Was geschieht hier?
Israel sollte die Welt mit Gerechtigkeit und Licht erfüllen und Gottes Reich auf die Erde bringen, so wie es im Garten Eden war. Doch stattdessen brachte Israels Sünde Unfruchtbarkeit, Exil und Schande. Nun spricht Jesaja Israel als eine unfruchtbare Frau an: als eine Ehefrau, die das Leben nicht hervorgebracht hat, das sie hätte gebären sollen (Jesaja 54,1). Aber Gott, ihr Ehemann, fordert sie auf, vor Freude zu jubeln, denn sie wird mehr Kinder haben, als sie sich je vorgestellt hat. Die Familie, die sie gebiert, wird nicht von ihrem früheren Versagen oder ihren alten Grenzen eingeengt sein. Sie werden hervorbrechen und Gottes Gerechtigkeit und Güte über die ganze Erde ausbreiten (Jesaja 54,2-3).
Israels Kinder werden Gottes Bild in der ganzen Welt verbreiten, weil Gott ihr Ehemann ist (Jesaja 54,5). Er ist der Gott der ganzen Erde, und seine Liebe ist stärker als ihr Versagen (Jesaja 54,6). Seine Zurechtweisung im Exil war kurz, aber sein Erbarmen währt ewig (Jesaja 54,6-8). So wie er einst die Welt durch eine Sintflut reinigte und danach schwor, sie nie wieder zu vernichten, so verspricht er nun, sein Volk niemals zu verlassen (Jesaja 54,9-10). Wie Gott Noah nach der Sintflut Schutz zusagte, so wird auch sein Volk für immer geborgen sein (Jesaja 54,11-17).
Israel empfängt unverdiente Gnade. Obwohl unfruchtbar, wird es Leben hervorbringen. Und nun sagt Gott, dass es zwar bankrott ist, aber ein Festmahl erhalten wird. Wie im Garten Eden wird Israel in ein fruchtbares Land eingeladen, voller Ernte, die es nicht kaufen muss (Jesaja 55,1-2). Gott selbst wird sie in dieses neue Gartenreich bringen. Denn Gott hat ihnen dieses Reich bereits versprochen. Vor dem Exil hatte er zugesagt, dass ein Sohn Davids, sein erwählter König, sein Volk in dieses ewige Reich führen würde (Jesaja 55,3; 2. Samuel 7,16). Selbst im Exil gilt dieses Versprechen weiterhin. Sie dürfen zurückkehren – ohne Preis und ohne Bedingung, einfach weil Gott es versprochen hat.
Eine solch bedingungslose Barmherzigkeit scheint kein König und kein Gott einem so abtrünnigen Volk schenken zu können. Aber Gott ist nicht wie wir oder wie irgendein anderer Herrscher (Jesaja 55,8-9). Seine Gnade passt in keine menschliche Kategorie von Fairness. Wir können uns seine Großzügigkeit ebenso wenig verdienen, wie der Erdboden sich den Regen verdienen kann, der ihm Leben schenkt. Aber Gott schüttet sie aus, weil er gut ist (Jesaja 55,10-11). Gott wird ein blühendes Volk erschaffen, das die ganze Erde erfüllen und segnen wird – wie der Garten Eden (Jesaja 55,12-13).
Wo ist das Evangelium?
Jesus ist der Ehemann, der seine Braut wiederherstellt.
Als Jesus kam, nannte er sich selbst den Bräutigam (Markus 2,19). Wie Gott mit Israel, so suchte auch Jesus die Ausgestoßenen, die Kranken und die Sündigen. Er kam zu denen, die aus sich selbst heraus kein Leben in der Welt hervorbringen konnten. Genau sie lädt Jesus ein, zu ihm zu kommen. Durch ihre Verbindung mit Jesus, die der Heilige Geist wirkt, würde er Leben durch die unfruchtbarsten Menschen der Erde hervorbringen (Johannes 15,5; Römer 8,11). So bildet Jesus eine neue Familie – eine, die die ganze Erde umspannt, voller Kinder, die sein Bild tragen und sein Reich zu den Völkern bringen (Römer 8,14-17).
Jesus bringt nicht nur den moralisch Unfruchtbaren Leben, sondern auch den geistlich Armen seinen Reichtum (Matthäus 5,3). Er lädt die, die keinen eigenen Reichtum und keinen eigenen Wert haben, dazu ein, zu kommen und für immer am königlichen Tisch seines Reiches zu feiern. Diese Einladung hören wir auf der letzten Seite der Bibel. In der Offenbarung steht Jesus am Ende der Geschichte und wiederholt Gottes Einladung aus Jesaja: „Komm! Wer durstig ist, soll kommen, und wer will, soll das Wasser des Lebens umsonst nehmen“ (Offenbarung 22,17). Das ist das ewige Gartenreich, für das wir geschaffen wurden. Jesus hat ein Festmahl bereitet, das niemand bezahlen kann – und doch schenkt er es umsonst.
Jesu Liebe sprengt alle menschlichen Kategorien von Fairness. Wir schauen vielleicht auf das Leid in unserer Welt und die Härten unseres Lebens und denken, dass Unfruchtbarkeit und Armut für immer bleiben werden. Vielleicht denken wir sogar, unsere Vergangenheit sei so böse, dass Gottes Gericht darüber niemals enden wird. Aber wie bei Noahs Sintflut und Israels Exil ist die Strafe kurz. Gottes Güte und Barmherzigkeit dagegen bleiben für immer. Wir haben es nicht verdient, fruchtbar zu sein und am Festmahl teilzunehmen. Aber genau das war Gottes Einladung und Versprechen im Garten. Und er lädt uns dazu ein, weil seine Wege nicht unsere Wege sind (Römer 11,33).
Jesus hat alles getan, um uns einen Platz in seiner Familie zu sichern. Wir müssen uns seine Liebe nicht verdienen und uns nicht in sein Reich einkaufen. Wir müssen nur kommen.
Sieh selbst
Ich bete, dass der Heilige Geist dir die Augen öffnet, damit du den Gott siehst, dessen Liebe seinen Zorn weit überdauert. Und mögest du Jesus als den Diener sehen, der Unfruchtbarkeit in Fruchtbarkeit verwandelt und alle Durstigen einlädt, umsonst vom Wasser des Lebens zu trinken.

