Was geschieht hier?
Einige Leiter innerhalb der Kirche in Kolossä zweifeln daran, dass der Apostel Paulus ihnen die ganze Wahrheit gesagt hat. Sie haben angefangen zu lehren, dass es neben dem Vertrauen auf Jesus noch andere geistliche Praktiken braucht, um die ganze Fülle Gottes zu erfahren (Kolosser 2,4). Besorgt besucht Epaphras, der Gründer der Kirche in Kolossä, den gefangenen Paulus, um ihn um Rat zu bitten. Er erzählt Paulus von allem Guten, das er in ihrer Kirche sieht, aber auch von der Lehre, die ihre Leiter verbreiten (Kolosser 1,7-8). Der Kolosserbrief ist die Antwort des Paulus.
Doch bevor Paulus die Probleme in Kolossä anspricht, hebt er das ganze Bild dessen hervor, was Gott für sie getan hat. Paulus dankt Gott für den Glauben der Kolosser (Kolosser 1,3). Sie sind treu, sie lieben und sie hoffen auf die Frohe Botschaft, dass Jesus gestorben und auferstanden ist und bald wiederkommt (Kolosser 1,4-5). Und anstatt ihr Leben mit neuen Wegen zu füllen, Gott zu gefallen, betet Paulus darum, dass die Kolosser von Gottes Heiligem Geist erfüllt werden (Kolosser 1,9). Erfüllt von Gottes Kraft werden sie – so ist Paulus zuversichtlich – ein Leben führen, das Gott ganz und gar gefällt (Kolosser 1,10-11).
Anstatt woanders mit der Fülle zu experimentieren, sollten die Kolosser sich daran erinnern und dankbar dafür sein, dass Jesus König ist. Jesus hat sie aus einem Reich der Finsternis gerettet und ihnen zugesagt, dass sie die rechtmäßigen Erben seines ewigen Reiches des Lichts sind (Kolosser 1,12-13). König Jesus hat ihnen auch ihre früheren Verfehlungen vergeben (Kolosser 1,14). Bis jetzt haben die Kolosser nichts getan, um das, was König Jesus anbietet, in seiner Fülle zu erfahren – und sie müssen jetzt auch nicht damit anfangen.
Anstatt mit anderen Wegen zur Fülle zu experimentieren, sollten die Kolosser auch daran denken, dass Jesus ein Schöpfer mit Vollmacht ist. Er ist der rechtmäßige Erbe und Herrscher über alles Geschaffene (Kolosser 1,15). Jesus hat den Himmel und die Erde geschaffen. Jesus hat sowohl politische als auch geistliche Mächte geschaffen, und alle Gewalten im Himmel und auf der Erde dienen ihm (Kolosser 1,16). Jesus hat Vollmacht über alles Lebendige, und seine Auferstehung beweist, dass sich seine Vollmacht sogar über den Tod erstreckt (Kolosser 1,18). Jesus steht über allem im Universum, und durch sein Blut und sein Kreuz hat er seine einst entfremdete Schöpfung mit der Fülle seiner schöpferischen Kraft verbunden (Kolosser 1,19-20).
Anders als manche behaupten, wird die Fülle von Gottes Vollmacht und Kraft umsonst angeboten. Die Kolosser wissen das längst, denn sie wissen auch, dass sie einmal Gottes Feinde waren (Kolosser 1,21). Sie wissen, dass Jesus seine Vollmacht gebraucht hat, um ihren früheren Verrat zu tilgen, und sie wissen, dass Gottes Geist sie voll und ganz befähigt hat, Gott zu gefallen (Kolosser 1,22). Das ist die einzige Lehre, die Fülle anbietet, und nur wenn die Kolosser bei dieser Lehre bleiben, werden sie Gott gefallen (Kolosser 1,23).
Wo ist das Evangelium?
Paulus versteht, dass seine Aufgabe als Apostel zuerst darin besteht, die Botschaft von Jesus vollständig zu erklären (Kolosser 1,24-25) – genauer: die Frohe Botschaft, dass die Fülle Gottes nun in allen Menschen wohnt, die ihm vertrauen (Kolosser 1,27). Paulus' Aufgabe ist es, deutlich zu machen: Es gibt keine zusätzlichen Schritte, keine moralischen Leistungen und keine religiösen Aktivitäten, die uns mehr von Gott geben, als wir jetzt schon durch Jesus haben.
Paulus sagt, seine zweite Aufgabe hängt damit zusammen: Er will die, die die Fülle Gottes haben, dazu ermutigen, in dieser Identität zu reifen und ein Leben zu führen, das Gott gefällt (Kolosser 1,28-29).
Aber diese Reife kommt nicht so, wie wir es vielleicht erwarten. Die Lehrer in Kolossä nahmen an, echte Reife bedeute mehr als nur das Vertrauen auf Jesus. Doch das Anliegen des Paulus im ganzen ersten Kapitel des Kolosserbriefes ist: Du kannst nicht über einen ewigen Jesus hinaus reifen. Du kannst nicht über den Heiligen Geist hinausgehen, der in dir wohnt. Menschen, die Jesus nachfolgen, reifen nicht über das Evangelium hinaus.
Als König hat Jesus unsere Verfehlungen vergeben und uns ein Reich des Lichts zum Herrschen gegeben. Als Schöpfer hat er seine Geschöpfe mit der Fülle seiner schöpferischen Kraft verbunden. Als Herrscher über den Tod hat er Auferstehung geschenkt. Nimm also den Rat des Paulus an: Geh nicht über das Evangelium hinaus. Danke Gott vielmehr dafür, dass du die Fülle von Jesus mit der Zeit immer tiefer erfahren wirst.
Sieh selbst
Möge der Heilige Geist dir die Augen öffnen, damit du den Gott siehst, der uns Jesus gesandt hat. Und mögest du Jesus als den sehen, der alles getan hat, um uns die Fülle Gottes zu schenken.


