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Andacht

Joel 1,1-2,17

Der Tag des Herrn

In Joel 1,1-2,17 sehen wir: Joel wusste nicht, ob Gott auf seine Buße antworten würde – Jesus aber antwortet immer.

Was passiert hier?

Das Buch Joel ist ein prophetisches Gedicht. Auch wenn sich kaum genau sagen lässt, wann Joel sein Buch geschrieben hat, wissen wir doch: Es entstand als Antwort auf eine verheerende Heuschreckenplage (Joel 1,2). In immer eindrücklicheren Bildern beschreibt Joel über weite Strecken diese Naturkatastrophe und ihre Folgen.

Die Heuschrecken sind wie Löwen, die die Weinstöcke zerfetzen (Joel 1,6-7), und wie von Pferden gezogene Streitwagen, die von Berg zu Berg springen (Joel 2,4-5). Die Verwüstung ist so vollständig, dass die Schlachtopfer im Tempel aufhören müssen, weil kein Getreide mehr da ist, das man opfern könnte (Joel 1,9-10). Selbst die Trinker finden keinen Weg mehr, ihren eigenen Alkohol zu vergären und ihre Sucht zu stillen (Joel 1,5). Nach den Heuschrecken lassen Dürre und Feuer das Land verdorren und verbrennen (Joel 1,18-19).

Aber Joel beschreibt nicht nur eine Naturkatastrophe – er benutzt die Heuschreckenplage, um auf ein noch schrecklicheres Ereignis hinzuweisen: den „Tag des Herrn“   (Joel 1,15; 2,1). Bei den Propheten ist der „Tag des Herrn“ oft der Tag, an dem Gott Israel aus der Hand seiner Feinde rettet, meist in einer entscheidenden Schlacht (Zefanja 1,14). Doch Joel stellt diese Erwartung der Rettung auf den Kopf und warnt Israel: Die Heuschrecken sind nur die erste Welle von Gottes Angriff gegen Israel (Joel 2,11). Gott wird Israel mit einem feindlichen Heer überschwemmen, und es wird Sonne, Mond und Sterne auslöschen, so wie die Insekten den Himmel verdunkeln (Joel 2,10). Der Tag des Herrn wird der Tag der nationalen Zerstörung Israels sein.  

Darum ruft Joel Israel zweimal auf, Buße zu tun und zu klagen (Joel 1,13-14; Joel 2,17). Eine Klage ist ein Gebet, das den eigenen Schmerz beschreibt und um Barmherzigkeit bittet. Und Buße ist die Rückkehr zu Gott und seinen Geboten von ganzem Herzen. Joel sagt Israel, sie sollen ihre Herzen zerreißen und nicht nur ihre Kleider (Joel 2,13a). Auf seine Weise sagt Joel damit: Gott wird auf halbherzige Rituale oder auf Heuchler nicht reagieren, aber auf echte Buße antwortet er mit Erbarmen und Gnade (Joel 2,13b).

Und das von den Heuschrecken heimgesuchte Israel hört auf Joel. Sie versammeln sich alle im Tempel und bitten Gott in echter Buße, sie vor dem kommenden Tag des Herrn zu verschonen, damit die Welt die Liebe, die Gnade und die Macht ihres Gottes erkennt (Joel 2,16-17).

Wo ist das Evangelium?

Naturkatastrophen sollten uns dazu bringen, Buße über unsere Heuchelei zu tun. Und Heuschreckenplagen (und sogar Pandemien) sollten uns zum Klagen bringen – nicht nur über die verlorenen Leben, sondern auch über den Stolz, die Heuchelei und die vorgetäuschte Religiosität, die dabei sichtbar werden. Das Buch Joel lädt uns ein, bei Ereignissen wie Tsunamis, Waldbränden und Tornados innezuhalten und zu erkennen: Sie sind Bilder dafür, wie Gott am Ende unsere religiöse Heuchelei richten wird. Jesus selbst sagte, dass Erdbeben, Fasten und Krieg nur die Geburtswehen eines noch kommenden Tages des Jüngsten Gerichts sind (Matthäus 24,7-8). Das Buch Joel ist ein Weckruf. In Momenten der Naturkatastrophe sollten die Heuchler über die Verwüstung klagen, die sie sehen. Sie sollten Buße tun, denn sie haben ein klares Bild davon, wie ihre sogenannte religiöse Leistung von Gott gerichtet werden wird.

Die Frohe Botschaft ist: Wenn Heuchler Buße tun und klagen, gibt es bei Jesus immer Vergebung und Barmherzigkeit. In Jesus haben wir vom kommenden Tag des Herrn nichts zu befürchten, denn der Tag, an dem Jesus starb, war genau jener Tag des Herrn, vor dem wir uns nach Joels Worten fürchten sollen. Jede Naturkatastrophe weist auf den Tag hin, an dem Jesus starb. Unter der Heuchelei der Pharisäer – und genau so, wie Joel es vorhergesagt hat – verfinsterte sich der Himmel und die Erde bebte, als Jesus seinen letzten Atemzug tat (Lukas 23,44; Matthäus 27,51). Am Kreuz erlebte Jesus die Plagen der menschlichen Heuchelei, um uns davon zu reinigen. Selbst die Schlimmsten und Halbherzigsten dürfen wissen: Für die, die klagen und bei Jesus Buße tun, kommt kein Gericht. Und jetzt, wegen Jesus, müssen Naturkatastrophen uns nicht länger an den Tod erinnern, dem wir entgegengehen, sondern an den Tod, dem wir durch Jesus entkommen sind. Ewige Barmherzigkeit gehört uns nun für immer.

Sieh es selbst

Ich bete, dass der Heilige Geist dir die Augen öffnet, damit du Gottes kommenden Tag des Herrn erkennst. Und dass du Jesus als den siehst, der am Tag des Herrn starb, um jeden Heuchler zu reinigen, der Buße tut.

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