exil zurückbringen, ihr Königreich auferwecken und seinen Zusagen treu bleiben (Hesekiel 37,12-14).
Gott macht das babylonische Exil nicht nur rückgängig – er verspricht auch, Israel in seiner früheren Verherrlichung wiederherzustellen. Jahrhundertelang war Israel durch einen Bürgerkrieg gespalten, der beide Seiten langsam vergiftete und tötete. Doch jetzt sagt Gott, dass er den Tod, den dieser Bürgerkrieg gebracht hat, aufheben und das geteilte Volk Israel wieder vereinen wird. Um diese Zusage sichtbar zu machen, sagt Gott Hesekiel, er solle den Namen Juda auf einen großen Holzstab und Ephraim auf einen anderen schreiben und sie in einer öffentlichen Zeremonie zusammenhalten (Hesekiel 37,15-17). Die vereinten Holzstäbe sind die Zusage: Wenn Gott sein Volk aus dem Exil zurückbringt, wird er Israels Spaltung heilen und sein Volk vereinen (Hesekiel 37,18-21).
Dann weissagt Hesekiel, dass Gott einen neuen König einsetzen wird, der über Israels neu vereintes Königreich herrschen soll (Hesekiel 37,22-23). Dieser König wird ein Nachkomme von König David sein – jenem König, der zuerst alle Stämme Israels vereinte und Israel als Königreich begründete (2. Samuel 5,1-3). Und Gott verspricht, dass dieser neue König für immer über ein ewiges und vereintes Königreich Israel herrschen wird (Hesekiel 37,24-26). Das Wichtigste aber: Gott sagt, dass er wieder mitten unter seinem Volk wohnen wird, wenn dieser König den Thron besteigt (Hesekiel 37,27-28).
Wo ist das Evangelium?
Auf den ersten Seiten der Bibel schwebte Gottes lebensschaffender Geist über den chaotischen und lebenslosen Wassern der Erde und schuf Ordnung und Leben (1. Mose 1,1-2). Und bei Hesekiel bringt Gottes Geist Leben und Ordnung aus dem Tod und Chaos des Exils Israels hervor. Hesekiels Vision von einem Tal voller Gebeine, die zum Leben kommen, ist die Zusage, dass Gottes Königreich neu gemacht wird. Vor allem aber war sie eine Weissagung: Unter der Herrschaft eines neuen Sohnes Davids würde Israels Exil enden, und Gottes Geist würde sein Volk für immer erfüllen. Der Sohn Davids, der Gottes Volk auferweckt und mit Gottes Geist erfüllt, ist der Mann mit dem Namen Jesus (Matthäus 1,1).
So wie Hesekiel sah, dass Gottes Geist ein Volk aus Gebeinen auferweckte und Israels Exil beendete, so weckte Jesus mehrere Menschen von den Toten auf (Matthäus 9,23-25; Lukas 7,11-17; Johannes 11,43-44). Jesus ist der lebensschaffende und vereinende König, den Gott Hesekiel zugesagt hat. Er kam, um die Trennung seines Volkes von Gott zu beenden und Gottes Zusagen von einem ewigen Königreich wiederherzustellen. Letztlich hat Jesus Gottes Zusagen und das ewige Königreich für sein Volk nicht nur dadurch gesichert, dass er andere von den Toten auferweckte, sondern indem er selbst starb und auferstand. Nach seinem Tod erweckte Gottes Geist Jesus aus dem Grab (Römer 8,11-13). Und jetzt sitzt Jesus, der Sohn Davids, auf einem ewigen Thron an Gottes Seite (Markus 16,19).
Und genau wie Hesekiel es weissagte, erfüllt Jesus, der König, sein Volk mit seinem Geist (Johannes 14,16-17). So wie Gottes Geist in Hesekiels Vision über die Gebeine fuhr, so kam Gottes Geist über die ersten Jünger von Jesus (Apostelgeschichte 2,1-2). Und jeder, der der todüberwindenden Kraft von Jesus vertraute, empfing ebenfalls Gottes Geist (Apostelgeschichte 2,38). Irgendwann werden wir uns alle wie ein Haufen dürrer Gebeine fühlen – ohne Leben, von Gott getrennt und unfähig zu erkennen, ob Gott noch auf unserer Seite steht. Doch Tod und Auferstehung von Jesus sind die Zusage, dass Gottes lebensschaffender Geist allen zur Verfügung steht, die darum bitten. So wie Israel darauf vertrauen musste, dass Gottes Zusagen jenseits des Exils in Erfüllung gehen würden, so müssen wir darauf vertrauen, dass Gottes Zusagen in Jesus begonnen haben, in Erfüllung zu gehen. Wenn wir darauf vertrauen, dass Jesus wirklich der König ist, auf den Gottes Volk gewartet hat, dann wird er deinem toten Körper Leben einhauchen und dir seinen Geist als Geschenk geben.
Sieh es selbst
Ich bete, dass der Heilige Geist dir die Augen öffnet, damit du den Gott siehst, der Sünden vergibt und Menschen von den Toten auferweckt. Und mögest du Jesus als den zugesagten König erkennen, der Menschen miteinander und mit Gott vereint.

