Was passiert hier?
Der Apostel Paulus schreibt einen Brief an seinen Mitarbeiter Titus, der gerade eine Kirche auf Kreta leitet. Die kretische Kultur ist berüchtigt für ihre Zügellosigkeit und Unmoral (Titus 1,12). Doch Paulus hofft, dass Familien, die Jesus nachfolgen, die Kultur Kretas zum Guten verändern werden. Wenn eine Familie nicht wie eine kretische Familie aussieht, sondern in ihrem Verhalten das gegenkulturelle Leben Jesu sichtbar macht, dann wird Gottes Familie wachsen, weil sie immer mehr Menschen anzieht.
Eine Familie, die von Jesus verändert wurde, wird in ihren Beziehungen zueinander so sein wie Jesus. Ältere Männer werden nicht vorlaut und aufbrausend sein, sondern besonnen und liebevoll (Titus 2,2). Ältere Frauen werden jüngere Frauen geduldig lehren, die Antriebe ihrer Kultur abzulehnen: respektvoll zu sein statt verleumderisch, besonnen statt dem Wein verfallen, freundlich statt fordernd (Titus 2,3-5). Jüngere Männer sollen dem Beispiel von Titus folgen – in der Hoffnung, dass ihr Vorbild dem Namen Jesu Ehre bringt und die Kreter beschämt, die dem Ansehen ihrer Kirche schaden wollen (Titus 2,6-8).
Die meisten kretischen Familien besaßen zur Zeit von Titus Sklaven. Deshalb wird auch von Sklaven, die Jesus nachfolgen, erwartet, dass sie sich anders verhalten als ihre Mitsklaven, die nicht glauben. Sie sollen für ihre Herren zuverlässige Arbeitskräfte sein, auch wenn diese es eigentlich nicht verdient hätten (Titus 2,9-10). Anders als andere Sklaven sollen sie ihre Herren nicht schlechtmachen und nichts von ihnen stehlen. Ein solches gegenkulturelles Verhalten wird Außenstehende fragen lassen, was Gottes Familie so besonders macht. Letztlich hofft Paulus: Wenn Gottes Familie sich entscheidet, zur kretischen Kultur „Nein“ zu sagen, werden immer mehr Kreter in Gottes gegenkulturelle Familie hineingezogen (Titus 2,12).
Wo ist das Evangelium?
Paulus verlangt von den kretischen Familien nichts, was Jesus nicht zuerst getan hätte. Als Jesus in eine gottlose Welt kam, erwies er ihr gegenkulturelle Gnade (Titus 2,13). Freiwillig starb er für sie und rettete sie durch seinen Tod aus der Unmoral heraus. So schuf er eine neue, gegenkulturelle Familie, die eifrig bereit ist, dasselbe zu tun (Titus 2,14).
Paulus möchte, dass alle Kirchen diese Geschichte der Erlösung weiterführen. Wenn wir einander lieben – ganz entgegen den Normen unserer Kultur –, wird das Schlachtopfer Jesu unmittelbar sichtbar. Wenn Gottes Familie einander achtet, wird unsere Kultur neugierig. Paulus hofft: Wenn Gottes Familie so lebt, wie es Menschen entspricht, die von Jesus gerettet wurden, dann wird die Welt aufmerksam und will selbst zu Gottes Familie gehören.
So gegenkulturell zu leben wird schwer sein. Aber wir dürfen uns daran festhalten: Jesus ist schon gekommen, und er wird wiederkommen. Jesus ist einmal erschienen, um allen Menschen die Erlösung anzubieten. Und Jesus wird wieder erscheinen, um seine Familie zu sich zu holen (Titus 2,11-13). Jesus will, dass die Welt gerettet wird. Und er hat eine Familie erwählt, die voller Eifer gute Werke tut – als einen der wichtigsten Wege, auf denen das geschehen soll. Unser Respekt gegenüber denen, die über uns stehen, unsere Liebe zu unseren Kindern und das Vorbild, das wir der nächsten Generation geben – all das sind Gottes Mittel, um zu zeigen, dass wir von Jesus gerettet worden sind und dass Jesus der Welt jetzt Erlösung anbietet. Lass dich also ermutigen! Die mühevolle Arbeit der Nachfolge Jesu ist einer der Wege, auf denen Jesus seine Familie in der ganzen Welt wachsen lässt.
Sieh selbst
Ich bete, dass der Heilige Geist dir die Augen öffnet, damit du den Gott siehst, der Menschen in seiner Gnade aus der Gottlosigkeit herausruft. Und mögest du Jesus als den erkennen, der in Gnade erschienen ist, um uns zu seiner Familie zu machen.

