Was passiert hier?
Hosea sagt Israel, dass es seinen Ehebund mit Gott gebrochen hat (Hosea 4,1). Wie beim Austausch der Gelübde bei einer Hochzeit haben Israel und Gott sich einander versprochen und bestimmte Schwüre geleistet (2. Mose 6,7). Sie standen für einen Bund, der festlegte, wie Israel in seiner Ehe mit Gott handeln würde, und der es als Gottes Repräsentanten gegenüber der Welt um sich her einsetzte (2. Mose 19,6). In diesem Bund stimmte Israel auch zu, dass Gott es verstoßen und bestrafen darf, wenn das Volk seine Gelübde bricht (5. Mose 28,15).
Doch Israel hat den Bund vergessen und ihn damit gebrochen – jenen Bund, der etwa in den Zehn Geboten erklärt wird (Hosea 4,2). Gott zählt im Einzelnen auf, wie Israel seinen Ehebund verraten hat, aber das übergreifende Problem ist: Dem Volk fehlt die Erkenntnis (Hosea 4,6a). Es hat vergessen, was es bedeutet, in dieser Welt Gottes Frau zu sein. Es hat Gott vergessen und sich falschen Götzen und falschen Liebhabern zugewandt (Hosea 4,12).
Weil Israel seinen Ehebund mit Gott verworfen hat, wird Gott es verwerfen (Hosea 4,6b). Während viele andere Prophetien Hoseas sich auf konkrete Strafen für Israels Land und Volk richten, benennt dieser Abschnitt die schlimmste denkbare Strafe – die Trennung von Gott. Hosea erklärt: Weil Israel seinen Bund mit Gott vergessen hat, ist das ein Zeichen dafür, dass es Gott überhaupt nicht kennt (Hosea 5,4). Gott hat jedes Recht, diese Beziehung zu verlassen (Hosea 5,6).
Der Gott, der einst gegenwärtig und für Israel war, wird nun fern und gegen Israel sein (Hosea 5,14). Solange Gottes Braut nicht aufhört zu vergessen und stattdessen Erkenntnis gewinnt, wird sich nichts ändern. Israel muss seine Schuld erkennen, Gottes Angesicht suchen und sich verzweifelt danach sehnen, dass er zurückkommt (Hosea 5,15). Erst wenn es sich an seinen Bund mit Gott erinnert, wird es Gott überhaupt wieder kennen.
Wo ist das Evangelium?
Diese Verbindung zwischen dem Nichtkennen von Gottes Bund und dem Nichtkennen Gottes selbst verschärft sich im Neuen Testament. Die Pharisäer waren stolz darauf, die Gesetze des Bundes besser als alle anderen zu kennen und im Gedächtnis zu behalten – doch sie stehen nicht besser da als das vergessliche Volk Israel bei Hosea.
Jesus sagte: Wenn sie wirklich glaubten, was Mose im Bund geschrieben hat, dann würden sie an ihn glauben, denn Moses Worte handelten letztlich von Jesus (Johannes 5,47). Weil ihnen aber die wahre Erkenntnis des Bundes fehlte, konnten sie nicht erkennen, wer Jesus ist. Sie konnten nicht sehen, dass er Gott selbst ist.
Jesus zu kennen bedeutet, den Bund zu kennen. Und den Bund zu kennen bedeutet, Jesus zu kennen. Denn Jesus hat Gottes Bund mit Israel am Kreuz offenbart und erfüllt. Das ist es, was Jesus den neuen Bund in seinem Blut nannte (Matthäus 26,28). Jesus hat die Folgen des Bundesbruchs getragen, die unsere Vergesslichkeit verdient hätte. Und wie ein treuer Ehemann hält er die Forderungen des Bundes selbst dann, wenn wir sie vergessen (Römer 8,4).
Und wenn wir tun, was Gott in Hosea gesagt hat – wenn wir unsere Schuld eingestehen, sein Angesicht suchen und uns aufrichtig nach ihm sehnen –, dann beginnen wir einen neuen Bund, der durch Jesu Blut am Kreuz erkauft ist. Jesus hat es so ausgedrückt: Tut Buße und glaubt (Markus 1,15). Wenn wir Jesus als unseren Ehemann lieben, werden wir den Segen empfangen, der zur Ehe mit ihm gehört. Deshalb heißt Jesus zu kennen, den Bund zu kennen. Jesus zu kennen ist der Weg, auf dem wir unsere zerbrochene Beziehung zu Gott wiederherstellen (Johannes 14,7).
Sieh selbst
Ich bete, dass der Heilige Geist dir die Augen öffnet, damit du den Gott siehst, der im Bund mit uns erkannt werden will. Und dass du Jesus als unseren Ehemann siehst, der den Bund hält, sodass wir ihn für immer kennen können.

