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Andacht

Psalm 102

Verbirg dein Angesicht nicht

In Psalm 102 sehen wir, dass Jesus der Gott ist, der die ganze Welt geschaffen hat – und er verbürgt sich dafür, dass seine Welt und sein Volk wiederhergestellt werden.

Was geschieht hier?

In Psalm 102 bittet ein leidender Mann (vielleicht der König von Jerusalem, nachdem Babylon die Stadt zerstört hatte) Gott darum, ihn und die Stadt, in der er lebt, wiederherzustellen. Der Mann fleht Gott an, sein Leben zu retten, das wie Rauch verschwindet (Psalm 102,2-4). Das Elend hat ihn an den Rand des Todes gebracht, und seine Feinde haben die Gelegenheit genutzt, seinen guten Namen zu zerstören (Psalm 102,9.12). Der Kummer zehrt an seiner Gesundheit und nagt an seinen Knochen (Psalm 102,4-12). Seine Nahrung – wenn er überhaupt daran denkt, zu essen – besteht aus Asche und Tränen (Psalm 102,10). Verzweifelt klagt er, dass Jerusalem gefallen ist, weil Gott es zugelassen hat (Psalm 102,11). In seinem gerechten Zorn über die Verderbtheit und Bosheit seines Volkes ließ Gott zu, dass Babylon die Stadt niederbrannte. Und wenn er nachts wach und allein daliegt, verfolgen ihn diese Gedanken (Psalm 102,7-8).

Doch der Mann weiß auch: Die Zerstörung Jerusalems kann nicht Gottes letztes Handeln an der Hauptstadt seines Volkes sein. Er weiß, dass Gott Jerusalem liebt und dass er die zerstörte Stadt wieder aufbauen kann (Psalm 102,14-17). Deshalb betet der Mann um ihre Auferstehung. Auch wenn sein eigenes Leben verkürzt wird, weiß er, dass Gott sein Volk neu aufbauen kann (Psalm 102,24-25). Er fleht Gott an, die Hungernden zu speisen, ihre Schreie nach Rettung zu erhören, Gefangene zu befreien und die zum Tod Verurteilten zu begnadigen (Psalm 102,18-21). Wenn nicht um seines Volkes willen, dann doch deshalb, weil bei dieser Rettung ganz Jerusalem und die ganze Welt nicht anders können, als anzuerkennen: Gott ist der, der seinen König auferweckt und sein Königreich wieder aufbaut (Psalm 102,22-23). Der Mann weiß: Wenn Gott schon vor dem Anfang der Welt existierte und alles auf der Erde geschaffen hat, dann kann er auch leicht seine Gebete beantworten und das Volk, das er liebt, aus seinen Trümmern auferstehen lassen (Psalm 102,26-27). Der Mann weiß: Wenn Gott wirklich ewig ist, dann werden sich seine Liebe und seine Macht nicht ändern. Und so betet er in der letzten Zeile des Liedes, Gott möge seinem ewigen Wesen treu bleiben und einen Weg finden, sein Volk aus dem Tod aufzuerwecken (Psalm 102,28-29). 

Wo ist das Evangelium?

Jesus ist der leidende Mann und König von Psalm 102. Als Mensch erlebte er Hunger, Verfolgung und Not, und das Leiden war ihm bestens vertraut (Matthäus 2,13-15; 4,1-2; 8,20; Jesaja 53,3). Und als Nachkomme der königlichen Linie Israels war er König und Erbe des Thrones von Jerusalem (Matthäus 1,17; Lukas 2,4-5). Wie der leidende König in Psalm 102 wusste Jesus, dass die Auferstehung erst nach dem Tod kommen kann (Lukas 24,7). Deshalb gab er sich freiwillig in die Hände seiner Feinde, die darauf aus waren, seinen Körper und seinen guten Namen zu zerstören (Markus 14,56; 15,16-20). Jesus ließ sein Leben freiwillig verkürzen, weil er wusste, dass Gott ihn und sein Königreich jenseits des Leidens wieder aufbauen würde. Nach drei Tagen im Grab stand Jesus von den Toten auf. Die Auferstehung von Jesus war mehr als ein wunderbares einmaliges Ereignis; sie weist voraus auf die Auferstehung der ganzen Welt (1. Korinther 15,20; Offenbarung 21,5). Weil Jesus zugleich der Gott ist, der die ganze Welt geschaffen hat, ist seine Auferstehung vom Tod eine Garantie dafür, dass auch seine Welt und sein Volk auferweckt und neu aufgebaut werden (Hebräer 1,10-11). 

Wohin wir heute auch schauen: Wir sehen, dass die Welt nicht so ist, wie Gott sie gedacht hat. Depression, Trauer und Armeen versetzen Menschen wie ganze Städte in Schrecken. Ganz gleich, wo wir leben – wir sehen, dass die Welt durch die Auferstehungskraft von Jesus neu aufgebaut werden muss. Doch wegen Jesus wird unser Leiden niemals Gottes letztes Handeln an den Menschen sein, die er liebt – die Auferstehung wird es sein. Darum dürfen auch wir wie der Psalmbeter nach Gottes Rettung und Erneuerung rufen, und wir wissen: Er wird sie schenken.

Sieh selbst

Ich bete darum, dass der Heilige Geist dir die Augen öffnet, damit du den Gott siehst, der sein Volk und sein Königreich auferweckt. Und dass du Jesus siehst als den, dessen Auferstehung die Auferstehung und Erneuerung der ganzen Welt verbürgt. 

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