Was geschieht hier?
Petrus schließt seinen zweiten Brief ab und möchte, dass seine Leser daran denken: Jesus kommt bald. Darum ermutigt er sie, ein Leben zu führen, das Gott gefällt (2. Petrus 3,1-2). Doch diese Erinnerung ist bei einer Gruppe falscher Lehrer unbeliebt. Sie zweifeln daran, dass Jesus wiederkommt, und sind nicht überzeugt, dass es nötig wäre, ihre Begierden zu zügeln (2. Petrus 3,3).
Die falschen Lehrer haben zwei Argumente. Erstens: Seit der Schöpfung der Welt habe Gott nie in die Menschheitsgeschichte eingegriffen und das Böse gerichtet (2. Petrus 3,4). Jener angekündigte Tag des Jüngsten Gerichts über unser moralisches Böse sei nie gekommen – also könne es Gott doch nicht wichtig sein, wie wir uns verhalten. Aber Petrus sagt: Sie ignorieren die Tatsachen.
Gott hat in die Menschheitsgeschichte eingegriffen. Mit einem einzigen Wort ließ Gott das Land aus den Urwassern hervortreten (2. Petrus 3,5). Und mit einem weiteren Wort ließ er das Land in einer Sintflut untergehen – als Antwort auf die Verderbtheit der Menschen (2. Petrus 3,6). Diese falschen Lehrer kennen die Heilige Schrift nicht besonders gut, ein Punkt, auf den er später noch einmal zurückkommt (2. Petrus 3,16). Gott war immer unmittelbar an der Menschheitsgeschichte beteiligt, und sein Wort wartet noch darauf, die Erde zu richten (2. Petrus 3,7).
Das zweite Argument der falschen Lehrer lautet: Gott kommt zu spät. Jesus habe gesagt, er käme bald – doch er ist nicht gekommen. Petrus macht deutlich, dass ein unsterblicher Gott nicht nach unseren Zeitmaßstäben rechnet. Sein „bald“ kann etwas ganz anderes bedeuten als unser „bald“ (2. Petrus 3,8). Und außerdem: Gott ist nicht zu spät, er ist geduldig (2. Petrus 3,9). Gott will nicht, dass jemand umkommt oder sein Gericht erfährt. Gottes lange Verzögerung ist kein Beweis dafür, dass wir ihm gleichgültig sind, sondern ein Beweis dafür, dass er barmherzig ist mit Menschen, die lange brauchen, bis sie Buße tun. Gottes Verspätung ist in Wahrheit seine Geduld. Und für alle, die an Gottes Zeitplan zweifeln: Gottes Geduld ist unsere einzige Hoffnung auf Erlösung (2. Petrus 3,15).
Wo ist das Evangelium?
Wir wissen: Jesus kommt bald. An jenem Tag werden das Böse und die Sünde schmelzen und sich auflösen (2. Petrus 3,10). Bald wird nur noch das übrig bleiben, was gut und gerecht ist. Wir sollten so leben, als stünde die ewige Güte unmittelbar vor der Tür. Wir sollten ein Leben führen, das von der Gerechtigkeit und der moralischen Tugend geprägt ist, die für immer Bestand haben (2. Petrus 3,11-12). Wir sollten uns vor Lehrern hüten, die uns an Jesu kommendem Gericht oder an der Klarheit seiner Gebote zweifeln lassen (2. Petrus 3,17). Gott ist es nicht gleichgültig, wie wir leben. Und wer weiß, dass Jesus bald kommt, weiß auch: Für uns wird es kein Tag des Jüngsten Gerichts sein, sondern ein Tag der Hoffnung.
Gott kommt – nicht nur, um zu richten, sondern um eine neue Welt der Rechtschaffenheit, der moralischen Vollkommenheit und des Friedens zu errichten (2. Petrus 3,13). Gott wartet geduldig, nicht weil er gleichgültig wäre, sondern weil er möchte, dass alle Menschen Buße tun (2. Petrus 3,9). Gott wünscht sich, dass alle Menschen in seine neue Welt kommen, in der es das Böse und die Verletzungen nicht mehr gibt, die durch die Begierden anderer zugefügt werden. Gott kommt „bald“, damit alle, die den Preis der Sklaverei der Sünde tragen und zu ihm rufen, Buße tun und Freiheit finden in einem kommenden Kosmos, der neu gemacht ist.
Gott hat schon einmal geschaffen und gerichtet, und er wird noch einmal richten und neu schaffen. Halte Gottes Langsamkeit in der Menschheitsgeschichte nicht für Gleichgültigkeit. Sieh Gottes Geduld als Erlösung. Sieh Gottes gegenwärtige Verzögerung als Einladung an alle Menschen. Ein ewiges Reich der Gnade, der Macht, der Güte und der Schönheit ist im Kommen. Ein Tag kommt, an dem wir alle von der Ungerechtigkeit und dem Bösen befreit werden, das wir anderen zufügen. Und dieser Tag kommt bald für alle, die sich darauf freuen.
Überzeuge dich selbst
Möge der Heilige Geist dir die Augen öffnen, damit du den Gott siehst, der die Erde geschaffen und gerichtet hat. Und mögest du Jesus als den erkennen, der kommt, um das Böse zu richten und eine neue Erde der Rechtschaffenheit für alle Menschen zu errichten.


