Was geschieht hier?
In den ersten Kapiteln der Bibel erfahren wir, dass Gottes Volk ein Leuchtfeuer der Gerechtigkeit, Schönheit und Güte Gottes für die Welt sein sollte (1. Mose 12,1-3). Gott sagte sowohl den ersten Menschen als auch Abraham, dass durch ihren „Samen“, also ihre Nachkommen, die Welt gesegnet werden und Frieden erfahren würde (1. Mose 3,16; 12,7). Doch Abrahams Nachkommen haben Israel mit Auflehnung, Bösem und Verderben gefüllt (Jesaja 1,1-5). Zu Jesajas Zeit sind die Unreinheit und Befleckung Israels so weit fortgeschritten, dass Gott sagt: Israel und seine Bewohner müssen zerstört und ins Exil geführt werden (Jesaja 2,1-5; 4,2-4). Doch durch das Exil wird Israel von seinem Bösen gereinigt werden und seinen Auftrag für die Welt wiedergewinnen.
Israels König ist gerade gestorben und hat damit seine 52-jährige Herrschaft beendet. Während Israels Thron leer steht, wird dem Propheten Jesaja eine Vision von Gott geschenkt, dem wahren König Israels, in seinem Thronsaal (Jesaja 6,1). Diese Vision überwältigt Jesaja. Gott ist von himmlischen Wesen umgeben, die alle singen, dass Gott „heilig“ ist, und verkünden, dass seine Gegenwart die ganze Erde erfüllt (Jesaja 6,2-3). Das Wort „heilig“ bezieht sich hier wahrscheinlich auf Gottes moralische Vollkommenheit und die Reinheit seiner Gerechtigkeit. Gottes Heiligkeit steht in scharfem Gegensatz zum Bösen und zum Verderben Israels. Als Antwort auf die Verkündigung der himmlischen Wesen, dass Gott heilig ist, fällt Jesaja zu Boden. In der Gegenwart der moralischen Reinheit und der vollkommenen Gerechtigkeit Gottes erkennt er, dass er ein unreiner Mann aus einem unreinen Volk ist, und sagt, dass er sterben müsste (Jesaja 6,4-5). Jesajas Schicksal liegt ganz in Gottes Hand – genauso wie das Schicksal des königlosen Israel in Gottes Hand liegt. Doch Gott vernichtet Jesaja nicht. Stattdessen nimmt eines der himmlischen Wesen ein Stück glühende Kohle von einem Altar, auf dem Schlachtopfer dargebracht wurden, und legt es auf Jesajas Lippen. Dann erklärt das himmlische Wesen, dass durch das Brennen der Kohle Jesajas Schuld weggenommen und seine Unreinheit abgewaschen ist (Jesaja 6,6).
Dann spricht Gott zum ersten Mal. Er fragt die Versammelten, wer bereit wäre, mit einem Auftrag zu Israel gesandt zu werden (Jesaja 6,8). Jesaja meldet sich sofort. Gott sagt, Jesaja werde sein Sprachrohr für das unreine Israel sein, doch sein Predigtdienst werde Ohren taub, Augen blind und Herzen hart machen (Jesaja 6,9-10). Überwältigt von diesem Auftrag fragt Jesaja, wie lange er so predigen müsse. Gottes Antwort ist nicht tröstlich. Jesaja muss weiterpredigen, bis Israels Städte zerstört und seine Bewohner ins Exil geführt sind (Jesaja 6,11-12). Erst wenn Israel wie ein abgebrannter Wald geworden ist, wird es Reinigung und Heilung geben. Erst nach diesem Brand wird ein „heiliger Samen“ aus dem Boden sprießen, und die Erneuerung des Volkes Gottes wird beginnen (Jesaja 6,13).
Wo ist das Evangelium?
Israel muss Jesajas Beispiel folgen. Jesaja wurde mit einem heiligen Gott konfrontiert; in seiner Gegenwart erkannte er seine Unreinheit, wurde durch Brennen gereinigt und mit einem Auftrag ausgesandt. Auf herzzerreißende Weise muss Israel zuerst noch tauber, blinder und verstockter werden, damit seine Städte niedergebrannt und seine Bewohner ins Exil geführt werden. Doch so wie Jesaja nach seinem Brennen einen Auftrag empfing, wird auch Israel nach seinem Brennen neu beauftragt werden. Nach dem Exil wird ein Samen sprießen, der heilig, gerecht und rein gemacht wurde, wie ihr Gott selbst, und eine neue Zeit für Gottes Volk wird beginnen. Der königliche Samen der Prophetien Jesajas ist Jesus (Matthäus 1,1).
Die reinigende Kraft Jesu war sein ganzes Leben hindurch sichtbar. Als Jesus Aussätzige berührte, wurden sie rein, und als er Tote berührte, wurden sie auferweckt (Matthäus 8,1-4; 9,18-36). Als Jesus Menschen mit chronischen Krankheiten berührte, gingen sie gereinigt davon (Lukas 8,43-48). Und selbst moralisch Verdorbenen und geistlich Stolzen wurde vergeben, und ihnen wurde ein Platz in Gottes Königreich zugesagt. Viele von denen, die er reinigte und heilte, begannen sofort zu verkünden (so wie es Israels Auftrag gewesen wäre), dass Gottes Gerechtigkeit, Schönheit und Güte endlich gekommen seien und dass alle Menschen Jesus folgen sollten (Lukas 8,26-39). Wie die Kohle, die Jesaja reinigte, so reinigte Jesus die Menschen um sich herum.
Doch Jesu letztgültige Tat der Reinigung geschah in seinem Tod. Die Kohle in Jesajas Vision war nicht einfach irgendeine Kohle; sie war vom Altar der Schlachtopfer genommen. Jesajas Reinheit wurde ihm nicht einfach geschenkt; sie hatte einen Preis. Jesaja erwähnt nie, was für seine Reinheit geopfert wurde, aber wir wissen, dass Jesus für unsere geopfert wurde (1. Johannes 1,7-9). Durch seine Vernichtung werden wir alle von unserem Bösen gereinigt und wieder in unsere Berufung eingesetzt.
Sieh selbst
Ich bete, dass der Heilige Geist dir die Augen öffnet, damit du den Gott siehst, der sein Volk reinigt. Und mögest du Jesus als den sehen, der als unser Schlachtopfer gestorben ist, um uns heilig zu machen.

