Was geschieht hier?
Davids Sohn Salomo hat den Thron übernommen. Sofort wird uns gesagt, dass Salomo den Herrn liebt (1. Könige 3,3a). Und der Herr liebt Salomo ebenso. Während Salomo 1.000 Brandopfer darbringt, kommt Gott im Traum zu ihm und sagt, er werde jede Bitte erfüllen (1. Könige 3,5). Salomo erkennt seine eigene Unerfahrenheit und Unreife und bittet um Weisheit und um die Fähigkeit, den Unterschied zwischen Gut und Böse zu erkennen (1. Könige 3,9).
Gott freut sich sehr über diese Bitte (1. Könige 3,10). Er gibt Salomo nicht nur einen unvergleichlichen Verstand, sondern auch alles, worum er nicht gebeten hatte – Reichtum, Ehre und ein langes Leben –, sofern er Gottes Gesetz treu bleibt (1. Könige 3,12-14).
Kaum ist Salomo aus seinem Traum erwacht, wird Gottes Weisheit auf die Probe gestellt. Ein Streit um ein Kind zwischen zwei Prostituierten wird vor Salomos Gericht gebracht (1. Könige 3,16). Schnell erkennt Salomo, dass in diesem Fall nur das Wort der einen Frau gegen das der anderen steht (1. Könige 3,23). Aufgrund ihrer Aussagen kann er niemals beweisen, wer die Wahrheit sagt. Deshalb droht er, das Kind in zwei Teile zu schneiden – wohl wissend, dass die wirkliche Mutter das niemals zulassen würde (1. Könige 3,27). In diesem Moment wird deutlich: Gott hat Salomos Bitte um Weisheit erfüllt. Er kann weise zwischen Gut und Böse unterscheiden und Gerechtigkeit durchsetzen (1. Könige 3,28).
Das Königreich scheint daraufhin regelrecht zu explodieren. Israel ist „so zahlreich wie der Sand am Meer“ (1. Könige 4,20). Diese Formulierung ist Gottes Versprechen an Abraham entnommen, und es ist das erste Mal, dass sie als Beschreibung Israels verwendet wird. Dieselbe Wendung wird auch wiederholt, um Salomos umfassenden Verstand zu beschreiben (1. Könige 4,29-30). Gott gibt Salomo eine Weisheit, die weit genug ist, um das wachsende Königreich zu regieren.
Mit Bildern aus der Schöpfung wird Salomos Weisheit siebenmal beschrieben. Er versteht die Tiere, die Vögel und die Bäume (1. Könige 4,33). Er hat „Herrschaft“ über Israel, wie Adam sie über Eden hatte (1. Könige 4,24). Und jede Familie ruht in Frieden unter ihrem eigenen Feigenbaum und Weinstock (1. Könige 4,25). Alle Völker der Welt kommen, um durch seine Weisheit gesegnet zu werden (1. Könige 4,34). Und Salomo macht Pläne, endlich Gottes Tempel auf der Erde zu bauen (1. Könige 5,5). Genau wie im Garten werden Mensch und Gott wieder miteinander gehen!
Wo ist das Evangelium?
Wenn Salomo um Weisheit bittet, um Gut und Böse zu erkennen, dann ist das ein Verweis auf den Garten Eden. Adam wurde gesagt, er solle nicht von dem Baum der Erkenntnis von Gut und Böse essen (1. Mose 2,16). Da im Garten alles „gut“ war, gab es keinen Grund, das „Böse“ zu kennen. Doch weil Salomo in einer Welt lebte, in der nicht alles gut war und die Grenze zwischen Gut und Böse oft verwischt war, musste er beides kennen. Und sobald er beides kannte, schien Eden zurückzukehren.
In einer Welt nach Eden kann nur ein weiser König uns den Segen bringen, den Gott Abraham versprochen hat, und den Frieden und die Versorgung, die Adam und Eva kannten. Wie die Frau, der Unrecht geschehen war, brauchen wir einen König, der Gut und Böse klar erkennt und weise Gerechtigkeit schafft – nicht nur dann, wenn uns Unrecht getan wurde, sondern auch dann, wenn wir nicht wissen, was richtig ist.
Dieser weise König ist Jesus. Wie Salomo um Weisheit bat und Reichtum und Macht bekam, und wie die Frau um Gerechtigkeit bat und einen Sohn bekam, so suchen wir Weisheit bei Jesus. Dann wird uns ein Platz in seinem ewigen Königreich geschenkt – mit allem Segen und Frieden, der dazugehört (Matthäus 6,33). Und während wir darauf warten, dass Jesu Königreich kommt, enthält unsere Bibel die Weisheit, die wir brauchen, um in einer bösen Welt gute Werke zu erkennen und zu tun (2. Timotheus 3,16).
Jesus will weise zu unseren Gunsten regieren. Darum: Wie die Frau, der Unrecht geschehen war, und wie Salomo – demütige dich vor der Weisheit des Königs Jesus und empfange die Gerechtigkeit und den Frieden einer neuen Schöpfung.
Sieh selbst
Möge der Heilige Geist dir die Augen öffnen, damit du den Gott siehst, der weise ist. Und mögest du Jesus als Gottes weisen König sehen, der auf der Erde ein Königreich des Friedens aufrichtet.

