Was passiert hier?
Petrus, einer der Jünger von Jesus, wendet sich an eine Gemeinschaft von Gläubigen, die über ganz Kleinasien verstreut lebt – in dem Gebiet, das wir heute Türkei nennen (1. Petrus 1,1). Wahrscheinlich waren diese Gläubigen Heiden und Bürger des Römischen Reiches, doch Petrus nennt sie „Gottes auserwählte Fremde im Exil“. Sie sind Gottes erwählte Fremde, die im ganzen Reich verstreut und zerstreut leben.
Mit dieser Wortwahl stellt Petrus die fremden Heiden ganz bewusst in die Geschichte des von Gott erwählten Volkes, der Juden. Genau wie Gott Israel erwählt hat, hat Gott diese Römer auserwählt. Und wie die Juden vom Babylonischen Reich zerstreut worden waren, so leben diese Menschen, die an Jesus glauben, zerstreut im Römischen Reich. Doch Petrus vergleicht nicht bloß ähnliche gesellschaftliche und politische Geschichten. Er sagt: Heiden sind genauso von Gott erwählt wie Juden. Die Geschichte von Exil und Heimkehr, die im Zentrum der Geschichte Israels steht, ist jetzt die Geschichte, die Gott für alle Menschen schreibt.
Jeder, der an Jesus glaubt, lebt im Exil. Kein Christ hat Bürgerrecht in dieser Welt, denn Gott hat sich entschieden, uns in ihm ein Königreich zu geben. Petrus fügt hinzu: Wir sind erwählt nach dem Vorherwissen von Gott dem Vater, durch das heiligende Wirken des Geistes, zum Gehorsam und zur Besprengung mit Blut (1. Petrus 1,2). Jede dieser Formulierungen ist eine weitere Art, Heiden mit der Geschichte des von Gott erwählten Volkes zu verbinden.
Seit Abraham kannte und erwählte Gott Fremde im Exil, um die Welt zu segnen (1. Mose 12,1-2). Gottes Geist erwählte Israel als seine Wohnung, als er in ihren Tabernakel herabkam (2. Mose 40,34). Und an dem Tag, an dem Israel zu einem Volk wurde, versprach Gottes Volk zu gehorchen, und Mose besprengte sie mit Blut (2. Mose 24,6-7). Wie Israel durch die Besprengung mit Blut zu einem Volk wurde, so wird jeder, der dem Blut von Jesus vertraut, ebenfalls Teil eines neuen Volkes.
Wo ist das Evangelium?
Gott hat uns zum Exil erwählt. Wir sind dazu erwählt, fremd zu sein – und das ist eine Frohe Botschaft. Petrus sagt: Unsere neue Identität als Fremde im Exil bedeutet auch, dass wir zu einer neuen Familie gehören. Wir sind dem Volk gestorben, in das wir hineingeboren wurden, doch durch die Wiedergeburt sind wir in eine ewige Familie hineingeboren, die ein liebender Vater gegründet hat und die im Leben der Auferstehung gründet (1. Petrus 1,3). Und als Kinder Gottes – und Geschwister von Jesus – erhalten wir ein Erbe, das nicht sterben kann, dem Bösen nicht verloren geht, für immer bleibt und von Gott selbst bewahrt wird (1. Petrus 1,4-5). Fremdsein in dieser Welt ist ein Grund zur Freude, wenn es bedeutet, in Gottes Königreich zu Hause zu sein.
Und wie die meisten Außenseiter werden wir wegen unseres Fremdseins leiden. Im Verlauf seines Briefes wird Petrus entfalten, was dieses moralische und geistliche „Anderssein“ bedeutet, das mit der Nachfolge von Jesus einhergeht. Doch für den Moment erinnert uns Petrus daran, dass unsere Fremdheit gegenüber der Welt der Beweis für unser Bürgerrecht im Himmel ist (1. Petrus 1,6). Verfolgung ist kein Grund zu verzweifeln; Prüfungen sind ein Grund zur Freude. Wir sind genauso wenig Opfer der Verfolgung, wie Gold ein Opfer des Feuers ist (1. Petrus 1,7). Wir können uns freuen, denn das Leiden reinigt uns und zeigt, dass unser Glaube echt ist.
Wer Jesus nachfolgt, wird leiden. Jesus tat es gewiss, doch es führte zur Verherrlichung – zum Leben aus dem Tod und zu einem Thron bei Gott (1. Petrus 1,11). Und obwohl wir Jesus nicht mit eigenen Augen gesehen haben, können wir uns freuen, wenn wir ihm vertrauen und ihn lieben (1. Petrus 1,8). Unsere Verfolger haben niemals das letzte Wort, denn unserer Erlösung können sie nichts anhaben (1. Petrus 1,9). Wie Petrus schon sagte: Kein Volk und keine Person kann töten, verderben oder auslöschen, was Gott für dich bewahrt (1. Petrus 1,4-5).
Leiden, das erlöst, und als Fremder im Exil erwählt zu sein – das sind befremdliche, aber kraftvolle Wahrheiten. Die Propheten im Alten Testament durchforschten eifrig die Heilige Schrift, um es zu verstehen (1. Petrus 1,10). Und selbst Engel sehnten sich danach, einen Blick darauf zu erhaschen, wie Gott Leiden in Verherrlichung und Freude verwandelt (1. Petrus 1,12b). Doch was die Propheten und Engel nur mühsam erkennen konnten, sehen wir klar in Jesus. Sein Leiden führte zur Auferstehung, und sein Tod führte zur Verherrlichung. Wegen Jesus wissen wir: Für jeden, der glaubt, führen Leiden und Tod immer zu einem herrlichen Erbe, das für immer bleibt und niemals vergeht.
Sieh es selbst
Möge der Heilige Geist dir die Augen öffnen, damit du den Gott siehst, der uns dazu erwählt hat, Fremde im Exil zu sein. Und mögest du Jesus als den sehen, der unser Leiden erlöst und uns durch sein Blut und seine Auferstehung zur Familie macht.

