Was geschieht hier?
Als eine seiner letzten Handlungen als König bereitet David seinen Sohn Salomo darauf vor, den Tempel zu bauen und die Zusage einzulösen, die Gott seiner Familie gegeben hatte. Gott hatte versprochen, Davids Sohn als seinen eigenen Sohn anzunehmen und die Königsherrschaft dieser Familie für immer bestehen zu lassen (1. Chronik 28,2-7). Darum ruft David alle führenden Männer des Landes, königlichen Beamten und Krieger in seinen Palast, um Salomo endlich zum König zu krönen (1. Chronik 28,1). David erinnert die Versammelten daran, dass er Israel durch eine Reihe blutiger Kriege Frieden verschafft hat und sich dadurch selbst dafür disqualifizierte, Gottes Tempel zu bauen. Doch Gott versprach trotzdem, dass Salomo den Tempel bauen würde, den David nicht bauen konnte. Mit dieser Frohen Botschaft vor Augen fordert David die Versammelten auf, auf alle Gebote Gottes zu hören. Und er warnt seinen Sohn: Er muss sich ganz darauf ausrichten, Gottes Weisung zu suchen – sonst verspielt er das ewige Königreich, das ihm zugesagt ist (1. Chronik 28,8-10).
Dann gibt David Salomo alles, was er braucht, um Gottes Königreich zu regieren und Gottes Tempel zu bauen. Er übergibt ihm eine ganze Reihe von Bauplänen für den Tempel, die alles festhalten – von architektonischen Einzelheiten bis hin zum Gewicht jeder Gabel und jeder Schale, die im Tempel gebraucht werden (1. Chronik 28,11-18). David hat außerdem Tausende von priesterlichen Handwerkern, Arbeitern und Aufsehern eingeteilt und eingesetzt (1. Chronik 28,19-21). Salomo muss nur noch anfangen.
David wendet sich erneut an seine Beamten und sagt ihnen, dass der Tempel, den Salomo bauen wird, kein Zeugnis von Israels Größe ist, sondern von Gottes Größe. Um das zu ehren, gibt David allen Reichtum aus seiner persönlichen Schatzkammer dafür her (1. Chronik 29,1-5). Seinem Beispiel folgend, spenden die Führer Israels freiwillig Hunderte von Tonnen Gold, Silber und kostbare Edelsteine, damit Gottes Haus Gottes Größe entspricht (1. Chronik 29,6-9).
Als Antwort auf die Großzügigkeit seiner Führungsleute singt David, dass der Tempel nicht ihr Werk ist, sondern Gottes Werk. Er preist den Gott, dem alles gehört, der über alles herrscht und reicher ist als jeder andere – und der versprochen hat, Israels liebender Vater zu sein (1. Chronik 29,10-13). Alles, was sie für den Bau von Gottes Tempel gegeben haben, war zuerst ein Geschenk Gottes selbst (1. Chronik 29,14-16). David weiß: Gott braucht ihr Geld nicht, aber er möchte ihre aufrichtige Anbetung und ihren Gehorsam. Deshalb betet David, dass sein Volk und sein Sohn von ganzem Herzen für immer alle Gebote Gottes halten (1. Chronik 29,17-20).
Am nächsten Tag wird Israels König gekrönt. Tausende von Tieren werden als Schlachtopfer dargebracht. Gottes Volk wird von seinen Sünden gereinigt und kann unbelastet in Salomos Regierungszeit hineingehen. Dann wird Salomo mit Öl gesalbt und auf seinen Thron gesetzt (der Gottes Thron genannt wird), und alle beugen sich vor dem König, den Gott erwählt hat (1. Chronik 29,21-25). Das ist der Höhepunkt der bisherigen Geschichte Israels. Gottes Volk ist gereinigt, Salomo sitzt auf Gottes Thron, für alles ist gesorgt, und nichts scheint mehr dagegenzustehen, dass Davids Sohn für immer regiert.
Wo ist das Evangelium?
Wenn du diesen Moment der Geschichte aus dem Buch der Könige kennst, wirst du merken: Wichtige Einzelheiten fehlen hier. Von Davids schwindender Gesundheit ist keine Rede, auch nicht vom Putschversuch eines anderen Sohnes Davids (1. Könige 1). Das Buch der Chronik gibt seinen ersten Lesern eine idealisierte Geschichte, um einen ganz bestimmten Punkt deutlich zu machen. Der Chronist will zeigen: Wenn ein gehorsamer König aus Davids Familie auf Israels Thron sitzt und dem Bau des Tempels den ersten Platz gibt, blüht die ganze Nation auf. Wenn die ersten Leser des Chronisten etwas von der früheren Verherrlichung Israels zurückgewinnen wollen, müssen sie einen Sohn Davids zum König krönen, der Gottes Geboten folgt und verspricht, Israels Tempel wiederherzustellen.
Letztlich ist dieser Sohn Davids Jesus (Matthäus 1,1). So, wie David es sich von Salomo erhoffte, folgte Davids Sohn Jesus gehorsam allen Geboten Gottes (Johannes 5,19-20). Und mehr noch, als dass Gott Salomo als seinen eigenen Sohn annahm: Jesus war Gottes Sohn (Matthäus 17,5). Die entscheidende Tat des Königtums Jesu war, dass er den verdorbenen Tempel Israels abriss und einen neuen baute (Johannes 2,19-22). Salomos Tempel wurde durch die Großzügigkeit von Gottes Volk gebaut – und Jesus tat dasselbe: Großzügig gab er sein eigenes Leben hin. Durch seinen gehorsamen Tod wischt er die Sünden seines Königreichs weg und schenkt seinen Bürgern einen unbelasteten Neuanfang. Und so, wie Salomo seinen Thron bestieg, stand Jesus von den Toten auf und nahm für immer seinen Platz auf Gottes Thron ein. So wie David alles tat, was in seiner Macht stand, um seinem Volk ein Königreich und einen Tempel zu geben, hat Jesus noch weit mehr für uns getan. Alle Zusagen Gottes werden wahr in Jesus, dem größeren Salomo (Matthäus 12,42).
Überzeuge dich selbst
Ich bete, dass der Heilige Geist dir die Augen öffnet für den Gott, der uns einen König geschenkt hat. Und dass du Jesus siehst als den gehorsamen Sohn Davids, unter dem sein Volk aufblüht.

