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Andacht

Obadja 1-14

Das stolze Edom

In Obadja 1-14 sehen wir: Gott wird kommen, um die Stolzen zu richten. Doch wenn wir uns demütigen, unseren Stolz eingestehen und bekennen, dass wir glauben, Gottes Gerechtigkeit könne uns nicht erreichen, dann werden wir erhöht werden.

Was geschieht hier?

Obadja ist ein Prophet, der von Gott eine Vision über Edom empfängt (Obadja 1). Edom ist Israels Nachbar auf der anderen Seite des Toten Meeres. Doch wichtiger noch: Dieses Volk ist nicht nur Israels Nachbar, es ist auch Israels Bruder. Die Völker Israel und Edom stammen von zwei Brüdern ab, die in 1. Mose eingeführt werden: Jakob und Esau (1. Mose 25,23). Von Geburt an war das Verhältnis dieser Zwillinge von Streit geprägt, denn Gott entschied sich, seinen Bund mit Jakob und Israel zu halten und nicht mit Esau und Edom (1. Mose 27,41).

Zu Obadjas Zeit war diese Spannung schon Jahrhunderte alt und hatte sich in Krieg verwandelt. Israel hatte an politischer und militärischer Macht verloren und wurde von einem feindlichen Volk belagert. Edom weidet sich am Untergang seines Bruders, nutzt dessen geschwächte Lage aus und plündert Israel, um selbst reicher zu werden (Obadja 12-13). Stolz ist Edoms größte Sünde (Obadja 3). Die unzugänglichen Felshöhlen, in denen sie wohnten, gaben ihnen das Gefühl, unbesiegbar zu sein – sogar vor Gott. Sie hielten sich für einen Adler, der hoch über allen anderen kreist (Obadja 4). Ihr Stolz hielt sie davon ab, Israel am Tag der Not zu helfen. Stattdessen losten sie um die Beute der Stadt, nachdem die Plünderer ihr Schlimmstes getan hatten (Obadja 11). 

Deshalb sagt Gott, dass er Edom in seinem Stolz zu Fall bringen wird (Obadja 10). Sie werden nicht nur ausgeraubt wie ein Haus, das ein Dieb durchwühlt hat – sie werden zunichte gemacht (Obadja 5.9). Edom wird vernichtet, weil sein Stolz es dazu brachte, Gottes erwähltem Volk zu schaden und zu glauben, es sei außerhalb der Reichweite seiner Hand. 

Wo ist das Evangelium? 

Wie Obadja sprach auch Jesus prophetisch gegen die Stolzen seiner Zeit. Er sagte: „Jeder, der sich selbst erhöht, wird erniedrigt werden, und wer sich selbst erniedrigt, wird erhöht werden“ (Lukas 18,14). Und genau das sehen wir deutlich am Kreuz. Jesus, der hätte erhöht werden sollen, erniedrigte sich selbst bis zum Tod. 

Wie die Edomiter in Israel losten die Menschen am Kreuz Jesu in ihrem Stolz um seinen ausgeplünderten Leib (Matthäus 27,35). Und wie die Edomiter sich an Israels Untergang weideten, so spotteten die, die Jesus kreuzigten, und schleuderten ihm Beleidigungen entgegen, während er litt (Matthäus 27,39). Ihr Stolz gab ihnen das Gefühl, unbesiegbar zu sein – sogar vor Gottes Sohn am Kreuz. Es mag übertrieben klingen, aber wir sind wie Edom und wie die, die stolz bei der Kreuzigung dabei waren. Denn wie Edom glauben wir in unserem Stolz, dass Gottes Hand uns nicht erreichen kann. Wir brauchen Obadjas Warnung, denn sie ist auch Jesu Warnung. Der demütige Jesus am Kreuz wird zurückkommen und erhöht werden. Und alle, die sich stolz selbst erhöhen, werden von ihm erniedrigt werden (Matthäus 23,12). Wie Edom werden sie völlig vernichtet. 

Doch die Frohe Botschaft ist: Stolze Menschen wie wir können dennoch durch unseren demütigen Erlöser Jesus gerettet werden. Während wir um seine Kleider losten, starb er für unsere Sünden (Lukas 23,34). Wenn wir uns demütigen, unseren Stolz eingestehen und den falschen Glauben bekennen, Gottes Gerechtigkeit und Gottes Hand könnten uns nicht erreichen, dann werden wir erhöht werden. 

Sieh es selbst

Ich bete, dass der Heilige Geist dir die Augen öffnet, damit du den Gott siehst, der die Stolzen erniedrigt. Und dass du Jesus als den Erhöhten siehst, der sich selbst erniedrigte, um stolze Brüder wie uns zu retten. 

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