Was passiert hier?
Gottes Volk baut seine Nation und den Tempel wieder auf – 70 Jahre nachdem beides zerstört wurde. Zwei Monate lang hat sich Gottes Volk darauf vorbereitet, den Tempel wieder aufzubauen (Haggai 2,10). Und heute wird in einer besonderen Zeremonie der erste Stein gelegt (Haggai 2,18). Doch bevor Haggai auftrat, hatten die Priester, die den Wiederaufbau leiten sollten, nur den Altar gebaut. Dann hörten sie auf. Für sie war das nachvollziehbar, denn als Priester wussten sie: Die größte Bedrohung dafür, die lebensspendende Gegenwart Gottes in ihrem Land zu erleben, war die Unreinheit des Volkes Gottes. Und der Altar war der Ort, an dem unreine Menschen rein werden konnten. Aber Haggai sagt, dass genau ihre Entscheidung, den Wiederaufbau des Tempels abzubrechen, der Grund dafür ist, dass Gottes lebensspendende Gegenwart ihnen entgangen ist (Haggai 2,17).
Für Haggai war der Tempel wie eine Leiche. Der nicht wieder aufgebaute Tempel selbst war unrein. Sein Verfall verunreinigte deshalb all ihre Bemühungen um Reinheit und damit auch ihr Land (Haggai 2,10-14). Darum waren alle früheren Versuche, den Tempel wieder aufzubauen, von Plagen und Krankheit geprägt (Haggai 2,15-17). Wie gut ihr Altar auch gemeint war – er konnte die ansteckende Unreinheit eines verfallenden Tempels nicht aufheben. Doch jetzt, da der erste Stein gelegt wird, verspricht Gott, dass die Verunreinigung der Vergangenheit angehören wird (Haggai 2,18). Gottes lebensspendende Gegenwart wird wieder bei seinem Volk sein, und er wird es mit allem segnen, was es braucht (Haggai 2,19).
Am selben Tag, an dem der feierliche erste Stein gelegt wird, gibt Haggai eine Prophetie an Zerubbabel weiter, den amtierenden Statthalter des Volkes Gottes (Haggai 2,20-21). Für Zerubbabel wird Gott jedes Volk vernichten, das sein Volk bedroht (Haggai 2,22). Gott hat Zerubbabel zu seinem König erwählt – zum Zeichen und Sachwalter seiner königlichen Vollmacht auf der Erde (Haggai 2,23). Mit dem gelegten Grundstein des Tempels, mit Gottes Gegenwart bei ihnen und Gottes König auf dem Thron kann Gottes Volk darauf vertrauen, dass Gott es weiter segnen wird.
Wo ist das Evangelium?
Letztlich ist Jesus der erste Stein des neuen Tempels Gottes (1. Petrus 2,7-8). Und weil Jesus der erste Stein eines neuen und besseren Tempels ist, bedeutet das: Jesus hat den Altar wiederhergestellt, an dem unreine Menschen rein werden können (Apostelgeschichte 4,11; Epheser 2,20). Nun kann ein Schlachtopfer dargebracht werden, das sein Volk völlig rein macht und ihm den Zugang zu seiner lebensspendenden Gegenwart eröffnet. Bei einem neuen Tempel und einem wiederhergestellten Altar würden wir auch ein neues Schlachtopfer erwarten, das Gottes Volk rein macht. Und anstatt ein Tier zu opfern, opfert Jesus sich selbst (1. Johannes 2,2). Jesus ist nicht nur unser Tempel, sondern auch unser Altar und unser Schlachtopfer. Das heißt: Jesus ist der endgültige Weg, um in die lebensspendende Gegenwart Gottes zu kommen (Apostelgeschichte 4,12).
Weil Jesus aber der erste Stein eines neuen Tempels ist, steht er auch für ein Bauprojekt, das weitergeht und noch nicht vollendet ist. Gottes Reinheit und Gottes Leben werden nicht in einem Tempel aus Steinen wohnen, sondern in einem Bau, der aus Menschen besteht. Wir sind Teil von Gottes fortlaufendem Bauprojekt. Gott will aus uns einen lebendigen Tempel bauen, in dem die Kraft, die Vollmacht und die Gegenwart Gottes wohnen (Epheser 2,21-22). Wohin wir auch gehen, dorthin geht Gottes Gegenwart mit. Wohin wir auch gehen, dorthin geht Gottes Kraft mit, Leben zu schenken und den Verfall zurückzudrängen.
Jesus ist Gottes König, der über die ganze Erde regiert (Epheser 1,20-21). Zerubbabel ist sogar einer seiner königlichen Vorfahren. Und obwohl Jesus als unser Schlachtopfer gestorben ist, ist er von den Toten auferstanden – hin zu einem Thron im Himmel. Damit ist Jesus unser Tempel, unser Altar, unser Schlachtopfer und unser König. Und weil das alles wahr ist, kann Gottes Volk darauf vertrauen: Durch Jesus sind wir Teil eines neuen, lebendigen Tempels, der unausweichlich Segen und Leben in die Welt bringen wird.
Sieh selbst
Ich bete, dass der Heilige Geist dir die Augen öffnet, damit du den Gott siehst, der sein Volk rein macht. Und mögest du Jesus als den ersten Stein eines neuen Tempels sehen, den er durch uns baut.

