Was geschieht hier?
Dieser Psalm ist ein Ruf um Rettung (Psalm 17,1). David schreit zu Gott, dass er ihn vor einem bösartigen Angriff retten möge (Psalm 17,9).
David ist überzeugt, dass Gott ihn retten sollte, weil er unschuldig ist. Er erinnert Gott daran, dass er geprüft worden ist und dass sein Herz, seine Lippen und seine Taten ohne Fehl sind (Psalm 17,3).
Es ist bedeutsam, dass David beim Herzen anfängt und erst dann zu den äußeren Taten übergeht. Er sagt damit: Sogar seine Absichten, Beweggründe und Neigungen sind vollkommen im Einklang (Psalm 17,5).
David betet so, weil er weiß, dass Gott dem, was recht ist, immer Recht verschaffen wird (Psalm 17,2). Gott sorgt für Gerechtigkeit bei allen, die ihn suchen. Am Ende lässt er die Rechtschaffenheit immer siegen (Psalm 17,7).
Doch in unserer Welt sieht es nicht immer danach aus. Und zu Davids Zeit sah es ganz sicher auch nicht danach aus. Da sind überhebliche, gottlose Menschen, die David zu Unrecht verschlingen wollen wie ein Löwe (Psalm 17,12). Wenn die Gottlosen reich sind, kommt es einem leicht so vor, als sei Davids Unschuld wertlos.
Aber David macht einen wichtigen Unterschied zwischen sich und den Gottlosen. Er sagt, dass der Anteil der Gottlosen in diesem Leben liegt (Psalm 17,14). Sie geben sich mit den dürftigen Vorteilen zufrieden, die diese Welt zu bieten hat – Vorteile, die verschwunden sind, sobald sie sterben (Psalm 17,14c).
Auf David dagegen wartet ein weit herrlicherer Anteil. Er wird das Angesicht Gottes schauen (Psalm 17,15a). Er wird auf den vollkommenen Charakter, die Rechtschaffenheit und die Gerechtigkeit Gottes blicken, und Gottes Gestalt wird ihn vollkommen sättigen (Psalm 17,15b).
Das ist es, was David zu sehen hofft, wenn er erwacht. Er freut sich auf einen Tag jenseits des Grabes, an dem er auferweckt wird in die Gegenwart Gottes.
Wo ist das Evangelium?
Auch wir Christen werden heute durch unsere Unschuld gerettet. Doch diese Unschuld kommt nicht von uns; sie kommt von Jesus. Jesus war weit mehr als David wirklich unschuldig vor Gott – in jeder Hinsicht: in Herz, Lippen und Taten. Was für Davids Unschuld in diesem einen Fall galt, gilt für Jesus in Ewigkeit.
Doch als gottlose Menschen ihn wie ein Löwe verschlingen wollten, berief sich Jesus nicht auf seine eigene Unschuld, damit Gott ihn retten würde (Matthäus 26,53). Anders als David verteidigte Jesus seine Unschuld nicht einmal, als er von denen verhört wurde, die ihn in den Tod schickten (Matthäus 27,12). Stattdessen wurde der unschuldige Jesus schuldig gesprochen, damit wir, die wir schuldig sind, unschuldig gesprochen werden können (2. Korinther 5,21).
Wenn wir zu Gott rufen und darauf vertrauen, dass uns die Unschuld von Jesus zuteilwird, werden wir nicht nur vor unseren Feinden gerettet (wie David), sondern wir werden auch Gottes Angesicht sehen (Offenbarung 22,4).
Sieh selbst
Ich bete, dass der Heilige Geist dir die Augen öffnet, damit du den Gott siehst, der dem Unschuldigen Recht verschafft. Und mögest du Jesus als den Unschuldigen sehen, der gestorben ist, damit sogar die Schuldigen seine Erlösung erfahren und sein Angesicht sehen können.

