Was geschieht hier?
Die Insel Kreta war ein strategisch wichtiger Hafen für das Römische Reich. Menschen aus aller Welt kamen auf diese Insel. Deshalb gründete der Apostel Paulus dort eine Kirche und übertrug seinem Schützling Titus die Verantwortung. Doch Kreta war auch berüchtigt für seine aufsässige, gewalttätige und sittenlose Kultur (Titus 1,12). Und während Paulus abwesend war, begann eine Gruppe kretischer Lehrer, Einfluss auf die Kirche des Titus zu nehmen.
Diese Lehrer verdienten Geld mit einem falschen Verständnis davon, was es bedeutet, in einer gottlosen Welt gottesfürchtig zu leben (Titus 1,10-11). Unter anderem behaupteten sie, der Glaube allein genüge nicht, um ein gottesfürchtiger Nachfolger von Jesus zu werden – man müsse dazu beschnitten sein. In einer Kultur, in der öffentliche Badehäuser und Latrinen alltäglich waren, wäre das eine recht öffentliche Zurschaustellung der religiösen Überzeugung eines Mannes gewesen. Es wäre ein öffentlicher Beweis dafür gewesen, dass du gottesfürchtiger bist als deine Kultur.
Doch Paulus sagt Titus, er solle sie streng zurechtweisen (Titus 1,13). Diese Lehre ist eine Leugnung der Erlösung, die in Jesus erschienen ist (Titus 1,3). Gott hat die Wahrheit längst offenbart, dass die Beschneidung nicht nötig ist, um ein gottesfürchtiges Mitglied seiner Familie zu werden (Titus 1,1-2). Und öffentliche Demonstrationen religiöser Identität sind nicht die Art, wie Gott Kulturen verwandelt. Diese Lehrer sind Lügner. Ihre Lehren beweisen, dass sie Gott und seinen Willen in Wahrheit nicht kennen (Titus 1,15-16). Obwohl sie behaupten, die Beschneidung kennzeichne dich als gottesfürchtig, versteht Paulus eine zur Schau gestellte Beschneidung als eine Leugnung von Jesus und seiner Botschaft. Damit sind diese Lehrer genauso sittenlos wie die kretische Kultur, von der sie sich angeblich unterscheiden (Titus 1,12).
Titus muss fähige Leiter einsetzen, die gegen diese falschen Lehrer lehren und zugleich echte Gottesfurcht vorleben (Titus 1,5). Sie sollen bekannt sein für ihre Untadeligkeit und für ihre Gläubigkeit gegenüber ihren Familien (Titus 1,6). Anders als ihre Gegner sollen diese Leiter ihre Leitungsaufgabe nicht dazu benutzen, reich zu werden, sondern als öffentliche Gelegenheit, reich zu sein an Sanftmut, Selbstbeherrschung und Gastfreundschaft (Titus 1,7). Doch am wichtigsten ist: Diese Leiter müssen voller Überzeugung die Wahrheit lehren, dass Erlösung und Gottesfurcht allein in Jesus zu finden sind (Titus 1,9).
Wo ist das Evangelium?
Auch heute gibt es keinen Mangel an Lehrern, die – oft in guter Absicht – behaupten, das Kennzeichen eines gottesfürchtigen Nachfolgers von Jesus in einer gottlosen Welt sei mehr als das Vertrauen auf Jesus. Und die öffentliche Zurschaustellung unserer Gottesfurcht ist nicht der Weg, auf dem wir nach Gottes Absicht die Gottlosigkeit unserer Welt bekämpfen sollen. Die Wahrheit ist: Jesus ist erschienen, um uns und unsere gottlose Welt ganz allein zu retten (Johannes 3,16). Dieser Botschaft irgendein notwendiges Verhalten hinzuzufügen bedeutet, denselben Fehler zu machen wie die kretischen Lehrer. Die Botschaft, dass unsere Erlösung und unsere Gottesfurcht in Jesus erschienen sind, genügt. Und daran zu glauben und es zu lehren – das bedeutet, in einer gottlosen Welt gottesfürchtig zu sein.
Das heißt: Wie Titus sollten auch wir für unsere Kirchen Leiter auswählen, die das glauben und lehren. Wir sollten uns weigern, Menschen in Machtpositionen zu bringen, die behaupten, bestimmte religiöse Praktiken oder politische Überzeugungen seien nötig, um in unserer gottlosen Welt gottesfürchtig zu sein. Stattdessen sollten wir Pastoren, Prediger und Kirchenleiter wählen, die sich weigern, die Frohe Botschaft von Jesus zu verwässern, und die ein öffentliches Leben führen, das dies widerspiegelt.
Jesus ist der wahre Leiter der weltweiten Kirche Gottes. Er wird es nicht versäumen, Leiter streng zurechtzuweisen, die seine Botschaft durch moralische Selbstdarstellung verfälschen. Und als unser vollkommen guter Leiter wird er es nicht versäumen, uns die Wahrheit zu lehren – selbst dann, wenn andere sich weigern (Johannes 16,13). Seine Erlösung ist erschienen, und er bietet ewiges Leben an, das uns gottesfürchtig macht, indem wir allein ihm vertrauen.
Sieh selbst
Ich bete, dass der Heilige Geist dir die Augen öffnet, damit du den Gott siehst, der rettet. Und mögest du Jesus als den erkennen, der ganz aus Gnade erschienen ist, um sein Volk in einer gottlosen Welt gottesfürchtig zu machen.

