Was geschieht hier?
Das Lied von Psalm 96 steht mehr als einmal in deiner Bibel: hier in den Psalmen und im Buch Chronik (1. Chronik 16,23-33). In der Chronik ist es ein Krönungslied. Israel sang es zur Erinnerung daran, dass Gottes Tempel fertiggestellt war und Gott endlich als Israels Gott und König auf dem Thron saß. Deshalb ruft der Psalmdichter jedes Volk auf der Erde dazu auf, mitzufeiern, dass Gott nicht nur der König Israels, sondern der ganzen Welt ist (Psalm 96,1). Sein Königssitz in Jerusalem war nur ein kleines Abbild seiner Herrschaft im Himmel, wo er auf dem höchsten Thron sitzt, von ewigem Lob umgeben, und über das ganze Universum regiert (Psalm 96,2-3). Tatsächlich ist der Gott, der in Jerusalem regiert, ganz anders als jeder von Menschen gemachte Gott, denn Israels Gott hat die Menschen und die Erde, auf der sie leben, selbst geschaffen (Psalm 96,4-5). Israels Gott ist der höchste König über die ganze Schöpfung und über jede Familie auf der Erde (Psalm 96,6).
Wieder ruft der Psalmdichter alle Völker und Fremden dazu auf, zu feiern, dass Gott in seinen Tempel in Israel kommt. Doch diesmal geschieht es, weil der Psalmdichter davon überzeugt ist, dass Gottes Thronbesteigung den Anfang einer ewigen Herrschaft der Gerechtigkeit und des Rechts für alle Menschen markiert (Psalm 96,7-10). Diese Herrschaft der Gerechtigkeit ist so gewiss und lebendig, dass der Psalmdichter beschreibt, wie Himmel, Meere, Felder, Tiere und Bäume gemeinsam mit den Völkern feiern, dass ihr gemeinsamer Schöpfer seinen Thron eingenommen hat (Psalm 96,11-12). Der Psalm endet damit, dass Gottes ganzes Volk und Gottes ganze Schöpfung voller Freude singen und Gottes Herrschaft in ihrer Mitte willkommen heißen (Psalm 96,13).
Wo ist das Evangelium?
Gottes Herabkommen in den Tempel von Jerusalem war ein Grund zum weltweiten Feiern. Doch das war nicht das einzige Mal, dass Gott seinen Tempel besuchte, um seine Herrschaft als König anzutreten. Gott erschien erneut in Jerusalem, als Jesus auf einem Esel zu seinem Volk kam. Genau wie Psalm 96 viele Jahre zuvor gesungen wurde, als Gottes Gegenwart in Israel einzog, kam Jesus mit Freudenliedern in Jerusalem an, als Israels lang erwarteter König in die Stadt ritt (Matthäus 21,7-11). Und so, wie der Psalmdichter es erwartet hatte, begann Gottes Herrschaft als König damit, dass er Gerechtigkeit aufrichtete. Jesus setzte den korrupten Praktiken, die er im Tempel sah, ein Ende und verschaffte den Armen und den Opfern Erleichterung (Matthäus 21,12-16). Jesus ist der Gott von Psalm 96, der in seinen Tempel gekommen ist, um die Welt in Gerechtigkeit zu regieren.
Doch die Menschen dieser Welt feierten Jesus nicht, als er den Anspruch erhob, König zu sein. Stattdessen versuchten sie, ihn zu töten, weil er ihre Macht und ihre Souveränität bedrohte. Aber indem das Volk Gott als König ablehnte, beschleunigte es nur seine Krönung und seine Thronbesteigung. Wie einem König legten sie ihm ein purpurrotes Gewand um, setzten ihm eine Krone auf den Kopf, und feindliche Soldaten beugten bereitwillig die Knie vor ihm (Matthäus 27,27-29). Jesus wurde unter ihrer Bewachung begraben, doch nur drei Tage später stand er von den Toten auf und stieg hinauf zu einem himmlischen Thron über allen Mächten der Welt (Hebräer 12,2; Matthäus 28,18). Durch seinen Tod und seine Auferstehung hat Jesus bewiesen, dass er mächtiger ist als jeder von Menschen gemachte Gott. Und von seinem Thron ewiger Macht aus verspricht er, alles Böse zu bestrafen, die falsch Beschuldigten ins Recht zu setzen und vollkommene Gerechtigkeit in unsere ungerechte Welt zu bringen. Schon bald, so sagt uns die Bibel, werden Berge, Meere, Vögel, Bäume und Menschen aus allen Völkern singen und feiern, dass Jesus der auf dem Thron sitzende König des Universums ist (Offenbarung 5,13; 19,1-11). Lass uns also, wie der Psalmdichter uns dazu aufruft, feiern, dass Jesus König ist und die Welt für immer in Gerechtigkeit regieren wird.
Sieh selbst
Ich bete, dass der Heilige Geist dir die Augen öffnet, damit du den Gott siehst, der alles geschaffen hat und über alle regiert. Und mögest du Jesus als den König sehen, der die Welt in Gerechtigkeit regiert.

