Was passiert hier?
Psalm 87 beschreibt, wie das Volk Israel eines Tages die Heimat von Menschen aus der ganzen Welt sein wird. Auf einem Berg namens Sinai erwählte Gott Israel zu seinem Volk. Und auf einem anderen Berg namens Zion gründete er die Hauptstadt seines Volkes – Jerusalem (Psalm 87,1). Jerusalem ist Gottes Lieblingsstadt, und er liebt sie mehr als alle anderen Orte in Israel (Psalm 87,2). Sie ist ein herrlicher Ort, gerühmt von Bürgern und Fremden gleichermaßen (Psalm 87,3). Und der Grund, warum Zion (oder Jerusalem) so herrlich ist, liegt darin, dass die Stadt voller Fremder ist.
Es wurde eine Volkszählung in der Stadt Gottes durchgeführt. Und der Psalmschreiber macht deutlich: Völker, die einst dem Volk Gottes Schaden zufügten und sogar Jerusalem angriffen, werden jetzt als Bürger aufgenommen. Ägypten und Babylon, zwei ungeheuerliche politische Mächte, sind adoptiert worden. Die Philister, ständige Feinde Israels, sind nun Landsleute. Tyrus, im besten Fall ein unbeständiger Handelspartner, gilt jetzt als einheimisch. Und selbst die fernen Menschen aus Kusch gehören zu Gottes neuer Stadt (Psalm 87,4). Menschen aus der ganzen Welt sind nun Brüder, vereint durch die gemeinsame Treue zur Stadt Gottes, Jerusalem (Psalm 87,5). Und obwohl es keine einheitliche Volkszugehörigkeit oder Nationalität gibt, haben alle Menschen in Gottes Stadt eines gemeinsam: Gottes Volkszählung erklärt sie zu echten Kindern Zions (Psalm 87,6). Und alle in der Stadt loben Gott als ihre gemeinsame Quelle – wie ein sprudelnder Brunnen, der sich in viele Flüsse verzweigt (Psalm 87,7).
Wo ist das Evangelium?
Auf einigen der ersten Seiten der Bibel versprach Gott einem Mann namens Abram, dass aus seinen Nachkommen ein Volk werden würde, und dass dieses Volk der Welt Segen bringen und Gottes Güte erfahren würde (1. Mose 12,1-3). An diese Hoffnung und Verheißung erinnert Psalm 87, doch sie erfüllt sich im Leben von Abrams Nachkommen Jesus (Matthäus 1,1-17).
Jesus kam, um ein neues Volk zu schaffen (Matthäus 4,17); kein irdisches Volk, das durch geografische Grenzen bestimmt ist, sondern ein himmlisches Reich, das alle Stämme, Völker und Sprachen einschließt (Johannes 18,36). Zu Jesu Nachfolgern gehörten schon zu seinen Lebzeiten nicht nur Israeliten, sondern auch Bürger feindlicher Nationen. Römische Zenturionen, Samariter und Griechen folgten Jesus (Matthäus 8,5-13; Johannes 4,1-42; 12,20-36), ganz zu schweigen von den moralischen Außenseitern wie den Rom-freundlichen Juden, den Prostituierten und den Sündern, die Jesus in seine Gemeinschaft aufnahm (Matthäus 9,9-12). In seinem Leben machte Jesus deutlich, dass er ein Volk aufbaute, das nicht auf Geografie, Sprache oder auch nur moralischer Tugend beruht, sondern auf der gemeinsamen Treue seines Volkes zu ihm. Die tiefe Liebe, die Gott in diesem Psalm für Jerusalem hat, wurde sichtbar, als Gott Jesus in die Welt sandte, damit alle, die an ihn glauben, für immer mit Gott in seiner Stadt leben (Johannes 12,32; Philipper 3,20).
Es stimmt, dass Jesus kam, um alle Menschen zu Bürgern seines einen, endgültigen Reiches zu machen – doch genauso oft beschreibt die Bibel diese Wirklichkeit als Adoption (Hebräer 2,10-11; Galater 4,4-5). Wir gehören zur Familie Jesu, weil er kam und starb, um uns dazu zu machen (Johannes 1,12-13). Wo früher Trennung zwischen dem Volk Gottes und dem Rest der Welt bestand, reißt Jesus diese Mauern ab und schafft eine neue Menschheit, ein neues Volk und eine neue Stadt Gottes (Epheser 2,14-18). Und die beste Nachricht ist: Sogar aufsässige und ungehorsame Feinde Gottes sind eingeladen, dazuzugehören. Wenn wir uns Jesus verpflichten, sichert er uns nicht nur Vergebung oder ein Bürgerrecht zu, sondern die Aufnahme als vollwertige Mitglieder in Gottes Familie (Römer 5,7-8).
Sieh selbst
Ich bete, dass der Heilige Geist dir die Augen öffnet, damit du den Gott siehst, der Fremde zu einheimischen Bürgern seines Reiches macht. Und dass du Jesus als den erkennst, der alle Völker in seine neue Stadt und in sein Reich adoptiert.

