Was geschieht hier?
Elia hatte prophezeit, dass Ahabs Dynastie ein grausiges Ende nehmen würde (1. Könige 21,21). Und jetzt erlebt sein Sohn Joram es aus erster Hand. Von Syrien belagert, steckt Israel mitten in einer von Menschen verursachten Hungersnot (2. Könige 6,25). Machtlos geht Joram auf der Stadtmauer entlang und sieht eine Frau, die am Verhungern ist und nach Hilfe und Gerechtigkeit schreit (2. Könige 6,26). Sie hatte mit einer anderen Frau abgesprochen, ihren eigenen Sohn zu kochen und zu essen, wenn sie am folgenden Tag den Sohn der anderen essen dürften (2. Könige 6,28). Doch die zweite Frau hat sich nicht daran gehalten, und die erste Frau will, dass der König ihren kannibalischen Tauschhandel durchsetzt (2. Könige 6,29). Joram zerreißt vor Trauer seine Kleider, macht Elisa für Tod, Hungersnot und Krieg in Israel verantwortlich und schickt einen Mörder aus, um Israels Propheten zu töten (2. Könige 6,31).
Das ist töricht. Joram will den Mann töten, der einen Jungen von den Toten erweckt, eine hungernde Frau versorgt und Israel geholfen hat, mehrere blutige Konflikte mit Syrien zu vermeiden. Alles, worüber Joram trauert, ist bei dem Gott zu haben, dem Elisa dient. Er ist nur zu blind, um es zu sehen. Wir erwarten, dass solche Hartherzigkeit ein schnelles Gericht nach sich zieht. Doch als Elisas Männer Jorams Mörder aufhalten, sagt Elisa ihm, dass Gott die Hungersnot noch in dieser Nacht beenden wird (2. Könige 7,1). Ahabs Dynastie wird nicht enden, bevor sie nicht noch mehr von Gottes Barmherzigkeit erfahren hat – was vier Aussätzige unerwartet entdecken.
Weil die Aussätzigen wussten, dass es in Israel nichts zu essen gab, beschließen sie, bei ihren syrischen Belagerern zu betteln, und machen den langen Weg zu deren Lager (2. Könige 7,4). Doch das feindliche Lager ist leer (2. Könige 7,5). Während Joram schlief, hat Gott die Syrer mit dem Lärm eines heranrückenden Heeres angegriffen, und sie zogen sich zurück (2. Könige 7,7). Diese Aussätzigen sind die Ersten in Israel, die Hilfe in ihrer Hungersnot zu spüren bekommen (2. Könige 7,8). Sie gehen zum König und bringen ihm die Frohe Botschaft (2. Könige 7,9). Ihre Feinde sind in der Nacht von Gott beschämt worden, und Gott hat im Lager ihrer Feinde ein Festmahl bereitet. Ganz seiner Blindheit entsprechend zweifelt Joram das Zeugnis der Aussätzigen an (2. Könige 7,12). Doch Israels Hungersnot ist zu Ende, genau wie Elisa es vorhergesagt hat, und Ahabs Sohn wird Barmherzigkeit erwiesen (2. Könige 7,16).
Wie diese Geschichte beginnt, so endet sie auch: mit einer weiteren Frau, die von Joram Gerechtigkeit erbittet (2. Könige 8,3). Und es ist Gehasi, Elisas untreuer und aussätziger früherer Diener, der die Bitte an Joram weitergibt (2. Könige 8,5). Er teilt Joram mit, dass dies dieselbe Frau ist, deren Sohn Elisa von den Toten erweckt hat. Als Antwort auf das Zeugnis dieses Aussätzigen und auf das Werk von Gottes lebensspendendem Propheten entscheidet Joram zugunsten der Frau (2. Könige 8,6). Für den Augenblick hat sich der König verändert: Gott hat mitten in der Hungersnot ein Festmahl bereitet und dieser Frau Gerechtigkeit verschafft.
Wo ist das Evangelium?
Das Buch der Könige wurde geschrieben, um Juden im Exil zu ermutigen, Hilfe und Gerechtigkeit in Gottes Wort und bei Gottes Propheten zu finden. Dreimal finden Menschen außerhalb der Mauern von Israels letzter Stadt keine Hilfe und keine Gerechtigkeit bei ihrem König. Joram lässt die Frauen ihre Kinder essen, und die Aussätzigen werfen sich lieber auf die Barmherzigkeit ihrer Feinde, als sich auf die Gerechtigkeit ihres Königs zu verlassen. Immer wieder sind es Elisa und seine Worte, die Leben und Gerechtigkeit bringen. Auf Elisas Wort hin endet der Hunger für die Frauen und für die Aussätzigen. Und es ist allein Gehasis Zeugnis von Elisas Worten, das Joram ein Stück in Richtung Gerechtigkeit bewegt. Hilfe und Gerechtigkeit finden sich in Gottes Worten im Mund von Gottes Propheten.
Wenn Israel will, dass seine Söhne von den Toten erweckt werden, wenn es Heilung von seinem Aussatz will, wenn es Erlösung vom Hungertod will, wenn es Gerechtigkeit will, wenn es nach dem Exil in sein Land zurückkehren will, dann muss es auf Gottes Worte im Mund von Gottes Propheten hören.
Irgendwann wird Elisa, der Prophet, der Gerechtigkeit, Leben und Hilfe brachte, sterben. Damit bleibt Israel zurück und wird Gottes Worten und Gottes Propheten immer weniger zugänglich. Auch Israel wird schließlich sterben, verbannt in feindliche Länder. Geschichten wie diese wurden geschrieben, um Juden im Exil zu ermutigen, dass Leben aus dem Tod noch möglich ist. Und in Jesus ist es das.
Wie Elisa heilte Jesus Aussätzige, sättigte Familien und erweckte Söhne von den Toten. Aber Jesus ist größer als Elisa, denn Jesus beendet Israels Exil und macht dem Tod für immer ein Ende (Hebräer 1,2). Gottes letzter Prophet steht aus dem Grab auf und regiert von einem ewigen Thron aus für immer über die ganze Erde. Wir können nicht verbannt werden, denn die ganze Erde ist sein Reich. Anders als Joram können wir zu Jesus kommen und Gerechtigkeit und Macht erwarten. Er ist nicht hilflos angesichts unseres Verhungerns, unserer Krankheit, unseres Kannibalismus und unseres Todes. Er gibt Leben, Gerechtigkeit und Barmherzigkeit allen, die darum bitten.
Wende dich also nicht an deinen König. Komm und wende dich an Jesus, den letzten Propheten, und empfange Leben.
Sieh selbst
Möge der Heilige Geist dir die Augen öffnen, damit du den Gott siehst, der seinem Volk einen Propheten gibt. Und mögest du Jesus als den letzten Propheten Gottes sehen, der allen Menschen Leben bringt.

