Was geschieht hier?
Der Apostel Paulus steht in Rom vor Gericht, und er ist sich nicht sicher, ob er überleben wird (2. Timotheus 4,6). Dies ist der letzte Brief von Paulus, und er richtet ihn an seinen Schützling Timotheus, von dem er hofft, dass er seinen Dienst nach seinem Tod weiterführen wird (2. Timotheus 1,14).
Aber Timotheus ist entmutigt. Dieselben falschen Lehrer, mit denen sich Paulus schon in seinem ersten Brief auseinandergesetzt hat, führen die Kirchen trotz all seiner Bemühungen, sie aufzuhalten, weiterhin erfolgreich in die Irre (2. Timotheus 2,17; 1. Timotheus 1,20). Doch Paulus ermutigt Timotheus: Ihr Erfolg ist kein Grund, seine eigene Gabe und Leitung geringzuschätzen (2. Timotheus 1,6). Timotheus hat nicht nur einen aufrichtigen und lebendigen Glauben von seiner Mutter und seiner Großmutter geerbt, sondern er ist auch von Gottes Geist erfüllt (2. Timotheus 1,5.6). Er braucht nicht zaghaft zu sein, denn Gott hat ihn mit der Kraft, der Liebe und der Besonnenheit erfüllt, die er für die vor ihm liegende Aufgabe braucht (2. Timotheus 1,7).
Während andere sich für Paulus und seinen Dienst schämen (2. Timotheus 1,15), soll Timotheus wissen: Wenn er sich in seinem Leiden zu Paulus stellt, verbindet er sich damit auch mit Jesus und seiner Kraft (2. Timotheus 1,8). Jesus hat Paulus und Timotheus beide durch seinen Tod gerettet. Und Gott hat sie beide in den Dienst gerufen – nicht weil sie mutiger gewesen wären als andere, sondern weil Gott beschlossen hat, dass ein mordender Pharisäer und ein zaghafter Timotheus vom Auferstehungsleben predigen, das Jesus schenkt (2. Timotheus 1,9-10). Timotheus muss nicht entmutigt sein. Sein Glaube ist echt; er ist von Gottes Geist erfüllt, und Gott hat ihn erwählt.
Während andere in der Gefangenschaft und im Leiden von Paulus Gründe sehen, seine Botschaft abzulehnen, soll Timotheus die Wahrheit bewahren, dass ihr Erlöser gebunden wurde, litt und starb, um allen Leben zu geben (2. Timotheus 1,14). Trotz der Behauptungen der falschen Lehrer ist das Leiden der Weg Jesu und der Weg zur Auferstehung. Wer Jesus nachfolgt, ist wie ein Soldat, der sich der Leiden des Krieges nicht schämt, weil er auf einen sicheren Sieg hofft (2. Timotheus 2,4-5). Oder wie Sportler und Bauern, die sich nicht schämen, die Last harter Arbeit und schmerzhaften Trainings zu tragen, um eine Ernte und einen Siegespreis zu gewinnen (2. Timotheus 2,5-6).
Ja, Paulus liegt für das Evangelium in Ketten – aber Gottes Wort ist nicht gebunden (2. Timotheus 2,8-9). Jesus ist von den Toten auferstanden. Und wenn das Leiden der Weg zur Auferstehung ist, dann sollen Paulus und Timotheus bereit sein, alles zu erdulden, damit noch mehr von Gottes Kindern in der Ewigkeit dabei sind (2. Timotheus 2,10).
Wo ist das Evangelium?
Paulus beschließt die einleitenden Abschnitte seines Briefes an Timotheus mit einem Hymnus. Es ist eines von vielen Liedern, die die ersten Nachfolger von Jesus gedichtet haben. Und es ist als zusätzliche Ermutigung für Timotheus gedacht, sich nicht zu schämen und sich nicht zu fürchten. Das Lied sagt: Wenn wir mit Jesus sterben, werden wir mit Gott leben. Und wenn wir im Leiden durchhalten, werden wir gemeinsam mit Gott herrschen (2. Timotheus 2,11-12a). Das sind ernste Erinnerungen an das unvermeidliche Leiden, das das Evangelium mit sich bringt, aber es sind auch unerschütterliche Verheißungen: Nicht einmal der Tod und eine anhaltende Gefangenschaft können Gott, sein Evangelium oder seine Nachfolger in Ketten legen. Es gibt keinen Grund, warum Timotheus sich des Evangeliums schämen sollte, selbst wenn es Leiden hervorbringt. Das Evangelium erinnert uns daran: Wenn wir leiden, wird der Sieg von Jesus zu unserem Sieg.
Das Lied ermutigt weiter alle von uns, die sich nicht sicher sind, wie sie auf den Ruf von Jesus zum Leiden reagieren würden. Es sagt: Wenn wir Gott verleugnen, wird Gott uns verleugnen; wenn wir aber untreu sind, bleibt er treu, weil Gott sich selbst nicht verleugnen kann (2. Timotheus 2,12b-13). Sobald wir uns entscheiden, an den Leiden von Christus Anteil zu haben, sind wir untrennbar mit Jesus und seinem Sieg verbunden. Es mag Zeiten geben, in denen die Last, Jesus nachzufolgen, zu groß und die Schande zu tief erscheint. Vielleicht stand Timotheus selbst am Rand eines solchen Moments. Aber Gottes Treue ist mächtiger als unsere Untreue. Er verleugnet die nicht, mit denen er sein Grab geteilt hat.
Lass dich also gemeinsam mit Timotheus ermutigen. Zaghaftigkeit, Scham oder die Momente, in denen du dem Leiden ausgewichen bist, machen deine Auferstehung nicht rückgängig. Gott verleugnet sich selbst nicht, und Gott wird treu dafür sorgen, dass du zum ewigen Leben kommst. Du wirst für immer mit ihm herrschen.
Sieh selbst
Möge der Heilige Geist dir die Augen öffnen, damit du den Gott siehst, der sich selbst nicht verleugnet. Und mögest du Jesus als den sehen, der gestorben ist, damit wir Anteil an seinem Leben haben.

