Was geschieht hier?
Der Apostel Petrus liegt auf dem Sterbebett (2. Petrus 1,14). Und 2. Petrus enthält die letzten Worte eines der engsten Jünger Jesu. Er beginnt damit, dass Jesus unser Gott und Erlöser ist (2. Petrus 1,1). Viele zur Zeit des Petrus leugneten diese Aussagen und ihre Folgen, und Petrus wird sich später in seinem Brief mit diesen falschen Lehrern auseinandersetzen. Zunächst aber möchte Petrus nur noch eine letzte Predigt halten, bevor er stirbt.
Und der Kern seiner Predigt ist: Jesus hat seine göttliche Kraft eingesetzt, um uns alles zu geben, was wir für ein Leben nach Gottes Willen brauchen – und dieses Leben nach Gottes Willen kommt daraus, Jesus zu kennen (2. Petrus 1,3). Zu wissen, dass Jesus unser Gott und Erlöser ist, bedeutet nicht einfach, eine Tatsache über Jesus zu kennen, sondern an Gottes göttlicher Natur teilzuhaben (2. Petrus 1,4). Petrus meint damit: Wir haben Anteil an der moralischen Tugend oder Rechtschaffenheit Gottes, wir haben Gemeinschaft mit ihr und werden von ihr erfüllt. Er sagt, dass diese Teilhabe am Göttlichen darin besteht, dass Gott seine Zusagen einhält. Petrus erklärt nie genau, welche Zusagen das sind, aber er erklärt, was sie bewirken. Gottes Zusagen verbinden uns mit seiner moralisch vollkommenen göttlichen Natur, und wir entkommen der Verdorbenheit (2. Petrus 1,4b).
Moralische Verdorbenheit vergiftet unseren Planeten. Unsere Beziehungen zueinander und zu Gott sind oft geprägt von Unwissenheit, mangelnder Selbstbeherrschung, Unbeständigkeit, Feindschaft und Hass. Doch Jesus ruft uns in seine herrliche Rechtschaffenheit, und durch seine göttliche Kraft haben wir Anteil an seiner moralischen Vollkommenheit. In Jesus entkommen wir unserer moralischen Verdorbenheit.
Aber dieses Entkommen ist zugleich ein Ereignis und ein Weg. Jesus rettet uns durch den Glauben, doch wir müssen uns auch mit allem Einsatz darum bemühen, unserer Gläubigkeit moralische Tugend hinzuzufügen (2. Petrus 1,5a). Gott setzt seine göttliche Kraft ein, um uns in seine vollkommene Weisheit, Selbstbeherrschung, Treue, Zuneigung und Liebe hineinzunehmen (2. Petrus 1,5b-7). Als Antwort auf das Ereignis, dass Gott sein Volk in seine moralische Vollkommenheit einbezieht, haben wir am Göttlichen teil, indem wir uns auf einen Weg zunehmender moralischer Tugend und Gottesfurcht einlassen (2. Petrus 1,8). Wer Jesus als Gott und Erlöser kennt, wächst beständig auf diese Weise (2. Petrus 1,10).
Die Frohe Botschaft, die Petrus mit ins Grab nimmt, ist: Jesus rettet uns dazu, an seiner göttlichen moralischen Vollkommenheit teilzuhaben und wie er auf dieser Erde zu leben. Die Untugendhaften, Undisziplinierten und Lieblosen haben vergessen, warum sie gerettet wurden (2. Petrus 1,9). Doch wer am Göttlichen teilhat, wird eine wachsende Gewissheit über die eigene Erlösung und eine zunehmende Gottesfurcht im eigenen Leben erfahren.
Wo ist das Evangelium?
Während Petrus stirbt, weiß er: Die Teilhabe an Jesu göttlicher Natur rettet uns aus unserer moralischen Verdorbenheit und rettet uns dazu, in unserem Leben moralische Fortschritte zu machen. Doch die Hoffnung des Petrus reicht über dieses Leben hinaus. Teilhabe am Göttlichen bedeutet nicht nur, mit der Zeit immer rechtschaffener zu werden; es bedeutet auch, an der Unsterblichkeit des Göttlichen teilzuhaben. Jesus hat sich mit uns verbunden, aber er wird uns auch in ein ewiges Reich aufnehmen (2. Petrus 1,11). Am Ende seines Briefes fügt Petrus hinzu, dass Jesus uns in eine neue Wirklichkeit aufnehmen wird, in der endlich Rechtschaffenheit wohnen wird (2. Petrus 3,13).
Am Ende seines Lebens hinterlässt Petrus uns seine Predigt: Unser rechtschaffener Erlöser teilt seine rechtschaffene Natur mit uns, damit wir ein rechtschaffenes Leben führen können, das zu ewiger Rechtschaffenheit führt. Die moralische Verdorbenheit, die jetzt überall herrscht, wird verschwinden, und unser moralischer Fortschritt wird für immer der moralischen Vollkommenheit Platz machen.
Eine ewige Wirklichkeit, die von unserer moralischen Verdorbenheit beherrscht wird, nennt man Hölle. Aber Petrus sagt: Wer Jesus kennt, wird jetzt und für immer Rechtschaffenheit erfahren. Vertraue also dem Rechtschaffenen, den Petrus mit seinen letzten Federstrichen lobt. Vertraue darauf, dass Jesus dich zu seiner ganzen Verherrlichung und Vortrefflichkeit rufen wird. Vertraue darauf, dass Jesus dich aus deiner moralischen Verdorbenheit herausziehen und in die ewige moralische Vollkommenheit hineinführen kann.
Sieh es selbst
Möge der Heilige Geist dir die Augen öffnen, damit du den Gott siehst, der rechtschaffen ist. Und mögest du Jesus als unseren Erlöser sehen, der seine rechtschaffene Natur mit uns teilt, damit wir für immer die Verherrlichung erfahren können.


