Was geschieht hier?
Salomo baut den Tempel. Es ist der Höhepunkt in Israels Geschichte, denn der Tempel ist mehr als ein Ort der Anbetung. Er ist ein Modell des Universums, so wie es gedacht ist. Wie Eden war er ein Ort, an dem Gott und Mensch zusammen leben konnten. Mose wurde gesagt, dass Gottes Tabernakel ein Abbild eines himmlischen Vorbildes ist (2. Mose 25,40; Hebräer 8,5).
Das Gold, das Zedernholz und die Anordnung der heiligen Ausstattung des Tempels – all das stellt dar, wie Gott sein Universum geordnet haben will. Wie der Garten ist er überreich an Kürbisblüten, Granatäpfeln und Lilien (1. Könige 6,18; 1. Könige 7,42). Jedes Element ist meisterhaft entworfen und gefertigt (1. Könige 6,7). Gottes Thron und seine Gegenwart befinden sich in der Mitte dieses Tempel-Universums und wirken auf jeden, der ihnen nahe kommt (1. Könige 8,10-11). Die Gegenwart Gottes wird sogar von zwei Engeln bewacht, wie die zwei, die Eden bewachten (1. Könige 6,27; 1. Mose 3,24). Und der Tempel ist voll von Wasser, genauso wie jeder Zentimeter des Gartens bewässert wurde.
Da steht ein riesiges Becken, das „Meer“ genannt wird, und während du auf Gottes Gegenwart zugehst, flankieren dich zehn riesige Wasserbecken (1. Könige 7,39.43). So wie Israel durch das Rote Meer ging, um Gott am Berg zu begegnen, so durchlebt Gottes Volk seine Erlösungsgeschichte neu, während es auf seine Gegenwart zugeht. Der Tempel ist ein Miniaturmodell des Universums.
Deshalb werden auch Salomos eigener Palast, sein Thronsaal und Israels oberster Gerichtshof gleich daneben gebaut – mit derselben Eden-Bildsprache wie der Tempel (1. Könige 7,2). Die Menschheit sollte die Erde gemeinsam mit Gott regieren, darum stellt Salomo seinen Palast, seinen Thron und seinen Richterstuhl neben Gott.
Gott warnt Salomo, dass er nicht auf diesen Tempel beschränkt ist (1. Könige 6,13). Und als Salomo den Tempel einweiht, warnt er sein Volk mit derselben Wahrheit (1. Könige 8,27). Gott hat nicht auf ein Gebäude gewartet, um bei seinem Volk wohnen zu können; er wohnt bei Herzen, die ihn lieben und ihm gehorchen wollen (1. Könige 8,25). Gott brauchte keinen Tempel, aber sein Volk brauchte ein Symbol, das es daran erinnerte: Wer seine Hände zu ihm ausstreckt, wird allen Reichtum von Eden empfangen (1. Könige 8,30). So ist das Universum gedacht.
Wo ist das Evangelium?
Der Apostel Johannes sagt uns, dass Jesus seinen Tod als die Zerstörung der alten Weisen, Gott anzubeten, verstand und als den Anfang der Herrschaft einer neuen Art von Tempel (Johannes 2,19-21). Letztlich ist Jesus der Tempel und das Modell dafür, wie das Universum gedacht ist. Wenn Menschen ihre Hände zu ihm ausstreckten, wurden sie geheilt (Markus 5,27-28). Wenn Menschen um Vergebung baten (und selbst wenn sie es nicht taten), kam Jesus auf sie zu und vergab ihnen ihre Sünden (Markus 2,5).
Die Menschen mussten nicht länger zum Tempel gehen, um Vergebung der Sünde und Heilung zu empfangen. In Jesus kam der Tempel zu ihnen. Johannes sagt, dass Jesus unter uns „sein Zelt aufschlug“ – auch wenn deine Bibel dieses Wort wahrscheinlich mit „wohnte“ übersetzt (Johannes 1,14). Das Leben Jesu brachte den Garten Eden allen nahe, die darum baten. Als das neue Zentrum des Universums verkörpert er den Weg, auf dem wir zu Gottes Gegenwart und Kraft kommen. Genau wie Israel durch die symbolischen Wasser im Tempel hindurchging, gehen wir durch das Blut des Kreuzes Jesu. Uns wird ein Zugang geschenkt, der nicht vorläufig ist, sondern uns ewiges Leben mit Gott zusichert.
Aber wir sind auch Tempel (1. Korinther 6,19). Wir sind neue, lebendige Modelle eines Universums, das in Ordnung gebracht ist. Wie Salomo und wie Adam und Eva regieren wir an Gottes Seite, während Gott in uns regiert. Wohin wir auch gehen, werden wir zu Außenposten eines Königreichs und zu Setzlingen des Gartens. Petrus nennt uns lebendige Steine eines neuen Tempels (1. Petrus 2,5). Paulus sagt, wir sind Gottes lebendiger Bau, der Stein für Stein die Wirklichkeit und Gegenwart von Gottes Königreich sichtbar macht (1. Korinther 3,9-10). Schöner als der Tempel bist du – wie jeder Teil von Gottes Garten – dazu entworfen, ein Teil seines guten Plans zu sein, die Welt neu zu machen.
Sieh selbst
So möge der Heilige Geist dir die Augen öffnen, damit du den Gott siehst, der in seinem Tempel wohnt. Und mögest du Jesus sehen als den, der uns zu neuen Tempeln macht und uns an seiner guten Herrschaft über die ganze Erde beteiligt.

