Was passiert hier?
Das Buch Micha ist in drei Gerichtsverfahren gegliedert. Im ersten ruft der Prophet Micha die Völker der Welt auf, Gottes Urteil über Israel zu hören (Micha 1,2). Gott wird seine Wohnung verlassen, auf die Erde kommen und die Götzenbilder, Tempel und Heiligtümer Israels zerschlagen (Micha 1,3).
Die Beweise, die dieses Urteil verlangen, sind die Hauptstädte Samaria und Jerusalem. Diese beiden Machtzentren sind zu zwei Zentren der Abgötterei geworden (Micha 1,5). Israels Hauptstädte und Führung haben ihre Ablehnung von Gottes Ruf – Gott zu lieben, den Nächsten zu lieben und die Welt zu segnen – zur festen Einrichtung gemacht. Darum verspricht Gott, Samaria zu einem Trümmerfeld zu machen (Micha 1,6). Er warnt: Samaria ist wie eine eiternde Wunde, die Juda schon angesteckt hat und deren Vergiftung nun bis an die Tore Jerusalems gelangt ist (Micha 1,9).
Micha zählt eine judäische Stadt nach der anderen auf und verwandelt jeden Stadtnamen in ein Vorzeichen des kommenden Gerichts. Schafir bedeutet „schön“, und so warnt Micha, dass die schöne Stadt zur Freude ihrer Feinde nackt ausgezogen wird (Micha 1,11a). Lachisch war eine der technisch und militärisch fortschrittlichsten Städte Judas (2. Chronik 11,8-10). Doch Micha sagt: Israels Investition in sein Militär war der Anfang seines moralischen Verfalls (Micha 1,13). Anstatt das Volk in seine Berufung zu führen, die Welt zu segnen (5. Mose 16,20; 17,18-20), haben Israels Machthaber ihre Bürger beraubt, um ihr Militär und ihr Königshaus zu stützen (Micha 2,1-2). Und so wie Gott versprach, der Abgötterei Samarias ein Ende zu setzen, so verspricht er, Israels Korruption und seine Anbetung des Krieges zu beenden, indem er Jerusalem auseinandernimmt und sein Land einem erobernden Heer gibt (Micha 2,3-4).
Die Propheten Israels hatten die Aufgabe, seine Machthaber dazu anzuleiten, Gottes Gesetz zu befolgen, und sie vor den Folgen der Übertretung zu warnen. Stattdessen verschließen sie bewusst die Augen vor dem Machtmissbrauch der Führenden und benutzen ihre religiöse Autorität, um dem Volk zu sagen, mit Israels Führung sei alles in Ordnung und nichts Schlimmes werde ihnen geschehen (Micha 2,6-8). Doch Michas Prophezeiungen treffen ein. Assyrien schleppt Samaria ins Exil (2. Könige 17,5). Und Assyriens König Sanherib erfüllt jede von Michas Prophezeiungen gegen die vorher genannten Städte (2. Könige 18,13). Flüchtlinge strömen in die letzte Festung Israels – Jerusalem – gerade rechtzeitig, als Assyrien vor den Toren aufmarschiert, bereit, Israels Hauptstadt zu vernichten.
Aber Micha weissagt: Gott ist kein Schlächter. Gott hat Israel nicht zum Schlachten versammelt, sondern hat seine Schafe wie ein Hirte in einen Pferch gebracht, um sie zu schützen (Micha 2,12). Assyriens Belagerung wird nicht in einem Blutbad enden. Gott wird sein Volk retten, die Belagerung Assyriens durchbrechen und sein Volk zum Sieg führen (Micha 2,13).
Wo ist das Evangelium?
Diese Prophezeiung erfüllt sich in der Regierungszeit von König Hiskia. Umschlossen von einer assyrischen Belagerungsmacht von 185.000 Mann, betet Hiskia. Und in einer einzigen Nacht durchbricht Gott den assyrischen Angriff und befreit sein Volk (2. Könige 19,19.35). Hiskia mag auf dem Thron gesessen haben, doch Gott war Israels wahrer Hirte und König. Und für uns ist Gott in Jesus für immer unser Hirtenkönig.
Jesus nennt sich selbst unseren guten Hirten (Johannes 10,11). Und wie Gott Assyrien an Israels Tore lockte, nur um Israel zum Sieg zu führen, so lässt Jesus zu, dass die Mächte des abgöttischen Rom, einer korrupten Religion und von Machthabern, die ihre Macht missbrauchen, ihre Belagerung aufbauen – nur um den Tod selbst zu durchbrechen. Jesus thront nun über jeder irdischen Macht (Epheser 1,21). Er ist der König eines Reiches, das nicht auf der Anbetung des Krieges oder politischer Macht gebaut ist (Johannes 18,36).
Jesus ist ein Hirtenkönig, und er sehnt sich danach, sein Volk in seine schützende Obhut zu sammeln (Matthäus 23,37). Ja, es mag eine Zeit lang so aussehen, als würden die Weltreiche gewinnen, doch niemand kann die, die Gott gehören, aus seiner Hand reißen (Johannes 10,10). Jesus würde lieber sterben, als ein einziges kleines Lamm seiner Herde verloren zu geben (Matthäus 18,12). Und Jesus plant den Sieg für seine Schafe, selbst wenn wir nur Schlächter und Wölfe sehen.
Michas Gerichtsverfahren gegen Israels Hauptstädte erinnern daran: Wer seine Macht benutzt, um die Schwachen niederzudrücken, wird eines Tages schuldig gesprochen. Aber sie verheißen auch, dass Gott seine Schafe zu Erben des neuen Reiches des Friedens und der Gerechtigkeit erklären wird.
Sieh selbst
Möge der Heilige Geist dir die Augen öffnen, damit du den Gott siehst, der Abgötterei und Korruption richtet. Und mögest du Jesus als den guten Hirtenkönig sehen, der sein Volk in Frieden und Gerechtigkeit führt.


