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Andacht

Hebräer 5,11-6,20

Wachsen in der Gnade

In Hebräer 5,11-6,20 sehen wir: Es gibt keine größere Garantie dafür, dass Gott dich in das Bild von Jesus hineinreifen lässt, als Jesus selbst, der versprochen hat, uns bis zum Thron Gottes im Himmel reifen zu lassen.

Was geschieht hier?

Der Verfasser des Hebräerbriefs sagt seinen Lesern, dass sie unreif sind (Hebräer 5,11-12). Da sie von Jesus gerettet worden sind, sollten sie Jesus ähnlicher sein. Doch trotz aller Lehre, die sie empfangen haben, sind sie Gott nicht ähnlicher als damals, als sie ihm zum ersten Mal begegnet sind (Hebräer 5,13-14). Der Verfasser möchte über die grundlegenden Wahrheiten über Gott hinausgehen – Vergebung, Glaube und die Auferstehung – und sich reiferen Themen zuwenden (Hebräer 6,1-3). Doch zuerst warnt er seine Leser vor der Gefahr, sich dem Wachsen und Reifen zu verweigern.

Er sagt ihnen: Für Menschen, die Jesus nicht ähnlicher werden, nachdem sie seine Güte, seine Kraft und seine Gnade erfahren haben, ist es unmöglich, ihm auf irgendeinem anderen Weg ähnlich zu werden (Hebräer 6,4-5). Jesu Tod und Auferstehung sind der einzige und der beste Weg, um Menschen zu verändern. Wenn dich das nicht verändert, kann es nichts. Von Gott mehr zu fordern als seinen gekreuzigten Sohn heißt, das größte Geschenk verächtlich zu machen, das je angeboten wurde – Jesus und sein Schlachtopfer (Hebräer 6,6). Positiv ausgedrückt: Es ist unmöglich, dass die, die Jesus aufgenommen haben, ihm nicht ähnlich werden. Es gibt keine größere Garantie dafür, dass wir reifen, als dass Gott uns Jesus geschenkt hat. 

Der Verfasser gebraucht ein Bild aus der Landwirtschaft, um diesen Punkt zu verdeutlichen. Stell dir den besten Bauern der Welt vor, der ein Stück Land pflegt. Er düngt es, sät Samen aus und bewässert es gut. Dieses Land  sollte Frucht bringen (Hebräer 6,7). Wenn das Land aber trotz derselben Pflege keine Ernte hervorbringt, weiß selbst der beste Bauer: Der einzige Ausweg ist, das Land abzubrennen (Hebräer 6,7-8). 

Doch der Verfasser geht nicht davon aus, dass seine Leser sich tatsächlich einer solchen sturen Unreife schuldig gemacht haben (Hebräer 6,9). Er weiß, dass seine Leser in der Vergangenheit Zeichen des Wachstums gezeigt haben. Und er hat ihre Liebe zu Gott und zu anderen mit eigenen Augen gesehen (Hebräer 6,10). Diese Warnung soll sie nicht verzweifeln lassen, sondern sie ermutigen, in ihrem Streben nach Reife und danach, heilig zu werden wie Jesus, standhaft zu bleiben und durchzuhalten (Hebräer 6,11). 

Um seine Leser zu ermutigen, darauf zu vertrauen, dass Gott sie zur Christusähnlichkeit heranreifen lässt, erinnert der Verfasser sie an Abraham, den sie nachahmen sollen (Hebräer 6,12). Gott sagte Abraham zu, dass er seine Familienlinie zu einer Reihe von Nachkommen heranreifen lassen würde, die die Welt mit seinem Bild segnen würde. Obwohl sein Land jahrelang unfruchtbar aussah, vertraute Abraham darauf, dass Gott es zur Fruchtbarkeit reifen lassen würde (Hebräer 6,13-15). Um das zu beweisen, gab Gott Abraham eine zweifache Zusage. Erstens: Gott selbst ist der, der das Versprechen gegeben hat – und Gott kann nicht lügen. Zweitens: Obwohl er nicht lügen kann, schwor Gott bei sich selbst, dass sein Versprechen sich erfüllen würde. Abraham reifte, indem er unbeirrt auf das unveränderliche Versprechen Gottes vertraute (Hebräer 6,16-18). Auch die Hebräer werden als Erben Abrahams auf dieselbe Weise reifen – indem sie an der unverbrüchlichen Zusage festhalten, dass Gott uns ihm ähnlich machen wird (Hebräer 6,19-20). 

Wo ist das Evangelium?

Wenn wir solche Abschnitte lesen, erschrecken sie uns oft. Wir fragen uns, ob wir reif genug sind, um Gottes Segen zu empfangen, oder wir fragen uns bange, ob wir uns schon zu oft eigensinnig der Reife verweigert haben und nun jenseits von Gottes Gnade stehen. Doch gerade in solchen Momenten müssen wir die Worte des Hebräerbriefs hören. Wir haben eine sichere, feste und unerschütterliche Hoffnung (Hebräer 6,19). Diese Hoffnung ist kein Wunschdenken und kein Verdrängen unserer gescheiterten Versuche zu reifen. Unsere Hoffnung ist verankert in den Zusagen, Absichten und Taten von Jesus. 

Wie der Verfasser des Hebräerbriefs zeigt, gibt es keine größere Garantie dafür, dass Gott dich in das Bild von Jesus hineinreifen lässt, als Jesus selbst. Gott hat es Abraham mit einem unverbrüchlichen Schwur versprochen. Er hat es am Kreuz mit Blut besiegelt. Und Jesus hat dieses Versprechen zum Thron Gottes in den Himmel gebracht (Hebräer 6,20). Wir wissen, dass wir in das Bild von Jesus hineinreifen werden – und zwar wegen des Ortes, an dem er jetzt ist. Er ist bei Gott, und wir werden es auch sein.  

Weil uns also alle Segnungen des Himmels garantiert sind, sind wir eingeladen zu reifen. Wir können uns auf die Zusage Gottes verlassen, dass er uns immer mehr ihm ähnlich macht – in seiner Rechtschaffenheit, Güte, Heiligkeit und Gnade. Der beste Bauer der Welt pflegt das Feld deines Lebens. Jesus bewässert, sät und bringt in dir eine Ernte ein. Was Jesus in dich hineinsät, ist er selbst. Deshalb ist es unmöglich, dass er nicht auch in dir wächst. 

Sieh selbst

Ich bete, dass der Heilige Geist dir die Augen öffnet, damit du den Gott siehst, der unverbrüchliche Versprechen gibt. Und mögest du Jesus als den sehen, der dieses Versprechen mit seinem Leben verbürgt. 

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