Was passiert hier?
Gott weist David durch Krankheit zurecht (Psalm 38,3). Und David fleht Gott an, seinen Zorn gegen ihn zu beenden (Psalm 38,1). David bittet Gott nicht darum aufzuhören, weil er Gott für ungerecht hält. David weiß, dass er schuldig ist (Psalm 38,4) und dass er ein Narr war (Psalm 38,5). Und David gibt seine Sünde und seine Reue offen zu (Psalm 38,18). Er bittet Gott aufzuhören, weil er es nicht mehr aushält (Psalm 38,7-8). David weiß, dass er Gottes Barmherzigkeit nicht verdient, aber er bittet Gott trotzdem, ihn zu retten (Psalm 38,22).
Der größte Teil des Psalms beschreibt Davids Leiden. Seine Wunden eitern (Psalm 38,5). Sein Rücken fühlt sich wie zerbrochen an (Psalm 38,7). Er ist niedergeschlagen (Psalm 38,8). Sein Herz schlägt unregelmäßig, und seine Augen werden schwächer (Psalm 38,10). David ist so ausgezehrt, dass er nicht einmal beten kann; deshalb hofft er, dass Gottes Barmherzigkeit die schwachen Seufzer hört, die er vor Schmerz hervorstößt (Psalm 38,9).
Neben seinen körperlichen Problemen haben Davids Freunde seine Krankheit als Ausrede benutzt, um ihn im Stich zu lassen (Psalm 38,11). Und Davids Feinde planen, seine Schwäche auszunutzen (Psalm 38,12.20). David ist so am Boden, dass er nicht einmal die Kraft aufbringen kann, sich zu verteidigen (Psalm 38,13-14).
In seiner Qual bekennt David seine Sünde und wartet auf den Herrn. Mehr kann er nicht tun (Psalm 38,15). Auch wenn er es nie ausspricht: David hält an einer Hoffnung fest, die im Buch der Sprüche zu finden ist: „Wer seine Sünden verheimlicht, dem wird es nicht gut gehen; wer sie aber bekennt und ihnen den Rücken kehrt, wird Barmherzigkeit finden“ (Sprüche 28,13). David hat erfahren, wie es ist, wenn es einem nicht gut geht. Darum bekennt er: Gottes Barmherzigkeit ist das Einzige, was ihn jetzt retten kann (Psalm 38,21).
Wo ist das Evangelium?
Beichte macht verletzlich. Sie ist das Eingeständnis, dass wir es nicht selbst im Griff haben und Hilfe brauchen. Oft vermeiden wir es, unsere Sünde zu bekennen, weil wir uns schämen oder weil wir glauben, andere würden unsere Beichte benutzen, um uns auszunutzen. Aber David entdeckt: Es ist demütigender, die Sünde nicht zu bekennen.
Gottes Zurechtweisung wegen Davids verschwiegener Sünde beschämte ihn vor seinen Freunden, gab seinen Feinden die Gelegenheit, ihn auszunutzen, und machte deutlich, dass er Hilfe brauchte. Ironischerweise ist genau das, was David durch sein Schweigen vermeiden wollte, ihm trotzdem widerfahren.
Doch Davids Hoffnung ist dieselbe wie unsere. Wenn wir unsere Sünden bekennen, wird Gott barmherzig sein und uns vergeben (1. Johannes 1,9). Wenn wir zugeben, dass wir Unrecht getan haben, ist Gott bereit, uns zu heilen (Jakobus 5,16). Und wenn wir Jesus als den bekennen, der durch sein Werk am Kreuz rettet, werden wir niemals beschämt werden (Römer 10,9.11). Selbst wenn unsere Krankheit eine Folge unserer Sünde ist, wie es bei David der Fall war, gilt uns die Zusage: Durch die Wunden Jesu sind wir heil geworden (Jesaja 53,5).
Wenn wir unsere Sünden bekennen und darauf vertrauen, dass Gott sie in Jesus erledigt hat, blamieren wir uns nicht und machen uns nicht angreifbar. Im Gegenteil: Wir rufen die Auferstehungskraft Gottes an, dass sie barmherzig sei und rette. Und wenn sich jemand fragt, ob Gott das wirklich tun wird, dann lautet die Antwort: Ja (2. Korinther 1,20)! Jesus wurde begraben und ist auferstanden, damit deine Vergebung gewisser ist als der Tod.
Und wenn du heute in deiner Not so schreist wie David: „Komm schnell und hilf mir, mein Herr und mein Erlöser“ (Psalm 38,22), dann lass dich von den letzten Worten Jesu in unseren Bibeln trösten: „Ja, ich komme bald“ (Offenbarung 22,20)!
Sieh selbst
Möge der Heilige Geist dir die Augen öffnen, damit du den Gott siehst, der barmherzig ist. Und mögest du Jesus als den sehen, der schnell kommt, um uns unsere Sünde zu vergeben und uns von unserer Krankheit zu reinigen.

