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Andacht

Psalm 69

Rette mich, Gott!

In Psalm 69 sehen wir, dass Jesus eine unverhältnismäßige Strafe und unverhältnismäßiges Leid zugefügt wurden. Er nahm freiwillig auf sich, was seine Feinde ihm entgegenschleuderten, um zu zeigen, wie die Gerechtigkeit die Sünde bestraft.

Was passiert hier?

Psalm 69 wird im ganzen Neuen Testament verwendet, um die Leiden Jesu zu beschreiben. Doch zunächst ist es König David, der angegriffen wird – und zwar nicht von seinen Feinden, sondern von seinen Brüdern und Landsleuten (Psalm 69,8). David fühlt sich, als würde er unter ihren Anschuldigungen ertrinken (Psalm 69,2). David weiß, dass er Unrecht getan hat und vor Gott schuldig ist, aber die Strafe, die seine Feinde fordern, steht in keinem Verhältnis zu dem, was er sich hat zuschulden kommen lassen (Psalm 69,4-5). 

David versteht, dass sein öffentlicher Eifer für Gott ihn in den Augen seiner Kritiker angesichts seiner kürzlich begangenen Sünden zum Heuchler macht (Psalm 69,9). Aber David versteht auch: Ihre falschen Anschuldigungen sind ein Anzeichen dafür, dass sie eigentlich auf Gott zornig sind. Ganz unabhängig von seiner tatsächlichen Schuld betet David, dass die Schmach, die Schande und die Ablehnung, die er erlebt, nicht auf die Gemeinschaft der wirklich Treuen übergreifen (Psalm 69,6-8.10-11). Und er betet, dass Gott ihn aus der Flut der Unterstellungen retten wird, die gegen ihn gerichtet sind (Psalm 69,13-15). 

David beruft sich auf Gottes Gerechtigkeit und Liebe und bittet um Barmherzigkeit (Psalm 69,16). Er will nicht, dass Gott wegschaut oder sein Angesicht verbirgt (Psalm 69,17). Er will, dass Gott sieht, wie unbarmherzig und herzlos seine Feinde sind. Er will, dass Gott sieht, wie sie sein Wasser mit Essig und Galle vergiften (Psalm 69,19-21). Und weil er Gottes Liebe zu ihm kennt, bittet David um Vergeltung an seinen Feinden. David will, dass ihre Speise vergiftet wird, ihre Augen erblinden, ihre Häuser verlassen daliegen und ihre Seelen verdammt werden (Psalm 69,22-27).

Im Vertrauen auf eine solche Rettung lobt David Gott mit einem Lied – vielleicht mit genau diesem Lied (Psalm 69,30). David weiß: Gott ist dieses ungeteilte Vertrauen darauf, dass er ihm Recht verschafft, lieber als Schlachtopfer mit Hufen und Hörnern (Psalm 69,31). Und dann verwandelt sich der Psalm von einem persönlichen Gebet um Vergeltung in den Schrei eines Volkes in der Gefangenschaft (Psalm 69,32-33). Wie David, der von seinen Anklägern in die Enge getrieben ist und doch darauf vertraut, dass Gott ihm Recht verschafft, so soll auch Israel zu Gott schreien, dass er sein Königreich denen entreißt, die es bedrohen, und wiederherstellt (Psalm 69,34-36). 

Wo ist das Evangelium?

Wie David wird Jesus ohne Grund von seinen jüdischen Brüdern und Landsleuten gehasst. In einer öffentlichen Bekundung seines Eifers für Gott stößt Jesus die Tische eines Marktes um, der im Haus Gottes aufgebaut ist (Johannes 2,17). Doch in einem Scheinprozess beschuldigen ihn seine jüdischen Brüder fälschlich der Gotteslästerung und fordern eine Strafe, die sie für angemessen halten (Matthäus 26,65; Römer 15,3). Voller Zorn auf Gott kreuzigen sie den unschuldigen Jesus. In ihrer Grausamkeit geben sie ihm Galle und Essig zu trinken (Matthäus 27,34.48; Johannes 19,28). Ähnlich wie David fragt Jesus, warum Gott sein Angesicht vor seinen Leiden verbirgt (Markus 15,34). 

In seinen tiefsten Schmerzen betet David, dass Gottes Liebe Gott selbst dazu bewegt, Gerechtigkeit an denen zu vollstrecken, die ihn fälschlich anklagen. Doch in seinen letzten Augenblicken am Kreuz bittet Jesus Gott, denen zu vergeben, die ihn gekreuzigt haben (Lukas 23,34). Jesus nimmt freiwillig eine Strafe an, die in keinem Verhältnis zu seiner Unschuld steht – damit den Schuldigen vergeben werden kann (1. Petrus 3,18). 

Erschütternd: Jesus stirbt genau so, wie David es sich für seine Ankläger gewünscht hatte – die Speise mit Galle vergiftet, die Augen von Blut geblendet und verdammt zu drei Tagen unter den Toten. Das bedeutet: Davids Forderungen nach Gerechtigkeit beginnen sich am Leib Jesu selbst zu erfüllen. In Jesus bekommen unschuldig Leidende einen ersten Vorgeschmack auf die angemessene Gerechtigkeit für das Unrecht, das ihnen angetan wurde. Jesus stirbt nicht nur für unsere Sünden, sondern zeigt auch, wie die Gerechtigkeit für die Sünden aussehen wird, die an uns begangen wurden. Gott wird die vergiften, blenden und verdammen, die die Söhne und Töchter Gottes fälschlich anklagen und misshandeln. 

Vertraue also von ganzem Herzen – nicht auf Schlachtopfer mit Hufen und Hörnern, sondern auf das Schlachtopfer Jesu. In ihm wird den Schuldigen vergeben, denn Jesus hat ihre Strafe getragen. Und in ihm erhalten die Unschuldigen eine Anzahlung auf die endgültige Gerechtigkeit, die ihren Feinden gewiss ist – und einen Anschauungsbeweis dafür. 

Sieh selbst

Ich bete, dass der Heilige Geist dir die Augen öffnet für den Gott, der vergibt und der richtet. Und dass du in Jesus den erkennst, der in sich selbst sowohl Gottes als auch unsere Forderungen nach Gerechtigkeit erfüllt.

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