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Andacht

Hesekiel 24

Die Zerstörung Jerusalems

Hesekiel 24 ist heftig, aber gerade darin sehen wir: Auch Jesus benutzte scharfe Worte, um das Böse seiner Zeit zu verurteilen – und er gab uns ein Zeichen. Jesu Tod ist ein Zeichen dafür, dass Gott nicht für immer zulässt, dass das Böse herrscht und Unreines seine Welt verschmutzt. Gott wird alles Böse reinigen und für immer vernichten.

Was geschieht hier?

Nebukadnezar, der König von Babylon, hat begonnen, Jerusalem zu belagern (Hesekiel 24,1-2). Hesekiel und seine Mitverbannten im Exil in Babylon haben die Nachricht gerade erst gehört. Jahrelang hatte Hesekiel angekündigt, dass dieser Tag kommen würde, und niemand glaubte ihm. Doch jetzt, da die Hauptstadt angegriffen wird, beauftragt Gott Hesekiel, ein Gleichnis weiterzugeben – eine Geschichte voller Symbole, die erklärt, warum Jerusalem zerstört wird (Hesekiel 24,3a).

Das Gleichnis beschreibt einen Koch, der ein großes Festmahl vorbereitet. Zuerst stellt er einen Kessel über das Feuer. Er füllt Wasser hinein und dann die besten Fleischstücke von den fettesten Tieren (Hesekiel 24,3b-4). Der Koch schürt das Feuer und legt Holz nach, während Fleisch und Knochen langsam kochen (Hesekiel 24,5). Früher in Hesekiels Dienst hatten sich die religiösen Führer Jerusalems damit gebrüstet, sie seien wie ausgewähltes Fleisch in einem Kessel (Hesekiel 11,1-3). Weil sie Gottes besonderes Volk waren, in Gottes verheißener Stadt lebten und unter der Herrschaft von Gottes erwählter Königsfamilie standen, gingen sie davon aus, Gott würde sie immer beschützen, ganz gleich, was sie täten. Doch dieses Gleichnis macht deutlich: Wenn Jerusalem der Kessel ist und seine Führer das Fleisch, dann ist Gott der Koch, der die Zutaten zubereitet – und Babylon ist sein Messer. Israel ist nicht das Volk, das es nach Gottes Willen sein soll. Es ist so voll vom Bösen, von Blutvergießen und Abgötterei, dass Gott sein Volk reinigen wird wie ein Koch, der mit kochendem Wasser und Feuer die Unreinheiten aus dem Essen entfernt.

Das Gleichnis geht weiter. Während das Fleisch kocht, merkt der Koch, dass es verunreinigt ist. Israels Führer sind Mörder, und das Blut, das sie vergossen haben, ist mit ihnen im Kessel (Hesekiel 24,7). Stück für Stück nimmt Gott das verdorbene Fleisch heraus und schüttet die blutige Brühe auf einen Stein in der Nähe. Er sagt: Wenn Israels Führer nicht einmal versuchen, ihr Blutvergießen zu verbergen, wird er es auch nicht tun. Er wird die Blutflecken dort lassen, wo sie sind – als bleibender Zeuge für Israels Verbrechen und als Rechtfertigung dessen, was er nun zu tun im Begriff ist (Hesekiel 24,8). Der einzige Weg, Israels Unreinheit und Verunreinigung zu beseitigen, ist, alles zu verbrennen. Also legt Gott Holz aufs Feuer. Als es lichterloh brennt, verkohlt er das verdorbene Fleisch und die Knochen in den Flammen und lässt den besudelten Kessel in der Glut schmelzen (Hesekiel 24,9-12). Israels Unreinheit und das Böse müssen gereinigt werden; ihre bevorzugte Stellung als Gottes Volk wird sie nicht schützen (Hesekiel 24,13-14).

Dann beauftragt Gott Hesekiel, eine weitere Prophetie weiterzugeben, die ihn viel mehr kostet. Gott sagt, dass Hesekiels geliebte Frau bald sterben wird. Hesekiels Prophetie besteht darin, dass er keine Trauerfeier für sie halten wird. Statt die in seiner Kultur üblichen Trauerriten zu vollziehen, wird er allein trauern (Hesekiel 24,15-17). Später an diesem Tag stirbt Hesekiels Frau, und er kündigt an, dass es keine öffentliche Trauerfeier geben wird (Hesekiel 24,18-19). Er erklärt: Der Tod seiner Frau ist ein Zeichen dafür, dass ihre geliebte Stadt bald zerstört und die Familien, zu denen sie sich zurücksehnen, getötet werden. Und so wie er keine Trauerfeier für seine Frau hält, wird die Belagerung durch Babylon es unmöglich machen, Trauerfeiern für ihre Söhne und Töchter zu halten (Hesekiel 24,18-24). Jetzt bleibt nur noch, auf die Nachricht vom Fall Jerusalems zu warten (Hesekiel 24,25-26).

Wo ist das Evangelium?

Hesekiels Sprache ist oft drastisch und manchmal schwer zu verkraften. Doch der Prophet, der am meisten vom Feuer der Gerechtigkeit Gottes gesprochen hat, war Gottes letzter Prophet und einziger Sohn: Jesus. In Jesu Gleichnissen brennen die Reichen (Lukas 16,22-24). Wer Kinder zur Sünde verführt, kommt an einen Ort, wo das Feuer niemals ausgeht (Markus 9,42-48). Falsche religiöse Führer werden in Feueröfen geworfen (Matthäus 13,42). Untreue Diener werden in die ewige Finsternis hinausgestoßen (Matthäus 25,30). Jesus warnt uns sogar, dass wir den Gott fürchten sollen, der die Übeltäter im Feuer vernichten kann – wie der Koch in Hesekiels Gleichnis (Matthäus 10,26-28). Diese harte Sprache ist eine Warnung: Gott hat sich vorgenommen, seine Welt von bösen und unreinen Menschen, Institutionen und Nationen zu reinigen. Für Vermessenheit ist kein Platz. Gott hat keine Lieblinge. 

Aber Gott hat uns nicht nur Gleichnisse von seinem unausweichlichen Gericht über das Böse gegeben; er hat uns auch ein Zeichen gegeben. So wie Hesekiels geliebte Frau starb, so starb auch Gottes geliebter Sohn. Und so wie Hesekiel den Tod seiner Frau nicht betrauerte, so schwieg Gott an dem Tag, als sein Sohn begraben wurde (Matthäus 27,46). Jesus wurde „verbrannt“, um die Flecken zu beseitigen, mit denen Menschen die Welt besudelt haben. Jesu Tod ist ein Zeichen dafür: So wie Gott seinen geliebten Sohn verloren hat, so wird jede geliebte Stadt fallen, die auf Blutvergießen, Ungerechtigkeit und Unterdrückung gebaut ist. Wir leben in einer Welt voll vom Bösen und von Ungerechtigkeit. Und manchmal scheinen sogar unsere Kirchen von demselben Bösen und derselben Verdorbenheit erfüllt zu sein wie die Welt, in der wir leben. Und wir alle fragen uns, wie lange wir noch warten müssen, bis Gott alles ins Recht setzt. Niemand kennt die Antwort auf diese Frage, aber wir haben in Jesu Tod ein Zeichen: Bald wird das Böse ganz und vollständig verbrannt werden, und niemand wird um seine Vernichtung trauern (Offenbarung 19,1-3). Jesu Tod ist ein Zeichen und ein Versprechen dafür, dass Gott nicht für immer zulässt, dass das Böse herrscht und Unreines seine Welt verschmutzt. Gott wird alles Böse reinigen und für immer vernichten.

Sieh selbst

Ich bete, dass der Heilige Geist dir die Augen öffnet, damit du den Gott siehst, der das Böse immer richtet. Und dass du Jesus siehst als den, dessen Tod ein Zeichen dafür ist, dass keine böse Macht für immer herrschen wird.

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