Was geschieht hier?
Gott beauftragt Jeremia, durch Juda zu reisen und seine Bewohner an den Bund zu erinnern, den Gott am Berg Sinai mit ihrem Volk geschlossen hat. Ein Bund war ein Vertrag aus alter Zeit zwischen zwei Königreichen. Nachdem Gott sie aus der Sklaverei in Ägypten befreit hatte, gab er in diesem ersten Bund zwei Zusagen. Erstens versprach er: Wenn sein Volk die Bedingungen des Bundes hält, wird er ihm ein Königreich geben (5. Mose 11,9). Zweitens versprach er: Wenn Juda von seinem Bund abweicht, wird er das Böse in seinem Volk richten. Jeremia erinnert Jerusalem daran, dass Gott sein erstes Versprechen eingelöst hat – sie leben in dem Land, das Gott ihren Vorfahren gegeben hat (Jeremia 11,1-5). Doch obwohl Gott seinen Teil des Bundes treu erfüllte, waren ihre Vorfahren in ihrem Teil untreu. Sie verwarfen den Gott, der ihr Volk gegründet hatte, indem sie Götzen anbeteten. Deshalb hielt Gott auch sein zweites Versprechen und vollzog die im Bund angedrohten Folgen (Jeremia 11,6-8). Gottes Volk soll die Fehler der Vergangenheit nicht wiederholen. Es soll sich neu auf den Bund verpflichten, den Gott mit ihm geschlossen hat – sonst verliert es das Land, das Gott ihm gegeben hat.
Aber Gott weiß: Juda hat nicht die Absicht, sich neu auf seinen Bund zu verpflichten. Er sagt Jeremia, dass Juda Wege ersinnt, den Bund zu brechen, ohne die Folgen tragen zu müssen (Jeremia 11,9-10). Obwohl das Böse und die Abgötterei zunehmen, hoffen sie, Gott durch Schlachtopfer in seinem Tempel überlisten zu können, sodass er den Bund trotz ihres Ungehorsams aufrechterhält (Jeremia 11,12-15). Gott sagt Jeremia, er solle seinem Volk verkünden, dass er all das durchschaut. Juda wird nicht entkommen. Juda wird fallen, und sein Volk wird wegen seiner Untreue gegenüber dem Bund ins Exil geführt werden (Jeremia 11,16).
Während Jeremia diese Worte weitergibt, planen religiöse und politische Führer aus seiner Heimatstadt seine Ermordung (Jeremia 11,18-20). Verzweifelt bittet Jeremia Gott sofort, seine zweite Bundeszusage einzulösen und sein Leben zu retten, indem er die gewalttätigen Männer beseitigt, die zu dieser Zeit über Juda herrschen (Jeremia 11,21–12,4). Doch Gott sagt: Er sieht das Böse in Juda, aber das Gericht wird nicht so schnell kommen, wie Jeremia es sich wünscht (Jeremia 12,5-9). Jeremia muss warten, bis Gott ein Bündnis fremder Heere zusammenruft, das Jeremia schließlich rettet und das Böse Judas richtet (Jeremia 12,10-13).
Überraschenderweise verspricht Gott Jeremia auch: Nachdem er seine zweite Zusage – das Gericht – eingelöst hat, wird er seine erste Bundeszusage erfüllen, die eines neuen Königreichs. Jedes Volk, das Juda angreift, wird selbst für das Böse gerichtet werden, das es tut. Und wenn die ganze Welt gerichtet ist, wird Gott alle Länder der Erde einladen, sich dem neuen weltweiten Königreich der Gerechtigkeit und des Friedens unter Gottes Schutz anzuschließen (Jeremia 12,14-17).
Wo ist das Evangelium?
Als böse Männer begannen, Jeremias Ermordung zu planen, bat er Gott, schnell zu kommen und unverzüglich Gerechtigkeit an seinem verdorbenen Volk zu üben. Aber Gott sagte Jeremia, er solle warten. Gott ging es nicht nur um das Böse Judas in jenem Moment, sondern um das tiefere Problem der Untreue gegenüber dem Bund, die sein Volk und letztlich die ganze Welt durchzog. Durch Gericht, Exil und Erneuerung bereitete Gott den Weg für einen erneuerten Bund und ein erneuertes Königreich, das eines Tages alle Völker umfassen würde.
Gott sagte Jeremia, er solle auf den Tag warten, an dem Judas letzter König – Jesus – kommen und sein Volk treu vertreten würde. So wie Gott das Böse Judas richtete, indem er Heere schickte, um seine Führer zu entmachten und das Volk ins Exil zu treiben, so würde Gott letztlich das Versagen seines Volkes im Bund durch ihren König angehen. Als treuer Stellvertreter Israels trat Jesus ganz in die Folgen der Untreue seines Volkes ein – Exil, Verwerfung und Tod – und trug sie bis an ihr Ende.
Wie ein wahrer König übernahm Jesus die Verantwortung für den gebrochenen Bund seines Volkes, indem er Gott treu blieb bis in den Tod. Er tat, was Juda niemals konnte: Er vertraute Gott vollkommen, hörte ganz auf ihn und gehorchte ohne Kompromisse. In Jesus erreichten die Flüche des Bundes ihren Höhepunkt und ihr Ende – denn die Geschichte der Untreue Israels wurde in ihrem treuen König endgültig beendet.
Und weil Jesus selbst durch den Tod hindurch treu blieb, hat Gott ihn von den Toten auferweckt und ihn als König auf den Thron gesetzt. In ihm konnten Gottes neuer Bund und neues Königreich endlich beginnen (Lukas 22,20). Jetzt wird jeder aus jedem Volk, der König Jesus vertraut, in Gottes erneuertes Volk gesammelt, indem er Anteil an Jesu Tod und Auferstehung bekommt. In ihm weicht das Exil der Erneuerung, und das Versagen im Bund weicht der Bundestreue.
Wir wissen, dass dieser neue Bund wirklich begonnen hat, denn König Jesus ist von den Toten auferstanden und regiert nun auf dem Thron seines himmlischen Königreichs. Von dort verwaltet er treu seinen Bund, lädt die Völker ein, nach Hause zu kommen, und sorgt dafür, dass Gottes Gerechtigkeit und Frieden die ganze Welt erfüllen werden.
Sieh selbst
Ich bete, dass der Heilige Geist dir die Augen öffnet für den Gott, der seinen Bund hält. Und dass du Jesus als den erkennst, der das Böse der Welt vor Gericht bringt und einen neuen Bund und ein neues Königreich mit uns schließt.


