Was passiert hier?
Schon früher in seinem Brief hat Jakobus uns dreimal gewarnt, dass unser Handeln mit unserem Glauben übereinstimmen muss. Menschen, die das eine denken und das andere tun, empfangen nichts von Gott (Jakobus 1,6-7). Nachfolger von Jesus dürfen Gottes Worte nicht nur hören, sie müssen sie auch tun (Jakobus 1,22). Wer dem Gott folgt, der arm wurde, und dabei die Reichen bevorzugt, ist ein Heuchler (Jakobus 2,4). Jetzt sagt Jakobus: Ein Glaube ohne entsprechendes Handeln ist ein falscher Glaube (Jakobus 2,14). Jakobus schmälert damit nicht die Bedeutung des Glaubens. Er setzt bei seinen Lesern einen echten, lebendigen Glauben voraus (Jakobus 1,3; Jakobus 2,1.5). Aber Jakobus stellt ein verbreitetes Missverständnis infrage: dass Glaube nur bedeutet, die richtigen Dinge zu glauben.
Deshalb hilft Jakobus seinen Lesern zu verstehen, was Glaube „echt“ macht. Angenommen, du behauptest, an einen Gott zu glauben, der für die Bedürfnisse der Menschen sorgt – aber wenn dir jemand aus deiner Gemeinschaft begegnet, der hungrig ist und friert, hast du nichts anzubieten als Gedanken und Gebete (Jakobus 2,15-16). Das ist kein echter Glaube, sondern sind tote Floskeln (Jakobus 2,17).
Manche behaupten aber, Glaube und gute Taten seien einfach zwei verschiedene Fähigkeiten. Manche Menschen hätten eben mehr Glauben als andere (Jakobus 2,18). Doch Jakobus sagt: Man kann den Glauben und seine Antwort nicht so leicht voneinander trennen. Echter Glaube bringt nicht nur richtiges Handeln hervor, sondern auch eine liebevolle Beziehung zu Gott. Dämonen sind dafür ein gutes Gegenbeispiel. Dämonen haben eine durchaus ordentliche Theologie; sie glauben, dass Gott einer ist. Aber dieser „Glaube“ bringt in ihnen nur Furcht hervor, keine Liebe (5. Mose 6,5-6; Jakobus 2,19). Nach Jakobus bringt echter Glaube beides hervor: gute Taten und eine liebevolle Beziehung zu Gott.
Abraham ist das große Beispiel für diese Art von echtem Glauben (Jakobus 2,20). Erst nachdem Abraham bereit war, seinen Sohn auf einem Altar zu opfern, sagte Gott: „Jetzt weiß ich, dass du Gott fürchtest“ (1. Mose 22,12; Jakobus 2,21). Zwar wird uns früher in Abrahams Geschichte gesagt, dass sein Glaube ihn zum Freund Gottes machte (1. Mose 15,6; Jakobus 2,23), aber erst nachdem sich sein Glaube in Taten gezeigt hat, hören wir, dass Gott „weiß“, dass sein Glaube echt ist (Jakobus 2,22). Abraham, der erste Nachfolger Gottes, wurde durch einen Glauben gerettet, der sich in Taten zeigte (Jakobus 2,24). Genauso ist Rahab ein weiteres Beispiel für echten Glauben. Sie galt als Freundin Gottes und Israels – aber erst, nachdem ihr Glaube ihr Haus und ihr Leben aufs Spiel setzte, um zwei israelitische Spione zu schützen (Jakobus 2,25). Sowohl die erste Nichtjüdin in Kanaan als auch der allererste Nachfolger Gottes wurden auf demselben Weg zu Freunden Gottes – durch einen Glauben, der sich in Taten zeigte.
Wo ist das Evangelium?
Wenn wir einen Glauben an Gott haben, der nicht beides hervorbringt – gute Taten und Liebe zu Gott –, dann ist es kein echter Glaube. Ein Glaube ohne gute Taten und ohne Liebe zu Gott ist genauso wenig lebendig wie ein Körper ohne Seele (Jakobus 2,26). Glaube ist nicht etwas, das wir „einfach glauben“. Glaube ist eine lebenslange, gelebte und liebevolle Antwort auf das, was Gott uns zugesagt hat. Gott versprach Abraham eine Familie. Gott versprach Rahab eine Heimat in Israel. Doch der Glaube an diese Zusagen wäre nichts wert gewesen, wenn sie nicht aus Liebe bereit gewesen wären, etwas zu opfern, um sie zu erlangen. Jesus hat die Nachfolge genauso beschrieben. Wenn wir Jesu Zusagen des Auferstehungslebens wollen, müssen wir bereit sein, zu opfern (Matthäus 16,25). Glaube ist nicht bloß das Wissen, dass Jesus gestorben ist, um uns von unseren Sünden zu befreien und uns zu Freunden Gottes zu machen. Echter Glaube geht über unsere Ohren hinaus in unsere Herzen und von dort hinaus in die Welt.
So sind wir gerettet worden. Jesus hat uns nicht durch Glaube allein zu seinen Freunden gemacht. Jesus saß nicht im Himmel und glaubte einfach, dass wir eines Tages seine Freunde sein würden. Gott hoffte nicht bloß das Beste für uns und vertraute darauf, dass wir eines Tages sicher und im Warmen in seinem Reich sein würden. Nein! Gott hat uns so geliebt, dass er handelte. Er sandte seinen Sohn, und Jesus gab freiwillig sein Leben hin, damit wir für immer Gottes Freunde sind (Johannes 3,16). Jesu Glaube verkörperte sich in einer liebevollen, lebenslangen, opferbereiten Antwort. Gott hat versprochen, uns zu seinen Freunden zu machen – und so hat er uns durch seine guten Taten gerettet.
Sieh es selbst
Ich bete, dass der Heilige Geist dir die Augen öffnet, damit du den Gott siehst, der durch einen Glauben rettet, der sich in guten Taten zeigt. Und dass du Jesus als den siehst, der nicht durch Glaube allein gerettet hat.


