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Andacht

Hoheslied 1,7-2,17

Ich gehöre meinem Geliebten

In Hoheslied 1,7–2,17 sehen wir: Jesus wird zur rechten Zeit seine Liebe auf der Erde erwecken, wenn er zurückkommt und die ganze Schöpfung zu einem neuen und vollkommenen Garten Eden macht.

Was geschieht hier?

Wie schon beim tempel am Anfang des Liedes verbindet die Braut nun die Gegenwart ihres Geliebten mit der Gegenwart Gottes im Garten Eden (1. Mose 3,8).

Braut und Bräutigam flirten miteinander über das Treffen am Mittag, das sie auf dem Hof des Bräutigams planen (Hoheslied 1,7). Die Liebenden tauschen Komplimente aus, die voller Bilder von Düften, Weinbergen, Blumen und Bäumen sind (Hoheslied 1,14).

Die Braut erzählt, wie ihr Bräutigam sie in das Haus des Weines brachte, wo Menschen feierten und tranken, und wie er vor der ganzen Menge seine Liebe zu ihr verkündete (Hoheslied 2,4).

Sie sehnt sich so verzweifelt danach, bei ihrem Geliebten zu sein, dass es schmerzt (Hoheslied 2,5). Der Bräutigam legt seinen Arm unter ihren Kopf, zieht sie an sich – und dann wird das Lied unterbrochen (Hoheslied 2,6). Kaum ist sie ihrem Geliebten nahe, wird ihre Intimität gestört.

Die Braut wendet sich an ihre Brautjungfern und warnt sie, die Liebe nicht zu erwecken, bevor die rechte Zeit gekommen ist (Hoheslied 2,7). Mitten in ihrer eigenen glühenden Leidenschaft warnt die Braut sie, sich nicht der sexuellen Intimität hinzugeben, bevor sie verheiratet sind. Weil Sexualität ein körperliches Bild für die Intimität mit Gott ist, ist das Warten bis zur Ehe ein Bild für das Warten auf Gott. Sex außerhalb der Ehe ist der Versuch, Intimität selbst herzustellen, ohne auf Gott zu warten.  

Offenbar ist der Geliebte der Braut nicht mehr in der Nähe. Er ist weit weg, aber er ruft nach ihr (Hoheslied 2,8). Sie ruft ihm zu, er solle schnell wie eine Gazelle zu ihr laufen (Hoheslied 2,9). Obwohl das Warten der Braut auf einen Ehemann vorbei ist, wartet sie doch weiter.

Daraufhin kommt der Bräutigam zurück und spricht zu ihr (Hoheslied 2,10). Seine Worte sind wieder voll von Speisen, Tieren, Weinbergen und Blumen (Hoheslied 2,13). Der Garten der Liebe, nach dem die Braut sich sehnt, sprießt mit der Gegenwart des Bräutigams überall um sie herum auf (Hoheslied 2,12).

Nachdem sie die Gartenversprechen ihres Bräutigams wiedergegeben hat, brechen endlich die Worte der Braut hervor: „Mein Geliebter gehört mir, und ich gehöre ihm“ (Hoheslied 2,16). Diese Aussage von Einssein und Einigkeit ist eine poetische Anspielung auf Gottes Worte an Adam und Eva in ihrem Garten: „Sie werden ein Leib sein“ (1. Mose 2,24).

Wo ist das Evangelium?

Sehnsucht und Warten sind gängige Weisen, wie die Bibel von unserer Beziehung zu Gott spricht (Psalm 130,5). Denn seit dem Garten Eden sind wir von Gott getrennt (1. Mose 3,23).

Wir alle sind für die Intimität mit Gott geschaffen. Doch seit der Trennung von ihm in Eden bleiben unsere tiefsten Sehnsüchte nach Zufriedenheit, Erfüllung und Liebe immer unerfüllt. Ob wir es merken oder nicht: Wir sehnen uns schmerzlich nach der Rückkehr Gottes. Wir verlangen nach Intimität mit dem, für den wir geschaffen sind.

Die Frohe Botschaft ist: Jesus ist der Bräutigam, der bei seiner Rückkehr wirklich einen neuen Garten Eden bringt (Offenbarung 21,1). Auch die Wiederkunft Jesu wird mit Bildern eines Gartens beschrieben (Offenbarung 22,2). Wenn Jesus kommt, werden wir Worte hören, die die Worte der Braut über ihre Zugehörigkeit zu ihrem Geliebten wie ein Echo aufnehmen – wir werden bei Gott sein, und Gott wird bei uns sein (Offenbarung 21,3).  

Aber es ist noch nicht die rechte Zeit, dass diese Liebe erwacht (Matthäus 24,36). Darum warten wir, wie die Töchter, voller Sehnsucht (Römer 8,23). Und doch können wir mit der Braut sagen: „Sieh nur, da kommt er!“ (Hoheslied 2,8). Und unser Geliebter wird antworten: „Ja, ich komme bald“ (Offenbarung 22,20).

Sieh selbst

Ich bete, dass der Heilige Geist dir die Augen öffnet, damit du den Gott siehst, dessen Gegenwart besser ist als das Paradies eines vollkommenen Gartens. Und dass du Jesus als den Bräutigam siehst, der bald zurückkommt, um uns an diesen Ort zu bringen.

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