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Andacht

Psalm 58

Herrscher, die bei Ungerechtigkeit schweigen

In Psalm 58 sehen wir, dass Jesus derjenige ist, dem die Vollmacht übertragen wurde, die Erde zu richten. Jesus ist der Gott und Herrscher, der angesichts von Unterdrückung nicht schweigt.

Was geschieht hier?

König David ist zornig. Die Könige dieser Welt schweigen, wenn sie Ungerechtigkeit sehen. Voller Sarkasmus fragt David: „Sprecht ihr Herrscher wirklich Recht? Richtet ihr die Menschen unparteiisch?“ (Psalm 58,2). Die unausgesprochene Antwort lautet: „Nein!“ David benutzt ein Wortspiel, um seine Aussage zu schärfen. Das hebräische Wort, das hinter dem Wort „Herrscher“ steht, wird je nach Übersetzung auch mit „Schweigen“ und sogar mit „Götter“ wiedergegeben. Diese Mehrdeutigkeit ist beabsichtigt. Die Ungerechtigkeit gottloser Herrscher ist mit dem Schweigen ihrer Götter verflochten. Gemeinsam schmieden die Mächte falscher Religion und Politik ungerechte Pläne, um sich selbst Vorteile zu verschaffen – auf Kosten derer, die ihnen unterworfen sind (Psalm 58,3). 

Diese bösen geistlichen und politischen Eliten sind von Geburt an verdorben (Psalm 58,4). Sie sind lügnerische Schlangen. Ihre Worte sind Gift. Sie sind so entschlossen, Schaden anzurichten, dass kein Schlangenbeschwörer ihr rastloses Böses bändigen kann (Psalm 58,5-6). Der Psalmdichter betet, dass Gott ihnen die Giftzähne aus dem Maul bricht und – im Wechsel des Bildes – diese Löwen zahnlos macht, diese Flut des Bösen verdunsten lässt, diese scharfen Pfeile stumpf werden lässt und diese schneckenartigen Menschen zerfließen lässt (Psalm 58,7-9a). Die letzte Bitte ist, dass Gott es so machen möge, als wären diese ungerechten Götter und Könige nie geboren worden (Psalm 58,9b).

Danach drückt der Psalmdichter eine feste Zuversicht aus: Gott wird das Böse gründlich und endgültig auslöschen (Psalm 58,10). Die unschuldigen Rechtschaffenen werden eines Tages ihre Füße in das Blut ihrer besiegten Feinde tauchen (Psalm 58,11). Die Gerechtigkeit dieses Handelns wird so unbestreitbar sein, dass Menschen aus aller Welt dem Handeln Gottes zustimmen werden. Im Gegensatz zu dem, was sie früher sagten, sagen sie nun, dass Gerechtigkeit zu üben immer belohnt wird und dass Gott das Böse zum Schweigen bringen wird (Psalm 58,12). Interessanterweise steht im letzten Vers dort, wo die meisten Bibeln „Gott“ übersetzen, eigentlich das Wort „Götter“. Dieses letzte Wortspiel deutet an: Das Rufen nach „den Göttern“ bringt allumfassendes Gericht, aber das Rufen zu dem einen Gott bringt endgültige Gerechtigkeit für alle Unterdrückten.

Wo ist das Evangelium?

Psalm 58 ist ein Schrei nach Gerechtigkeit gegen die Korrupten – aus dem Mund von jemandem, der unter dem Bösen und unter dem Schweigen gelitten hat. Für die unter uns, die kein großes Böses und kein abgestumpftes Schweigen erlebt haben, ist es oft schwer, die harte Sprache nachzuempfinden, mit der diese bösen Herrscher und Götter beschrieben werden. Noch schwerer fällt es uns, Gott – wie der Psalmdichter es tut – zu bitten, dass wir „unsere Füße tauchen“ dürfen in das Blut dieser besiegten moralischen Ungeheuer (Psalm 58,11). 

Oft ist unser Unbehagen eine Folge unserer relativen Sicherheit. Doch wer einmal von der Geheimpolizei gejagt wurde oder mit ansehen musste, wie geliebte Menschen in Massengräbern begraben werden, der wird mit der Notwendigkeit konfrontiert, harte Worte gegen Ungerechtigkeit zu finden – und mit der Notwendigkeit, dass die Menschen, Institutionen und Systeme, die sie verursachen, endgültig vernichtet werden. Nur die Unterdrücker und die Privilegierten schaudern bei der Rache und Vergeltung, die hier beschrieben wird. Schon bald wird Jesus selbst sie vollziehen. 

Jesus ist der eine wahre Gott, dem die Vollmacht übertragen wurde, die Erde zu richten (Johannes 5,22). Im Buch der Offenbarung wird uns gesagt, dass Jesus seine Füße mit Blut färben wird, wenn er das Böse und die Ungerechtigkeit zertritt wie Trauben in einer Weinpresse (Offenbarung 19,15b). Noch anschaulicher: Sein ganzes Gewand wird in das Blut derer getaucht sein, die Ungerechtigkeit und Böses geplant haben (Offenbarung 19,13). In Jesus wird mit allem Bösen abgerechnet. Und anstelle von Schweigen wird die ganze Erde singen: „Halleluja! Erlösung und Verherrlichung und Macht gehören unserem Gott, denn wahr und gerecht sind seine Urteile“ (Offenbarung 19,1-2).

Wenn du gerade große Ungerechtigkeit durch die Herrscher und Götter dieser Welt erleidest: Jesus ist der Gott und Herrscher, der angesichts von Unterdrückung nicht schweigt. Er steht auf der Seite der Unschuldigen und der Rechtschaffenen, und er kommt schnell zu allen, die zu ihm um Hilfe rufen.

Sieh es selbst

Ich bete, dass der Heilige Geist dir die Augen öffnet, damit du den Gott siehst, der Gerechtigkeit bringt. Und mögest du Jesus als den sehen, der schon bald kommt, um dem Bösen ein Ende zu setzen.

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