Was geschieht hier?
Kreta war bekannt für seine innere Zerrissenheit und seinen Streitgeist. Deshalb beendet der Apostel Paulus seinen Brief damit, dass er der Kirche des Titus sagt: Sie sollen bessere Bürger Kretas sein als ihre Nachbarn und sinnlose Streitgespräche meiden (Titus 3,1-2). Denn so wie ihre Nachbarn es jetzt sind, so waren auch sie einst Sklaven ihrer dunklen Leidenschaften, ihrer Selbstsucht und ihres Hasses (Titus 3,3). Doch dann erschien ihnen Gottes Güte in der Botschaft von Jesus (Titus 3,4). In seiner Barmherzigkeit rettete Gott sie aus ihrer Finsternis – obwohl ihr Hass und ihre Streitsucht etwas ganz anderes verdient hätten (Titus 3,5). Großzügig und ohne dass sie ihn dazu veranlasst hätten, hat Jesus ihre Herzen neu geschaffen, ihr Denken erneuert und ihnen seinen Geist gegeben. Aus Liebe hat Gott sie zu Söhnen und Töchtern gemacht, die ein ewiges Leben ohne Streit erben werden (Titus 3,6-7). Weil Gott das getan hat – trotz ihres früheren Hasses –, soll sich die Kirche des Titus ganz darauf ausrichten, friedliche Bürger Kretas und gute Nachbarn ihrer streitlustigen Mitmenschen zu sein (Titus 3,8).
Ganz im Gegensatz zu dieser Botschaft des Paulus hatten manche Lehrer auf Kreta die verschwörungslustige und streitsüchtige Neigung Kretas in ihre Gespräche über die hebräische Bibel hineingetragen (Titus 3,9). Paulus warnt: Wer sich in solchen Streitfragen verliert, wird unfähig, Jesus zu gehorchen und ihm nachzufolgen. Jesus war friedliebend, sanftmütig und rücksichtsvoll. Jeder Lehrer, der sich in dieser Sache nicht korrigieren lässt, muss aus der Leitung entfernt werden (Titus 3,10). Kretas gehässige Kultur hat keinen Platz, wenn die Bibel gelehrt wird, denn Gott redet und rettet durch Güte (Titus 3,4-5).
Bald, so sagt Paulus, werde er einige Freunde zu Titus schicken. Wenn sie ankommen, ist das für die Kirche des Titus die perfekte Gelegenheit, sich genau in den guten Werken, der Gastfreundschaft und der Güte zu üben, die er beschrieben hat (Titus 3,12-14).
Wo ist das Evangelium?
Kreta hatte niemals ein Monopol auf Spaltung, Streitsucht, gegenseitiges Misstrauen und Hass. Das ist die Neigung aller Kulturen und aller Menschen, denen fast irgendetwas wirklich am Herzen liegt. In Wirklichkeit ist es unmöglich, die Welt nicht in „uns“ und „die anderen“ einzuteilen und dann mit Zähnen und Klauen für unsere Seite zu kämpfen. Zum Glück ist Gott in seiner Barmherzigkeit erschienen, um uns davon zu retten und uns einen anderen Weg zu zeigen.
Jesus war immer zu weise, um sich von Lehrern in Streitgespräche hineinziehen zu lassen, die ihn mit seinen eigenen Worten fangen wollten. Er kam nicht, um Menschen durch Streitgespräche in Gottes Familie zu holen. Taktvoll lehnte Jesus ihre Debatten ab und erwies stattdessen aufopfernde Güte (Matthäus 12,1-6; Markus 12,17). Jesus wusste: Der beste Weg, Menschen zu befreien, die dem Hass ihrer Kultur versklavt sind, ist nicht, Feuer mit Feuer zu bekämpfen, sondern denen aufopfernde Güte zu erweisen, die sie nicht verdient und sich nicht erworben haben. Als Jesus erschien, tat er seinen Gegnern Gutes, erwies denen Güte, die in ihrer Empörung gefangen waren, und starb für seine Feinde (Römer 5,10).
Und damit hat er Menschen wie uns verwandelt. Wir waren einst Gottes Feinde, doch jetzt sind wir seine Söhne und Töchter. Erfüllt von seinem Geist begehren unsere Herzen nicht mehr, was sie früher begehrten, und unser Denken ist geistlich neu ausgerichtet – hin zu Frieden und Gutem, besonders gegenüber denen, die anders denken als wir. Wie Paulus der Kirche des Titus sagt: Wir sind nicht gerettet worden, um über Streitfragen zu diskutieren. Wir sind gerettet worden, um uns den guten Werken zu widmen. Und durch Taten aufopfernder Sanftmut und des Friedens werden wir erleben, wie Kulturen, Menschen und Feinde verändert werden.
Verhalte dich also entsprechend: Du bist aus einer Kultur der Empörung und der Streitgespräche gerettet worden. Und sei gewiss: Wenn wir bessere Bürger sind als unsere Nachbarn und ihren Frieden suchen, wird Jesus retten.
Sieh selbst
Ich bete, dass der Heilige Geist dir die Augen öffnet, damit du den Gott siehst, der in Güte erscheint. Und mögest du Jesus als den erkennen, der uns durch seine aufopfernde Liebe am Kreuz von unserem Hass und unserer Streitsucht gerettet hat.

