Was passiert hier?
Psalm 3 wurde während der Ereignisse geschrieben, die in 2. Samuel 15–18 beschrieben werden. Absalom, einer der Söhne Davids, betrieb heimlich die Übernahme des Throns seines Vaters (2. Samuel 15,14). David musste sich verstecken, und fast das ganze Volk Israel stellte sich gegen ihn.
Wegen dieser schrecklichen Ereignisse verfasst David ein Klagelied. Seine Feinde erscheinen unzählbar (2. Samuel 15,12). Doch es geht nicht nur um ihre schiere Menge: Sie bringen David dazu, seine Beziehung zu Gott und seine Erlösung infrage zu stellen (Psalm 3,3) – und das, obwohl Gott versprochen hatte, dass einer seiner Nachkommen auf seinem Thron sitzen würde (2. Samuel 7,12).
Für David stand die Beziehung Israels zu Gott auf dem Spiel. Auch die Hoffnung auf einen vollkommenen zukünftigen König stand auf dem Spiel.
Aber es bleibt nicht bei der Klage. David erinnert sich selbst daran: Wenn seine Feinde ihn umgeben, wird Gott ihn beschützen wie ein Schild, der ihn rundum – 360 Grad – abschirmt (Psalm 3,4a). Selbst wenn seine königliche Verherrlichung beiseitegeworfen und zerstört wird, hat er dennoch mehr Verherrlichung als jeder andere König, weil er bei Gott ist (Psalm 3,4b).
Sein Glaube an Gott ruht auf einer einfachen Wahrheit: David ist an diesem Morgen aufgewacht (Psalm 3,6). Gott hat ihn durch die Bewusstlosigkeit des Schlafs hindurch bewahrt. Wenn Gott ihn tragen kann, wenn er am verletzlichsten ist, dann gibt es nichts mehr zu fürchten (Psalm 3,7).
Die Erkenntnis, dass all seine Hilfe von Gott kommt, lässt David zu dem Einen um Hilfe rufen, der allein dazu in der Lage ist (Psalm 3,8). Denn die Erlösung gehört Gott allein (Psalm 3,9).
Wo ist das Evangelium?
Jesus sah Israel, sein auserwähltes Volk, in einer ähnlichen Lage, wie sein auserwählter Diener David sie erlebte, als er diesen Psalm schrieb (Lukas 19,43). Nur dass sie dieses Mal, als sein Diener von ihren Feinden umgeben war, nicht gerettet werden würden (Lukas 19,44). Wie wir alle wollten sie über sich selbst herrschen und hatten keinen Frieden mit Gott geschlossen (Lukas 19,42).
Gott würde Israel erneut durch die Feinde bestrafen, die es umgaben – das Römische Reich (Matthäus 24,2). Sie würden den Tempel Israels zerstören, als sichtbare, äußere Folge der geistlichen Auflehnung des Volkes. Doch Jesus zeigte einen Weg aus dieser unausweichlichen Zerstörung heraus: durch sein Kreuz.
Jesus erlebte in vollem Ausmaß, was David nur zum Teil erlebte. Die irdischen religiösen Führer seiner Zeit verschworen sich gegen Jesus, so wie Absalom es getan hatte (Matthäus 12,14). Als ihre Verschwörung ihren Höhepunkt erreichte, war Jesus von vielen Feinden umgeben: im Garten Gethsemane, in seinen vielen Scheinprozessen und schließlich am Kreuz (Matthäus 27,39). Seine Feinde greifen sogar den Spott der Gegner Davids auf, Gott werde ihn nicht retten (Matthäus 27,43).
Doch anstatt Gott wie David als Schild um sich herum zu erfahren, sprach Jesus nur davon, dass Gott seinen Schutz zurückzog (Matthäus 27,46). Und als Jesus sich schließlich zum Schlafen niederlegte, war es der Schlaf des Todes. Jesus wurde von seinen Feinden vernichtet, um die Rettung zu schenken, um die David gebetet hatte.
Der irdische Tempel in Israel wurde zwar dennoch von den Römern zerstört, doch nun können alle Völker zu Jesus rufen und um Rettung aus dem ewigen Schlaf des Todes bitten (Johannes 2,19). Wir wissen das, weil Gott – so wie er David durch eine Nacht des Schlafs hindurch getragen hat – auch Jesus durch den Tod hindurch getragen hat. Jesus ist von den Toten auferstanden, um zu beweisen: Er, der letzte König aller Könige, trägt alle, die ihm ihre Rettung anvertrauen, hinein in das ewige Leben.
Sieh es selbst
Ich bete, dass der Heilige Geist dir die Augen öffnet, damit du den Gott siehst, der uns bewahrt, während wir schlafen. Und mögest du Jesus als den König sehen, der von den Toten auferstanden ist, um allen, die zu ihm rufen, ewige Rettung zu schenken.


