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Andacht

Ester 1,1-2,18

Xerxes’ zerbrechliche Autorität

In Ester 1,1-2,18 sehen wir, dass Gott oft unerwartete Frauen beruft, um das Blutbad böser Weltreiche zunichtezumachen.

Was geschieht hier?

Das Buch Ester erwähnt den Namen Gottes nie. Stattdessen beschreibt es einen König, der Gottes Platz eingenommen zu haben scheint. Xerxes, der König von Persien, gibt ein riesiges Festmahl für all seine Statthalter, Politiker und Diener (Ester 1,3). Es verkündet Xerxes’ unvergleichliche Macht, seine Verherrlichung und seinen Reichtum (Ester 1,4). 187 Tage lang feiern und trinken die Führenden Persiens mit ihrem König (Ester 1,5). In seiner Großzügigkeit und Fülle ist Xerxes gottgleich. Selbst Xerxes’ Palast wirkt göttlich. Tatsächlich ist der einzige Ort in der Heiligen Schrift, der es mit dem Prunk, der Schönheit und der Farbenpracht von Xerxes’ Palast aufnehmen kann, der Tempel Gottes (Ester 1,6; 1. Könige 6,21).

Als letzten Beweis seiner Überlegenheit ruft Xerxes seine Königin Waschti herbei, damit sie ihre Schönheit vor den versammelten Fürsten seines Reiches zur Schau stellt (Ester 1,11). Doch sie weigert sich, ihre Rolle im pompösen Theater ihres Mannes zu spielen (Ester 1,12). Wütend darüber, dass seiner Souveränität öffentlich widersprochen wurde, ruft Xerxes seine Weisen, um das Problem zu lösen (Ester 1,13). Diese behaupten, die Frauen von Xerxes’ Beamten würden ihre Männer dazu bringen, Xerxes’ Autorität zu untergraben – genau wie Waschti (Ester 1,18). Bei all seiner gottgleichen Macht ist Xerxes’ Autorität zerbrechlich und wird von einer einzigen Frau untergraben. Xerxes folgt dem Rat seiner Weisen, verstößt Waschti und beschließt, sie durch eine formbarere Frau zu ersetzen (Ester 1,20).

Die jungen Männer an seinem Hof schlagen einen Schönheitswettbewerb vor, um die neue Königin zu bestimmen (Ester 2,2.4). Anders als Waschti sollten die Jungfrauen des Reiches ihre Schönheit vor dem König zur Schau stellen, und dann würde Xerxes eine nach der anderen seine gottgleiche Überlegenheit über sie ausüben; welche Frau ihm am meisten „gefiel“, sollte die neue Königin werden. Xerxes ist begeistert von dieser Idee.

Doch eine der Frauen, die in Xerxes’ Plan hineingezogen werden, ist eine jüdische Jungfrau: Ester (Ester 2,5.7). So wie sich die Priester Israels darauf vorbereiteten, in Gottes Tempel zu treten, bereitet sich Ester darauf vor, Xerxes’ Schlafzimmer zu betreten (Ester 2,12; 3. Mose 8,12-13). Doch als Xerxes sie schließlich ruft, um seine Überlegenheit zu beweisen, wird sie zur Königin von Persien gekrönt (Ester 2,17). Xerxes gibt ein weiteres Festmahl, und einmal mehr erlebt das ganze Reich die gottgleiche Großzügigkeit seines Königs (Ester 2,18).

Wo ist das Evangelium?

Gott wird im Buch Ester nie erwähnt. An seiner Stelle bekommen wir in Xerxes eine Gottheit, die sich selbst widerspricht. Er ist allgütig, aber tobt vor Wut. Ein souveräner Herrscher, dessen Dekrete endgültig sind – aber nur, wenn andere sie nach dem Trinken aufschreiben. Und ein Kaiser, dessen Macht in den Händen der Frauen, die er benutzen wollte, absolut zerbrechlich ist. Schon bald wird Ester sogar eines von Xerxes’ „unumkehrbaren“ Dekreten umkehren (Ester 8,8). Xerxes’ Göttlichkeit ist so komisch ironisch, dass wir fragen müssen, ob der unsichtbare Gott der Juden diese Witze schreibt.

Gottes unsichtbare Feder beruft oft unerwartete Frauen, um das Blutbad böser Weltreiche zunichtezumachen (Josua 2,1; Richter 4,21; 1. Samuel 1,10-11). Waschti und Ester sind Gottes neueste Pointen gegen die Zerbrechlichkeit von Reichen wie Persien. Selbst unsere Erlösung in Jesus von den größten Reichen überhaupt – Sünde und Tod – beginnt damit, dass Gott eine weitere jüdische Jungfrau erwählt, Maria (Lukas 1,32-34). Wie Waschti und Ester ist sie eine Vorbotin der Zerbrechlichkeit von Reichen. Maria singt sogar davon, dass ihre Schwangerschaft das Ende der bestehenden Weltordnung bedeutet (Lukas 1,52). Und ein Engel verkündete, dass Marias Kind für immer als König herrschen würde.

Marias Kind ist Jesus. Anders als Xerxes ist Jesus kein König, der vorgibt, allmächtig zu sein; er ist Gott, der die Ohnmacht des Menschen annimmt (Philipper 2,6-7). Und so wie Ester in das Schlafzimmer eines Kaisers gebracht wurde, wurde Jesus nackt ausgezogen und in ein Grab gelegt, während die Kaiser dieser Welt ihre Macht demonstrierten (Matthäus 27,35). Doch so wie Ester von ihrem Bett aufstand und zur Königin gekrönt wurde, stand Jesus von den Toten auf und wurde als der wahre und einzige allmächtige, souveräne König gekrönt. Anders als Xerxes benutzt Jesus seine Macht nicht, um die Schwachen zu unterdrücken, sondern errichtet ein Königreich des beständigen und ironiefreien Guten für sein Volk. Der ungenannte Gott von Ester regiert für immer. Und auch jetzt, in einer Welt, in der es scheint, als sei er abwesend, schreibt Gott noch Witze und erwählt die Kleinen und Unbedeutenden, um die Gottgleichen und die Stolzen zunichtezumachen.

Sieh selbst

Möge der Heilige Geist dir die Augen öffnen, damit du den Gott siehst, der oft ungesehen scheint. Und mögest du Jesus als den Sohn Marias sehen, der gekommen ist, die Reiche dieser Welt zu stürzen.

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