Was geschieht hier?
Gottes Volk im südlichen Juda wird vom Nordreich Israel und von der mächtigen Nation Syrien angegriffen. Diese Nationen planen ganz konkret die Ermordung von Ahas, dem König von Juda (2. Könige 16; Jesaja 7,5). Aus Angst begann Ahas, Bündnisse mit anderen Ländern zu schließen und andere Götter anzubeten, damit sie ihn und sein Volk retten. Jesaja sagt jedoch, dass Ahas Gott mehr fürchten sollte als die Völker um ihn herum. Die Zukunft von Ahas liegt in Gottes Hand, und nur wenn er ihm vertraut, kann Ahas sein Volk retten.
Ahas muss sich nicht vor Syrien oder Israel fürchten, denn Gott wird schon bald Syriens Hauptstadt dem Boden gleichmachen und die militärischen Außenposten im Nordreich Israel zerstören (Jesaja 17,1-3). Das Bündnis, das Ahas so fürchtet, wird sich bald auflösen, und die einst gewaltige Verherrlichung Syriens und Israels wird in Vergessenheit geraten (Jesaja 17,4-6). Bald wird Israel die Ohnmacht seiner falschen Götter eingestehen, die Torheit seiner Abgötterei aufgeben und wieder anfangen, den wahren Gott anzubeten (Jesaja 17,7-11). Ahas hat die Möglichkeit, Gott zu vertrauen, bevor sein Volk zerstört wird. Er kann jetzt seine Verträge und seine falschen Götter aufgeben und darauf vertrauen, dass Gott sein Volk rettet. Ahas sollte Gott auch deshalb vertrauen, weil Gott ihn nicht nur vor Israel und Syrien schützen wird, sondern vor jeder Nation, die ihn anzugreifen versucht. Die Völker mögen wie eine erschreckende Wasserwand erscheinen – für Gott sind sie wie eine Distel, die der Sturm davonwirbelt (Jesaja 17,12-14). Der Einzige, den Ahas fürchten muss, ist Gott, und nur wenn er sich selbst und sein Volk ihm anvertraut, wird er gerettet werden.
Jesaja hört abrupt auf, Ahas direkt anzusprechen, und richtet dieselbe Botschaft an die ganze Welt. Er ruft Boten aus Kusch herbei, einem Land am Ende der Erde, um alle anderen Nationen zu warnen: Gott wird bald wie ein Feldherr erscheinen, umgeben von Kriegsbannern und Kriegstrompeten (Jesaja 18,1-3). Wie Ahas sollte die ganze Welt Gott fürchten und ihm vertrauen, dass er sie schützt. Doch Gott befiehlt seinem Heer nicht sofort, die Nationen der Welt anzugreifen. Stattdessen beobachtet Gott geduldig die Auflehnung und die Abgötterei der Welt, bevor er handelt (Jesaja 18,4-5). Er kommt nicht wie ein Krieger, sondern wie ein kundiger Gärtner. Er erkennt, welche Reben Frucht bringen, beschneidet mit chirurgischer Genauigkeit die, die es nicht tun, und lässt das abgeschnittene Holz verbrennen (Jesaja 18,5-6). Jesaja sagt, dass Gottes Beschneiden in der ganzen Welt die Frucht des Glaubens hervorbringen wird. Nationen, die einst planten, Juda zu vernichten, werden schon bald Gaben bringen, um den Gott zu ehren, der die Welt regiert und sein Volk beschützt (Jesaja 18,7). Diese Prophetien richten sich zwar an die Welt, doch sie gelten immer noch Ahas. Seine angstvollen politischen Machenschaften werden scheitern. Wenn Ahas Juda schützen will, muss er mit seinen furchtsamen politischen Intrigen aufhören und Gott vertrauen, dass er sein Volk beschützt.
Wo ist das Evangelium?
In einer Krise schaute Ahas auf politische Verbündete und falsche Götter, damit sie Juda beschützen. Jesajas Botschaft war einfach: Hör auf, die Völker zu fürchten, und vertraue stattdessen Gott. Gott ist mächtiger als alle Heere und Gottheiten der Welt zusammen. Gott kann sogar die Abgötterei, den Unglauben und die innere Auflehnung der Welt überwinden – durch Taten geduldig bedachter, erlösender Zerstörung. Israel wurde zerstört, wie Gott es angekündigt hatte. Doch nach seiner Zerstörung wandte sich Israel von seinen Götzen ab. Und Jesaja weissagt, dass Gott durch sorgfältiges Beschneiden nicht nur sein Volk, sondern die ganze Welt in eine fruchtbare Beziehung zu ihrem Schöpfer zurückbringen würde.
Wir sind nicht anders als Ahas. Wir schauen auf Götter wie Geld und Macht statt auf den Gott, der uns geschaffen hat. Wir brauchen eine Tat geduldig bedachter, erlösender Zerstörung. Genau wie Jesaja es beschrieb, sagt uns der Apostel Paulus, dass Gott die Auflehnung der Menschheit über Jahrtausende geduldig beobachtet hat (Römer 3,25). Und wie Jesaja weissagte, befahl Gott nicht sofort einem Engelheer, die Sünder in einer Schlacht anzugreifen. Vielmehr gab er der Welt seinen eigenen Sohn, Jesus (Römer 5,8). Durch Gottes liebevolle Geduld und Jesu freiwilligen Tod fand eine erlösende Zerstörung und ein Beschneiden statt. Jesus wurde abgeschnitten, damit wir Frucht bringen können. Jesus sagte seinen Nachfolgern, dass er der Weinstock sei und sie die Reben (Johannes 15,1-8). Wenn wir dem Gärtner der Welt vertrauen, pfropft Gott aus Gnade Menschen wie uns in den Weinstock Jesus ein. Wir werden mit dem Leben Jesu verbunden und werden zu fruchtbaren Reben, die der Tod nicht zerstören kann. Wir haben keinen Grund, die vielen Feinde in unserer Welt zu fürchten. Gott ist mächtiger als sie alle. Und wenn wir ihm vertrauen, wird Gott uns nicht nur beschützen, sondern uns fruchtbar und voller Leben machen.
Sieh es selbst
Ich bete, dass der Heilige Geist dir die Augen öffnet, damit du den Gott siehst, der ein Gärtner ist. Und dass du Jesus als den siehst, der beschnitten wurde, damit wir Frucht bringen können.

