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Andacht

2. Chronik 27-28

Unerwartete Barmherzigkeit

In 2. Chronik 27-28 sehen wir, dass Jesus der wahre barmherzige Samariter ist, der zu Menschen kommt, die von ihren eigenen Sünden geschlagen und gefangen sind, und ihre Wunden heilt.

Was geschieht hier?

Jotam, der nächste König von Juda, hat den Thron bestiegen. Er liebt Gott und hält sich an seine Gebote – ganz anders als sein götzendienerischer und ungehorsamer Vater. Juda befindet sich in einem raschen Niedergang: moralisch, geistlich und politisch (2. Chronik 27,1-2). Doch Jotam gelingt es, etwas von dem Glanz zurückzugewinnen, den Juda unter seinen größten Königen, David und Salomo, erreicht hatte. Er baut die Mauern um Jerusalem wieder auf und befestigt Judas militärische Außenposten neu (2. Chronik 27,3-4). Am Ende seiner Regierungszeit hat der Chronist fast nichts Negatives über Jotam zu berichten (2. Chronik 27,5-9). Er ist ein treuer König, der einem untreuen Juda Frieden bringt, indem er Gottes Geboten gehorcht, ihn zu lieben und die Mitmenschen zu lieben. 

Doch Jotams Sohn Ahas ist eine tragische Umkehrung – sowohl seines Vaters als auch dessen, was Gott mit seinem Volk vorhatte. Gott hatte Israel den Auftrag gegeben, mehrere barbarische Kulte aus ihrem Gelobten Land zu entfernen und es zu einem Ort zu machen, an dem die Liebe zu Gott und die Liebe zu den Mitmenschen herrschten (2. Chronik 28,3-4). Aber das Nordreich Israel fiel von diesem Auftrag ab. Und wie das götzendienerische Nordreich Israel führt Ahas nun Juda dazu, die alten blutrünstigen Gottheiten des Landes anzubeten, und opfert ihnen sogar seine Kinder (2. Chronik 28,1-3). In einer ironischen Wendung schickt Gott das götzendienerische Israel, um den barbarischen Kult zu beseitigen, zu dem Juda selbst geworden ist (2. Chronik 28,4-5). 

Doch in diesem Krieg geht Israel zu weit. Israel metzelt 120.000 Soldaten Judas nieder. Sie richten den Sohn des Königs und seine Berater hin und versklaven etwa 200.000 Frauen und Kinder (2. Chronik 28,6-8). Ein namenloser Prophet sagt Israel, dass ihr Handeln Unrecht ist. Wenn sie einer ähnlichen Niederlage entgehen wollen, müssen sie die Gefangenen in ihre Heimat zurückschicken (2. Chronik 28,9-11).

Im ganzen Buch der Chronik hat Israel Gott, seine Gesetze und seine Propheten immer wieder abgelehnt, doch in diesem Augenblick hört Israel zu (2. Chronik 28,12-13). Sie kleiden die Gefangenen, die sie ihrer Kleider beraubt hatten, geben ihnen zu essen und versorgen ihre Wunden, bevor sie sie auf Esel setzen und in die Grenzstadt Jericho geleiten (2. Chronik 28,14-15). In einer unerwarteten Umkehrung entscheidet sich Israel dafür, Gott zu lieben und die Mitmenschen zu lieben, wie Juda es hätte tun sollen. Doch nichts davon bewegt Ahas zur Umkehr. Stattdessen raubt er das Gold aus dem Tempel Gottes, um Söldner anzuwerben (2. Chronik 28,17-20). Er errichtet immer mehr Heiligtümer für immer mehr Götter in der Hoffnung, sie könnten ihn beschützen – doch keiner tut es (2. Chronik 28,21-25). Ahas starb in Schande, weil er Gott und seine Gesetze aufgegeben hatte.

Wo ist das Evangelium?

Es war unerwartet, dass das berüchtigt heidnische Israel auf Gott hörte, während Gottes auserwähltes Volk in Juda sich weigerte. Geschichten wie diese sollen Gottes Volk seine Untreue vor Augen führen und es zugleich daran erinnern, dass Gott allen barmherzig sein wird, die auf ihn hören und seinen Gesetzen gehorchen. 

Zur Zeit von Jesu Wirken wurde Juda von Männern geführt, die Ahas sehr ähnlich waren. Sie beteten keine Götzen an, aber sie beteten ihre Identität als Judäer und ihre religiösen Überlieferungen an. Einmal fragte ein selbstgerechter Gesetzeslehrer Jesus, welches von Gottes Gesetzen das wichtigste sei. Jesus sagte, das wichtigste Gesetz sei, Gott zu lieben, und das zweite, die Mitmenschen zu lieben (Lukas 10,27). Dann erzählte er dem Gesetzeslehrer als Beispiel für jemanden, der Gott wirklich liebt, eine Geschichte – nicht von einem guten Judäer, sondern von einem guten Samariter (die Samariter sind die Nachkommen des heidnischen Israel). Ein Mann auf dem Weg nach Jericho wird brutal zusammengeschlagen. Judäische Priester und heilige Männer gehen an ihm vorbei und weigern sich zu helfen. Doch ein Samariter kleidet den Überfallenen, gibt ihm zu essen, versorgt seine Wunden, setzt ihn auf einen Esel und geleitet ihn die Straße hinab nach Jericho (Lukas 10,30-36). Das Beispiel soll zeigen, dass der Gesetzeslehrer wie Ahas ist und nicht so rechtschaffen wie die, auf die er herabsieht.

Doch unsere Hoffnung in diesem Abschnitt beruht nicht nur darauf, dass Jesus bereit ist, religiöse Heuchelei aufzudecken. Unsere wahre Hoffnung kommt daher, dass Jesus selbst der wahre barmherzige Samariter ist. Zu einem hohen Preis für sich selbst kommt er zu Menschen, die von ihren eigenen Sünden geschlagen und gefangen sind, und heilt ihre Wunden. Er zeigt Gottes Liebe denen, die Opfer des Hasses anderer geworden sind. Er verbindet unsere gebrochenen Herzen und geleitet uns in sein Königreich. Jesus ist unser barmherziger Samariter – das bedeutet, dass wir nicht wie Ahas sein sollten. Stattdessen sollten wir ihn bereitwillig und voller Freude lieben und auch unsere Mitmenschen lieben. 

Sieh selbst

Ich bete, dass der Heilige Geist dir die Augen öffnet, damit du den Gott siehst, der sein Volk in Liebe regiert. Und mögest du Jesus als den barmherzigen Samariter sehen, der uns heilt und in Gottes Königreich trägt. 

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