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Andacht

Rut 3

Der Dreschplatz

In Rut 3 sehen wir: Jesus ist wie die treue Rut und gleichzeitig wie der großzügige Boas, der bedeckt. Jesus gibt uns mehr, als wir brauchen.

Was passiert hier?

Rut und Naomi haben gerade entdeckt, dass Boas einer der „Erlöser“ ihrer Familie ist. In Israel hat ein „Erlöser“ die soziale und rechtliche Verpflichtung, für arme Verwandte zu sorgen – besonders für Witwen. In ihrer jetzigen Lage wird Naomi das Land ihrer Familie verkaufen müssen, um zu überleben. Aber wenn Boas Rut heiratet, sind ihre Probleme gelöst! Durch Boas scheint ein Ende ihrer Leere greifbar zu werden. Doch Rut ist ebenfalls Witwe, dazu arm, unfruchtbar und eine Fremde. Es ist nicht klar, ob Boas sie überhaupt als mögliche Partnerin in Betracht zieht.

Also entwickelt Naomi einen klugen, aber riskanten Plan, um Boas zu einem Heiratsantrag zu bewegen (Rut 3,1). Rut soll sich fein machen, sich mit kostbarem Duftöl salben und dann warten, bis Boas nach einem reichlichen Essen einschläft (Rut 3,3). Danach soll sie seine Füße aufdecken und sich neben ihn legen (Rut 3,4).

Dieser Plan ist klug, weil Naomi wartet, bis Boas satt und zufrieden ist. Dass Rut seine Füße aufdeckt, bedeutet: Irgendwann in der Nacht wird Boas vor Kälte aufwachen und – Überraschung – die schöne Rut sehen, die demütig zu seinen Füßen liegt. Aber dieser Plan bewegt sich am Rand des Unschicklichen: ein Mann und eine Frau, nachts allein, zusammen schlafend und vor allen Blicken verborgen. Rut „deckt“ ihn sogar „auf“. Die sexuelle Spannung ist genauso greifbar wie die Folgen, falls Boas diesen Plan falsch auffasst. Doch Rut stimmt zu, das zu tun, was Naomi vorschlägt (Rut 3,5).

Aber dann weicht Rut vom Drehbuch ab. Als Boas aufwacht und sie sieht, wartet Rut nicht auf seine Reaktion. Stattdessen bittet sie nicht nur um die Ehe, sondern um Erlösung für Naomi und ihr Erbe (Rut 3,9). Rut nennt Boas einen „Erlöser“. Sie will Boas heiraten – nicht so sehr um ihres eigenen Vorteils willen, sondern um Naomis willen. Ohne Boas’ Hilfe wird Naomis Familienlinie enden. Aber wenn Boas Rut heiratet, wird Ruts Kind zu Naomis Erben, und Naomis Land bleibt in ihrer Familie.

Boas ist überwältigt von Ruts Treue zu Naomi. Sie hat nicht nur ihre Heimat für sie verlassen, sie ist auch bereit, ihre Ehe für Naomis Wohl und Glück einzusetzen statt für ihr eigenes (Rut 3,10).

Boas möchte Ja sagen, aber da gibt es ein Problem. Es gibt noch einen anderen Erlöser, der die Gelegenheit bekommen muss, sich dazu zu äußern (Rut 3,12).

Wo ist das Evangelium?

In der ganzen Geschichte von Rut und Naomi kommt ein wichtiges hebräisches Wort vor, das man verstehen muss. In deiner Bibel ist es wahrscheinlich mit „Güte“ übersetzt.

Wir erfahren, dass Rut Naomi Güte erwiesen hat, indem sie ihre Heimat verließ (Rut 1,8). Boas erwies Rut Güte, indem er sie und Naomi überreich mit Nahrung versorgte. Und Ruts Heiratsantrag nennt Boas ebenfalls einen Akt der Güte (Rut 3,10). Güte bedeutet im Buch Rut nicht einfach nur, nett zu sein, sondern treu zu sein. Und mehr noch als Treue bedeutet es: opferbereite Treue. Es kostet Rut viel, ihre Heimat zu verlassen. Ihr Antrag an Boas bedeutet, dass sie darauf verzichtet, aus Liebe oder wegen des Geldes zu heiraten. Und wie wir im nächsten Kapitel sehen werden, kostet die Annahme dieses Antrags Boas finanziell etwas – ganz abgesehen von dem sozialen Preis, den die Ehe mit einer unfruchtbaren Ausländerin mit sich bringen mag.

Das erste Mal wird diese Art von Güte in der Bibel erwähnt, als Gott sich Israel am Berg Sinai selbst beschreibt (2. Mose 20,6; 34,6-7). Gott sagt, dass er treu und unerschütterlich gütig ist. Er wird Israel lieben, was es ihn auch kostet. In Rut und Boas sehen wir ein lebendiges Bild der Güte Gottes – und wir sehen auch ein lebendiges Bild der Liebe Jesu zu uns.

Aus Treue zu Gottes Zusagen unerschütterlicher Güte verließ Jesus seine Heimat und nahm sich eine Braut – und das kostete ihn selbst einen hohen Preis (Epheser 5,25). Und so wie Rut Boas nicht deshalb ihren Antrag machte, weil er gut aussah oder reich war, so hat Jesus sich nicht mit uns verbunden, weil wir die Besten oder Klügsten wären. Jesus starb für uns, weil er gütig und treu ist. Er ist gütig zu Menschen in Not und treu zu den Versprechen, die er gegeben hat.

Brauchst du also Güte von Gott? Willst du, dass die opferbereite Barmherzigkeit des Herrn deine Not stillt? Dann sei wie Rut. Leg dich zu seinen Füßen und mach ihm deinen Antrag. Sag ihm freimütig, was auf dem Spiel steht, wenn er nicht handelt – und vertraue dem Gott, der noch gütiger ist als Boas und dir alles geben wird, was du brauchst.

Sieh es selbst

Möge der Heilige Geist dir die Augen öffnen für den Gott, der uns mit seinen Flügeln bedeckt. Und mögest du die treue Güte Jesu sehen, der sich selbst leer machte, damit wir voll werden können.

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