Was passiert hier?
Das Buch Nahum ist eine Sammlung von Gedichten und Prophetien gegen Ninive, die Hauptstadt des assyrischen Reiches (Nahum 1,1). Ninive und Assyrien unterdrückten Israel mit Gewalt, führten sein Volk ins Exil und erhoben hohe Steuern von Juda. Sie waren bekannt für ihre Brutalität und für eine militärische und politische Macht, wie es sie vorher nicht gegeben hatte. Doch Nahum warnt Ninive: Gott wird Israel schützen, indem er schnelle Gerechtigkeit gegen Ninive vollstreckt (Nahum 3,1).
Gott wird für sein unschuldiges Volk Rache nehmen, indem er die angreift, die es unterdrücken (Nahum 1,2). Gegenüber den schuldigen Bewohnern Ninives wird Gott nichts als reine, unerbittliche Gerechtigkeit sein (Nahum 1,3). Wie ein Sturm kommt er heran. Kein Meer, kein Berg und kein Fluss wird Schutz bieten (Nahum 1,4-5). Wie ein Vulkan verzehrt er alles, und nichts als Asche bleibt in seiner Spur zurück (Nahum 1,6).
Nahum sagt Israel, dass Gott gut ist und die assyrischen Ketten Israels zerbrechen wird. Indem er die Schuldigen vor Gericht bringt, sorgt Gott für die Unschuldigen und beschützt sie. Im selben Augenblick, in dem er die Blutdürstigen niederreißt, schafft er einen sicheren Ort für alle, die bei ihm Zuflucht suchen (Nahum 1,7). Keine feindliche Nation kann Gottes Gerechtigkeit überlisten. Er hat über Ninive das Urteil „schuldig“ gesprochen, und es gibt keine zweite Chance (Nahum 1,9).
Auch wenn Assyrien eine Weltmacht ist, wird es fallen (Nahum 1,12a). Gott wird den König unfruchtbar machen und seiner Dynastie ein Grab schaufeln (Nahum 1,14). Und an demselben Tag, an dem Ninive fällt, wird Gott Boten nach Juda senden, die die Frohe Botschaft bringen (Nahum 1,15a). Ein Evangelium des Friedens wird verkündet, Juda wird befreit, und Assyrien wird sich nie wieder erheben (Nahum 1,13).
Der Klarheit zuliebe fügen viele Bibelübersetzungen das Wort „Ninive“ ein, wo Nahums Prophetien einfach nur „er“ sagen (Nahum 1,11). Nahum erwähnt Ninive im Hauptteil seiner Prophetie in Kapitel eins nicht, weil er einen größeren Kreis trösten und warnen will als nur Israel und Assyrien. Nahums Prophetien sind universell. Nahum spricht zu allen unterdrückenden Nationen und zu allen Unterdrückten aller Zeiten. Gott ändert sich nicht, und darum wird er die Schuldigen keineswegs ungestraft lassen, die Gottes Volk Schaden und Gewalt antun (Nahum 1,3).
Wo ist das Evangelium?
In Nahums Prophetien sehen wir eine Vision von Jesus. Jesus kommt wie ein unaufhaltsamer Sturm, um Gerechtigkeit gegen das Böse zu bringen und so die Unschuldigen zu retten und zu beschützen. Als Johannes der Täufer fragt, ob Jesus der Sturm gegen das Böse ist, den er erwartet, verweist Jesus auf seine Heilungen unter den Kranken und darauf, dass den Armen und Unterdrückten die Frohe Botschaft verkündet wird (Matthäus 11,5). Und nur wenige Verse später spricht Jesus das Verderben über Städte aus, die sich – wie Ninive – weigern, die Gerechtigkeit anzuerkennen, die er bringt (Matthäus 11,20-24). Und dann lädt er wieder alle ein, die sich abmühen und unter ihrer Last leiden, bei seiner Führung und Fürsorge Ruhe zu finden (Matthäus 11,28). Genau wie Nahum es erwartet, wird Jesus den Schuldigen Gerechtigkeit widerfahren lassen und den Unschuldigen Schutz gewähren.
Dasselbe Muster sehen wir am Kreuz. Jesus starb für unsere Schuld (Römer 8,23) und zeigt damit, was mit allen Schuldigen geschieht, die nicht von ihrem Bösen umkehren – sie sterben (Römer 3,23). Doch indem er an unserer Stelle stirbt, zeigt er auch, was mit allen geschieht, die unter sein Kreuz fliehen, um Schutz zu finden – sie werden gerechtfertigt und sogar von den Toten auferweckt (1. Korinther 15,21). Im selben Augenblick, in dem er von den Blutdürstigen niedergerissen wurde, bewies er auch: Es gibt keinen Sturm, kein Meer, keinen Berg, keinen Fluss und keine Stadt, die Schutz bieten könnten vor seiner Auferstehungskraft und seiner Barmherzigkeit für alle, die seinem Urteil vertrauen.
Die Frohe Botschaft ist: Gott lässt die Schuldigen keineswegs ungestraft, denn Gott ist vollkommen gerecht. Und auch wenn wir heute noch leiden – bald wird Jesus zurückkommen, und dann wird es keine Tränen, keinen Kummer und keine Traurigkeit mehr geben, weil es das Böse, das sie verursacht, dann nicht mehr geben wird (Offenbarung 21,4). Gott wird die Schuldigen nicht ungestraft lassen. Alle Nationen, Reiche, Religionen und Menschen, die sich dem Bösen verschreiben, werden im unaufhaltsamen Sturm von Gottes Gerechtigkeit vergehen. Aber alle, die zu ihm um Hilfe rufen, werden gerettet.
Überzeuge dich selbst
Ich bete, dass der Heilige Geist dir die Augen öffnet, damit du den Gott siehst, der die Schuldigen nicht freispricht. Und mögest du Jesus als den sehen, der für die Unterdrückten sorgt und den Unschuldigen Recht verschafft.

