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Andacht

Jeremia 30-31

Ein neuer Bund

In Jeremia 30–31 sehen wir: Durch sein Blut und durch seinen Tod hat Jesus einen Weg geschaffen, damit Gottes Volk Vergebung und Veränderung findet und für immer seine Bundesliebe erfährt.

Was passiert hier?

Jeremia schreibt eine Reihe von Briefen an Gottes Volk, das in Babylon im Exil lebt, und stellt ihnen die Hoffnung auf einen „neuen Bund“ vor Augen. Ein Bund war ein antiker Vertrag, der die Bedingungen und die Folgen einer Beziehung zwischen zwei Völkern festlegte. 

Jeremia sagt: Auch wenn das Exil Judas die verdiente Folge dafür ist, dass sie den ersten Bund gebrochen haben, wird Gott ihre Gefangenschaft bald beenden, sie in ihr Land zurückbringen und einen neuen Bund schließen (Jeremia 30,1-3). Gott sieht ihre Qual und ihr Leid unter babylonischer Herrschaft, und er verspricht, sein Volk bald zu retten und die, die es gefangen halten, dazu zu bringen, sich vor einem neuen König zu beugen, den er auf den Thron Jerusalems setzen wird (Jeremia 30,4-10). Jeremia erklärt: Auch wenn Gott für das Exil Judas verantwortlich ist, sollte es sie von Anfang an auf eine neue und bessere Zukunft vorbereiten (Jeremia 30,11-24). Selbst nach all ihrem Versagen und ihrer Strafe liebt Gott sie noch und will in einer Bundesbeziehung mit ihnen leben (Jeremia 31,1-3). 

Dann beschreibt Jeremia, was dieser neue Bund mit sich bringt. Jahrhundertelang waren die zwölf Stämme des Volkes Gottes durch Bürgerkrieg getrennt, aber Gott versprach, die verfeindeten Stämme zu vereinen, damit sie alle wieder gemeinsam Gott anbeten können (Jeremia 31,3-6). Wohin die Völker sie auch verstreut haben – Gott wird sein ganzes Volk wie ein guter Hirte wieder sammeln. Und nicht einmal die Blinden und Lahmen seiner Herde werden vergessen sein in der Zeit der Fülle und des Überflusses, die er bringen will (Jeremia 31,7-14). Dann stellt Jeremia sich vor, wie Gott zu Rahel kommt, einer der Stammmütter Judas. Sie weint über das Exil ihres Volkes und über den Tod ihrer Nachkommen (Jeremia 31,15). Aber Gott sagt Rahel, sie solle aufhören zu weinen, denn in diesem neuen Bund wird er all ihre Kinder zurückbringen und die Versprechen erfüllen, die Gott ihr gegeben hatte (Jeremia 31,16-17).

Gott wechselt das Bild und sagt, dass sein neuer Bund Juda verwandeln wird: aus der Tochter, die zur Hure geworden ist, wird eine jungfräuliche Braut (Jeremia 31,21-22). Für Gott war sein erster Bund mit Juda wie Gelübde, die an einem Hochzeitstag ausgetauscht werden (Jeremia 31,31-32). Deshalb verspricht Gott in diesem neuen Bund, seine Gelübde neu auf das Herz seiner Braut zu schreiben. Niemand wird mehr an Gottes Liebe erinnert werden müssen, und alle vergangene Untreue wird vergessen sein (Jeremia 31,33-34). Und dieser neue Bund kann nur dann gebrochen werden, wenn die Sonne aufhört zu brennen und die Sterne vom Himmel fallen. Und nichts wird Gottes Volk davon abhalten, mit ihm zu leben und für immer seine Liebe und seinen Schutz zu genießen (Jeremia 31,35-40).

Wo ist das Evangelium?

Jeremia ist das einzige Buch im Alten Testament, das den „neuen Bund“ erwähnt, aber es ist nicht das erste Mal, dass der Gedanke eines neuen Bundes auftaucht. Gleich nachdem Gott seinen ersten Bund mit seinem Volk geschlossen hat, kündigt er ihre Untreue gegenüber diesem Bund an, ein unvermeidliches Exil, ihre spätere Rückkehr und die verwandelten Herzen, die er ihnen dann geben will (5. Mose 30,1-10). Jeremia nennt ihn zwar „neu“, doch es war immer schon Gottes Absicht, Menschen mit verwandelten Herzen und Gedanken zu schaffen, die mit ihm leben und für immer seine Liebe genießen können. 

Das erste Mal spricht das Neue Testament von einem „neuen Bund“, als Jesus beim jüdischen Pessachfest einen Becher Wein erhebt und erklärt, dass sich in seinem bevorstehenden Tod der neue Bund erfüllen wird, von dem Jeremia gesprochen hat (Lukas 22,20; 1. Korinther 11,25). Pessach erinnerte an die Befreiung Israels aus der ägyptischen Sklaverei und an die Ereignisse, die zum ersten Bundesschluss Gottes führten. Jesus sagte damit: Sein Tod würde eine neue Befreiung sein – die Befreiung von Herzen, die der Untreue und dem Bösen versklavt sind. Durch sein Blut und durch seinen Tod schuf er einen Weg, damit Gottes Volk Vergebung findet, verwandelt wird und für immer seine Liebe erfährt. Als Jesus starb, wurde Gottes Volk befreit, und ein neuer Bund wurde geschlossen (Hebräer 8,13). 

Dieser neue Bund ist nicht auf die Stämme des Volkes Gottes begrenzt. Er schließt Gesunde und Lahme ein, Sehende und Blinde, Juden und Nichtjuden. Er steht allen offen – nicht aufgrund der Herkunft, sondern aufgrund des Glaubens und des gemeinsamen Vertrauens darauf, dass Jesus der König ist, der eines Tages über das ganze Volk Gottes herrschen wird, genau wie Jeremia es gesagt hat. Wie Juda bewiesen hat: Du musst nicht heilig, rein oder gut sein, um in dieses Reich zu kommen. In Jesu Reich verwandelt Gott selbst die Schlimmsten unter uns in seine makellose Braut und verspricht, uns für immer zu lieben – trotz allem, was wir tun.

Sieh selbst

Ich bete, dass der Heilige Geist dir die Augen öffnet, damit du den Gott siehst, der einen neuen Bund geschlossen hat. Und mögest du Jesus als den erkennen, der gestorben ist, um Gottes Schutz und Gottes Liebe für immer zu sichern. 

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