Was geschieht hier?
Der Hebräerbrief wurde an Hebräer geschrieben – an Menschen jüdischen Glaubens. Als Juden folgten sie ihrem Anführer Mose, denn er war derjenige, der sie zu ihrem Zuhause bei Gott führte. Dieses Zuhause war das Gelobte Land und die verheißene Ruhe, die Gott seinem Volk Israel zugesagt hatte. Doch jetzt sagen andere Juden, es gebe einen neuen Anführer, der sie in ein neues und besseres Zuhause bei Gott bringen kann. Dieser neue Anführer ist Jesus.
Der Verfasser des Hebräerbriefs erklärt, dass Mose die Menschen wie ein Diener in Gottes Haus brachte (Hebräer 3,1-5). Als Mose das Tabernakel baute, brachte er Israel näher an Gottes Zuhause, als es je gewesen war. Er brachte sie sogar an die Grenze eines Heimatlandes bei Gott, ins Gelobte Land. Das Problem war: Israel wollte nicht hineingehen. Ihre harten, sündigen Herzen weigerten sich zu glauben, dass Gott ihnen geben würde, was er versprochen hatte (Hebräer 3,6-19). Deshalb durfte niemand aus jener ungläubigen Generation von seiner Wanderung ausruhen und sich in dem verheißenen Heimatland niederlassen (Hebräer 3,11.16-19). Darum warnt der Verfasser seine Leser, nicht denselben Fehler zu machen und ihre Herzen gegen Jesus zu verhärten (Hebräer 3,12-14).
Dann erwähnt der Verfasser Josua, den Nachfolger Moses, der die nächste Generation des Volkes Gottes in das Gelobte Land führte (Hebräer 4,8). Josua verhärtete sein Herz nicht, sondern gehorchte und vertraute darauf, dass Gott ihm das Land geben würde. Durch seinen weichherzigen Gehorsam führte Josua sein Volk in ihr Zuhause bei Gott. Sein Schwert schnitt das Böse im Land ab, damit sein Volk mit Gott an einem Ort der Ruhe leben konnte. Josua führte Menschen in das Gelobte Land der Ruhe bei Gott.
Doch der Verfasser des Hebräerbriefs weist auf ein bemerkenswertes Zitat aus dem Buch der Psalmen hin, das – und das ist wichtig – erst geschrieben wurde, nachdem Israel im Gelobten Land Ruhe gefunden hatte. Dort in Psalm 95 spricht Gott von einer anderen Ruhe, die für sein Volk noch bleibt (Hebräer 4,9-10). Ihr endgültiges Zuhause der Ruhe sollte also nicht an einem einzigen bestimmten Ort sein, wie ein Tabernakel oder ein Land. Gottes Zuhause sollte vielmehr die ganze Welt erfüllen und der ganzen Erde eine neue und bessere Ruhe bringen.
Wo ist das Evangelium?
Der Verfasser des Hebräerbriefs schrieb an jüdische Menschen, die sich fragten, ob sie Mose oder Jesus folgen sollten. Er legt dar: Mose war ein treuer Diener in Gottes Haus, Jesus aber war der Erbauer des Hauses und Gottes Sohn (Hebräer 3,3-6). Mose diente also in Jesu Haus. Mose diente Jesus. Mehr noch: Jesu Haus ist größer als das, das Mose baute, denn Mose baute ein Zelt, Jesus aber baute die Welt. Mose war Israels Anführer, Jesus aber war Israels Gründer. Mose führte Menschen in ein Land, Jesus führt uns dazu, die ganze Erde zu bewohnen. Darum ist Jesus derjenige, der uns aufbaut zum Volk Gottes, das die Welt erben wird (Hebräer 3,6).
Jesus führt uns in ein neues Zuhause bei Gott, so wie Josua Israel geführt hat. Genauso wie Josuas weichherziger Gehorsam seinem Volk den Zugang zu einem Stück Land bei Gott eröffnete, so eröffnet Jesu weichherziger Gehorsam seinem Volk den Zugang zu einer ganzen Welt bei Gott. Josuas Schwert schnitt das Böse und die Hartherzigen aus dem Land ab (Hebräer 3,14; 4,8-9). Aber Jesus bringt uns nicht in sein Zuhause, indem er die Hartherzigen im Land erschlägt, wie Josua es tat. Stattdessen führt Jesus die Geschichte der Heiligen Schrift wie ein Schwert, um unsere Herzen aufzuschneiden und uns zu zeigen, wie sehr wir es brauchen, an ihn zu glauben und ihm zu vertrauen. Jesus benutzt das Schwert seines Wortes, um das Böse in unseren eigenen Herzen abzuschneiden, damit wir Menschen der Ruhe werden, die ein Zuhause bei ihm bewohnen können (Hebräer 4,12-13).
Darum nennt der Verfasser des Hebräerbriefs Jesus dann unseren großen Hohen Priester (Hebräer 4,14; 5,5-6). Die Priester führten die Menschen in Gottes Gegenwart im Tempel – Gottes Zuhause auf der Erde. So wie Josua in das Gelobte Land hineinging, um Gottes Volk mit sich hineinzuführen, so gingen die Priester in den Tempel, um die Menschen in Gottes Haus zu führen. Doch in einer weit größeren Weise ging Jesus, unser endgültiger Anführer und Priester, in den Himmel selbst hinein (Hebräer 4,14-16). Weil Jesus uns vorausgegangen ist, können wir in seine Ruhe und in unser Zuhause bei Gott hineingehen. Diese neue Verheißung, die wir in Gottes Wort finden, schneidet unsere harten Herzen auf und führt uns dazu, zu glauben, dass wir für immer in eine Ruhe mit Jesus eingehen werden.
Sieh selbst
Ich bete, dass der Heilige Geist dir die Augen öffnet, damit du den Gott siehst, der Ruhe gibt. Und mögest du Jesus als den erkennen, der uns in unser ewiges Zuhause bei Gott bringt.

