Was passiert hier?
Das Buch Chronik wurde für eine Gruppe israelitischer Rückkehrer aus dem Exil geschrieben, die versuchten, ihre Heimat wieder aufzubauen. Der Chronist erzählt die Geschichte Israels für eine neue Generation von Erbauern der Nation noch einmal – in der Hoffnung, dass sie die Gläubigkeit ihrer Vorfahren nachahmen und deren Fehler vermeiden. Und er beginnt mit neun Kapiteln voller Geschlechtsregister! Das mag wie eine merkwürdige Wahl klingen, doch die Namensliste des Chronisten folgt einem klaren Muster, das eine wichtige Lektion aus der Vergangenheit Israels vermittelt.
Der Chronist will einer neuen Generation von Erbauern der Nation zeigen: Wenn die Anführer Israels dem Priestertum Israels Vorrang geben und es in das Zentrum ihrer Nation stellen, wird Israel aufblühen. Um das deutlich zu machen, ordnet der Chronist sein Geschlechtsregister nach einem verbreiteten hebräischen Stilmittel, dem sogenannten Chiasmus. Es ist wie ein literarischer Berg, dessen wichtigste Lektion an der Spitze steht. Der Fuß des Berges verweist auf den Anfang und das Ende der Geschichte Israels. Kapitel 1 hält die Geschichte des Volkes Gottes fest, noch bevor sein Königreich entstand, und Kapitel 9 nennt die Namen des Volkes Gottes, nachdem das Königreich Israel von Babylon zerstört worden war. Die mittleren Hänge des Berges beziehen sich auf die Könige Israels. Kapitel 2 und 3 verzeichnen die königlichen Nachkommen des Stammes Juda, während die parallele Seite in Kapitel 8 die Königslinie Benjamins festhält. Näher an der Spitze schildern Kapitel 4 und 5 sowie ihr Gegenstück Kapitel 7 die Dynastien der nicht königlichen Stämme Israels. Doch an der Spitze des Berges, in Kapitel 6, beschreibt der Chronist ausführlich den Stammbaum Levis, des Stammvaters aller Priester. Mit der Struktur seiner Anfangskapitel zeigt der Chronist: Das Priestertum Israels bestimmt das Schicksal der Nation.
Genauer gesagt: Gottes Königreich wird aufsteigen oder fallen, je nachdem, wie gut es auf die Stimme Gottes hört. Im Zentrum des Priestertums steht eine bestimmte Art von Priestern – die Musiker und Sänger des Tempels (1. Chronik 6,31-46). Diese Musiker sangen nicht einfach nur Lieder, sie waren die Propheten Israels (1. Chronik 25,1). Sie sprachen im Auftrag Gottes zu den Königen und gaben den Anführern Israels göttliche Wegweisung in Fragen der Kriegsführung, der öffentlichen Politik und der Regierungsverwaltung. Der Chronist hat die priesterlichen Sänger und Musiker in das Zentrum der Nationalgeschichte Israels gestellt. Er lehrt eine neue Generation von Erbauern der Nation, dass Israel aufsteigt oder fällt, je nachdem, ob seine Könige auf die Stimme Gottes hören oder sie ignorieren.
Wo ist das Evangelium?
Der Chronist möchte, dass Israels neue Anführer auf ihre Geschichte achten und seinem literarischen Beispiel folgen, indem sie Israel buchstäblich neu um jene Einrichtung herum ausrichten, durch die Gott sein Volk leitet. Gottes Volk wird aufsteigen oder fallen, je nachdem, wie gut es sein Leben um Gottes Wegweisung herum ausrichtet. Nicht weniger als Israel müssen auch wir unser Leben um Gottes Wegweisung herum ausrichten.
Zum Glück müssen wir Gottes Wegweisung nicht erst suchen, denn seine Wegweisung ist in Jesus zu uns gekommen. Der Apostel Johannes sagt, dass Jesus Gottes Wort und Wegweisung im Fleisch ist (Johannes 1,1-14). In der Sprache der Chronik: Jesus ist unser letztgültiger singender Priester und Prophet. Und sein Leben und seine Auferstehung sagen prophetisch voraus, dass Gott zu uns gekommen ist und im Zentrum eines jeden wohnen wird, der ihm vertraut. Wir müssen keine Nation wieder aufbauen, um Gott nahe zu sein. Wir müssen kein altes Priestertum wiedereinsetzen, um Erfolg zu erleben. Gottes Wort und Gottes Erlösung sind zu uns gekommen. Und Jesus bietet an, sich selbst in das Zentrum unseres Lebens zu stellen, damit wir den Aufstieg seines neuen Auferstehungs-Königreichs erleben, das niemals fallen wird.
Überzeuge dich selbst
Ich bete, dass der Heilige Geist dir die Augen öffnet, damit du den Gott siehst, der redet und Wegweisung gibt. Und mögest du Jesus als deinen singenden Priester sehen, der seinem Volk für immer ein Auferstehungs-Königreich sichert.

