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Andacht

Jesaja 9,7-10,34

Der Gott der Geschichte

In Jesaja 9,7-10,34 sehen wir, dass Jesus in die Geschichte eingetreten ist und seine Feinde durch seinen Tod und seine Auferstehung besiegt hat.

Was geschieht hier?

Israel hat gerade mehrere nördliche Gebiete an das wachsende Reich Assyrien verloren. Selbstsicher sieht Israel in diesem Verlust nur eine Gelegenheit, bessere Städte und Befestigungen zu bauen (Jesaja 9,7-9). Doch Jesaja weissagt, dass diese Niederlage nur die erste ist. Gott ruft Israels Feinde herbei, besonders Assyrien, und startet einen Feldzug gegen sein Volk, der mit dessen Zerstörung enden wird (Jesaja 9,10-11). Israels Führung hat das Land vergiftet. Die Ältesten des Landes sind korrupt, die Propheten sind Lügner, und gemeinsam führen sie Israel dazu, Gott zu verwerfen, seinen Rat zu missachten und dem Bösen nachzujagen (Jesaja 9,12-15). Israel ist ein gottloses, boshaftes und törichtes Volk geworden (Jesaja 9,16). Israels Verdorbenheit frisst das Volk bei lebendigem Leib auf. Seine Machthaber ermorden einander aus Machtgier, und Nachbarn zerfleischen sich gegenseitig zum eigenen Vorteil (Jesaja 9,17-20). Unterdessen schreiben Politiker dieses Unrecht in Gesetze und nutzen Waisen zu ihrem Vorteil aus (Jesaja 10,1-2). Gott ruft Assyrien herbei, um Israels Herrschaft des Schreckens und der Ungerechtigkeit zu beenden (Jesaja 10,3-4).

Jesaja kündigt an, dass Israel bald die volle Wucht der assyrischen Kriegsmaschinerie zu spüren bekommt. Kurz darauf wird Assyrien nach Süden ziehen und Juda samt seiner Hauptstadt Jerusalem angreifen. Doch obwohl diese Angriffe unausweichlich sind, tröstet Jesaja Israel. Letztlich ist Assyrien nur ein Werkzeug in Gottes Hand (Jesaja 10,5-6). Ja, der assyrische König ist ein stolzer Eroberer. Ja, er meint, seine militärischen Siege würden beweisen, dass seine Götter denen Israels überlegen sind. Ja, er schreibt all seine Siege seiner erstaunlichen militärischen Stärke und Strategie zu. Aber er ist nur eine Axt in Gottes Hand (Jesaja 10,7-15). So wie Gott mit Israels Stolz abrechnen wird, wird er auch mit dem Stolz Assyriens abrechnen. Gott hat die Weltgeschichte und die Großreiche in der Hand. Darum verspricht Gott, dass das mächtige Reich, das Israel zerstören wird, selbst zerstört werden wird (Jesaja 10,16-19).  

Das sollte Israel trösten. Wenn Assyrien Gottes Werkzeug ist und selbst zerstört werden wird, dann ist die Zerstörung, die es über Israel bringt, nicht das Ende. Assyriens Feldzüge sind Teil von Gottes Plan, sein Volk dahin zurückzuführen, dass es ihm wieder vertraut (Jesaja 10,20). Die Zerstörung ist zwar beschlossen, doch ihr Ziel ist es, die Gottlosen, Boshaften und Törichten aus Israel zu entfernen und einen kleinen Rest übrig zu lassen, der Gott vertrauen und seine Güte erneut erfahren wird (Jesaja 10,21-23). Weder Israel noch Juda muss sich vor Assyrien fürchten. Ja, Assyrien wird gegen Gottes Volk anrücken (Jesaja 10,28-32). Doch so wie Gott die Feinde seines Volkes in der Vergangenheit besiegt hat, wird er es wieder tun (Jesaja 10,24-27). Die Axt, mit der Gott einst den Wald Israels umgehauen hat, wird selbst zerhackt werden und niemals wieder gebraucht (Jesaja 10,33-34).

Wo ist das Evangelium?

Jesajas Weissagungen sind zugleich erschreckend und tröstlich. Erschreckend, weil sie uns zeigen: Gott kann Weltpolitik, globalen Krieg und stolze Könige wie eine scharfe Axt gebrauchen. Tröstlich aber, weil Gott diese absolute Macht zum Guten für sein Volk und zur Erneuerung von Gerechtigkeit und Rechtschaffenheit einsetzt. Gott durchschaut die ganze Tiefe des Bösen im Menschen und hat die absolute Macht, es zu vernichten. Jesajas Weissagungen sind tröstlich, weil nichts Gottes gute Pläne aufhalten kann, wenn er die letzte Kontrolle über stolze Könige und die Weltgeschichte hat. 

Gott ist der Gott der Geschichte. Er weiß alles und lenkt alles. Kurz nachdem diese Weissagungen aufgeschrieben wurden, trafen sie alle ein. Assyrien fiel in Israel ein, zog nach Süden und griff Jerusalem an (2. Chronik 32). Doch Assyrien verlor diese Schlacht, Jerusalem wurde gerettet, und kurz darauf wurde Assyrien durch das Volk Babylon zerstört. Das Ergebnis all dieser Konflikte war, dass ein kleiner Rest von Gottes Volk trotz des Chaos des weltweiten Krieges treu blieb. Gott ist der Gott, der die Geschichte kennt und lenkt – und es lohnt sich, ihm zu vertrauen. 

Nirgendwo sieht man Gottes erschreckende und doch tröstliche Herrschaft über die Geschichte deutlicher als am Kreuz Jesu. Jesus war Gott im Fleisch, und als die politischen und religiösen Machthaber seiner Zeit ihn töteten, schienen sie allmächtig zu sein. Doch der Apostel Petrus sagt: Während boshafte Menschen Ränke schmiedeten und die Ermordung von Jesus planten, hatte Gott dennoch alles in der Hand (Apostelgeschichte 2,23-24). Die bösen Absichten der Menschen waren nur Werkzeuge in Gottes Hand. Ihr mörderischer Feldzug gegen Jesus war ganz und gar Teil von Gottes Plan. Jesus blieb nicht in seinem Grab, sondern stand von den Toten auf und stellte damit die bloß, die sich für mächtiger als Gott hielten (Kolosser 2,15). Jesus ist der einzige Gott, der in die Weltgeschichte eingetreten ist, seine Macht über die Mächte bewiesen hat und von den Toten auferstanden ist. Es lohnt sich, Jesus zu vertrauen. Er hält die Geschichte in seinen Händen, und er ist sogar mächtiger als der Tod selbst. Schließe dich also seinem kleinen Rest an und sei gewiss: Du wirst die Güte Gottes erneut erfahren.

Sieh selbst

Ich bete, dass der Heilige Geist dir die Augen öffnet, damit du den Gott siehst, der die Geschichte lenkt. Und mögest du Jesus als den sehen, der in die Geschichte eingetreten ist und unsere Feinde besiegt hat. 

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