Was geschieht hier?
In einer Reihe von Visionen sieht Amos fünfmal, wie Israels Zerstörung abläuft.
Die erste Vision ist eine Heuschreckenplage (Amos 7,1). Nachdem Amos sie gesehen hat, bittet er Gott um Vergebung und erinnert ihn daran, wie klein Israel ist (Amos 7,2). Israels Größe zu erwähnen ist nicht nur eine Art, um Barmherzigkeit zu bitten, sondern auch eine Erinnerung daran, warum Gott Israel überhaupt zu seinem Volk erwählt hat – Israel war das kleinste aller Völker (5. Mose 7,7). Gott erwählte sie, obwohl nichts an ihnen dafür sprach. Und weil Amos betet, hat Gott Erbarmen und lässt die erste Plage nicht kommen (Amos 7,3).
Die zweite Vision ist ein Feuer, das das Land verschlingt (Amos 7,4). Amos fleht Gott an, damit aufzuhören, und erinnert ihn erneut daran, warum er das winzige Israel erwählt hat (Amos 7,5). Wieder hat Gott Erbarmen (Amos 7,6). Doch gegen die dritte Vision kann Amos nichts einwenden. Gott stellt ein Senkblei auf – eine lange Schnur mit einem Gewicht am Ende, die eine vollkommen gerade Linie anzeigt (Amos 7,7). Verglichen mit der geraden Linie von Gerechtigkeit und Rechtschaffenheit ist Israel so krumm, dass es keine Erlösung mehr gibt. Gott wird Israels Ungerechtigkeiten und Abgötterei nicht einfach unter den Teppich kehren (Amos 7,8). Er wird Israels falsche Tempel zerstören und die Machthaber, die sie gebaut haben (Amos 7,9).
Die vierte Vision ist ein Korb mit reifen Früchten (Amos 8,1). Die Botschaft ist einfach: Israels Unterdrückung anderer ist reif zum Verschlingen (Amos 8,2). Und die letzte Vision zeigt Gott selbst, wie er vom Himmel herabkommt und die Götzen, Tempel und Götzendiener Israels zerschlägt (Amos 9,1). Amos sieht, dass Gottes Augen auf das sündige Israel gerichtet bleiben, bis es von der Landkarte getilgt ist (Amos 9,8).
Doch es gibt auch Hoffnung. Die Treuen aus der Familie Jakobs, jener winzigen Familie, die Gott aus allen anderen erwählt hat, werden bewahrt. Nach Gottes Gericht wird Gott aus der Linie Davids, eines Nachkommen Jakobs, etwas von Israels treuer Vergangenheit wieder aufbauen (Amos 9,11). Gott wird sogar feindliche Völker in diese neue Zeit des Friedens und des Wohlstands einladen (Amos 9,12). Amos' letzte Vision kehrt dann die Zerstörung um, die die vorherigen Visionen geschildert hatten (Amos 9,14). Eines Tages wird Gott alles, was Israel verloren hat, wiederherstellen, erneuern und für immer bestehen lassen (Amos 9,15).
Wo ist das Evangelium?
Gott kann Ungerechtigkeit nicht ertragen. Dass Israel die Armen vernachlässigt und sich falschen Gottheiten zuwendet, muss ein Ende haben. Aber Gott bleibt auch seinen Versprechen und Zusagen treu. Gott sagte Abraham und Jakob, dass Israel die Welt segnen würde (1. Mose 12,3; 28,14). Er sagte Mose, dass er Israel nicht erwählt hatte, weil es stark oder rechtschaffen war, sondern weil es klein war (5. Mose 7,7). Er versprach David, dass sein Thron für immer bestehen würde (2. Samuel 7,13). Erschreckend: Amos warnt uns, dass Gottes Gerechtigkeit vollzogen werden muss. Aber barmherzigerweise werden auch Gottes Versprechen erfüllt.
Jesus, ein Nachkomme Jakobs und Davids, wird die Unterdrückung richten, Gottes Versprechen erfüllen, feindliche Völker segnen und erneuern und wiederherstellen, was Israel verloren hat. Am Kreuz wurde Jesus am krummen Senkblei der Gerechtigkeit Israels gemessen und zerstört, so wie Amos es über Israels falschen Tempel prophezeit hatte (Johannes 2,19). Israels Abgötterei und Ungerechtigkeit waren reif, aber Jesus starb – als Stellvertreter für Israel – für sie (1. Petrus 2,24).
Wegen Jesus kann Gottes Barmherzigkeit nun von Israel ausgehen und die Welt segnen. So wie Gott Israel das Unheil erließ, so wird er auch bei jedem Volk Erbarmen haben, das Buße tut – trotz seiner Ungerechtigkeit (Apostelgeschichte 15,11). Als in der Apostelgeschichte einige dagegen Einspruch erhoben, zitierte der Apostel Jakobus Amos, um zu zeigen, dass alle Völker Zugang zu Gottes Versprechen haben (Apostelgeschichte 15,18-19). Und eines Tages, so verspricht Jesus, wird er alles neu machen (Offenbarung 21,5). Alles Verlorene wird wiederhergestellt und erneuert. Wegen Jesus, des treuen Sohnes Jakobs und Davids, wird Gott seinen Versprechen treu bleiben, und wir werden für immer in einem Reich des Friedens und des Wohlstands leben.
Sieh es selbst
Ich bete, dass der Heilige Geist dir die Augen öffnet, damit du den Gott siehst, der Ungerechtigkeit hasst. Und mögest du Jesus sehen, der barmherzig alle Versprechen Gottes erfüllt.

