Was passiert hier?
Beim Lesen der Sprüche wirst du versucht sein, Salomos Weisheit als zusammenhanglos, weltlich und absolut zu verstehen. Schauen wir uns diese drei Punkte der Reihe nach an.
In den Kapiteln 10 bis 29 der Sprüche verlierst du leicht den Überblick. Es kann sich anfühlen, als würdest du eine lange Liste zusammenhangloser Weisheitssplitter lesen – und manchmal trifft das auch zu. Die Liste springt schnell von gehorsamen Kindern (Sprüche 10,1) zum Umgang mit Geld (Sprüche 10,2), zur Bedeutung anständiger Arbeitsmoral (Sprüche 10,3) und zur inneren Haltung weiser Menschen (Sprüche 10,8). Das kann chaotisch wirken, aber genau das ist Teil der Aussage.
Wenn Weisheit bedeutet zu verstehen, wie die Welt funktioniert, dann verstreut Salomo seine Sprüche absichtlich, um zu zeigen, wie man Weisheit erlangt – ruckweise, in Schüben. Wir gewinnen Weisheit durch schmerzhafte Erfahrungen, Fortbildungen im Beruf, Momente in der Erziehung, Gespräche mit Freunden, durch das Beobachten von Menschen – oder indem wir unsere Bibel aufschlagen. Stück für unverbundenes Stück lernen wir langsam, weise in dieser Welt zu leben. Statt uns über die fehlende Geschlossenheit zu ärgern, bittet Salomo uns, die Art anzunehmen, wie Weisheit funktioniert, und aus seinen Erfahrungen damit zu lernen.
Manches von Salomos Weisheit scheint überhaupt nichts mit Gott zu tun zu haben – es sind scharfsinnige, weltliche Beobachtungen. Sprüche 13,12 spricht von zerbrochenen Hoffnungen. Und Sprüche 14,13 sagt, dass jemand, der lacht, nicht unbedingt glücklich ist. Man könnte solche Aussagen leicht als weltlich abtun.
Doch Salomo zeigt damit genau die Wahrheit, die wir schon in Sprüche 1-9 gelernt haben: Gott hat die Welt und die Menschen mit Weisheit geschaffen. Es gibt eine innere Logik und einen schöpferischen Entwurf, der jede menschliche Begegnung, jede Art von Arbeit und jeden Sonnenuntergang durchzieht. Indem Salomo diese scheinbar weltlichen Weisheitsstücke aufnimmt, zeigt er uns in Wirklichkeit: Nichts ist weltlich. Alles weist uns zurück auf Gott.
Schließlich könntest du versucht sein zu denken, es handle sich hier um absolute Zusagen und nicht um Sprüche. In Sprüche 12,21 sagt Salomo, alle bösen Menschen würden bestraft und alle rechtschaffenen Menschen gerettet. Es liegt nahe, das als absolute Zusage zu lesen. Aber Salomo gibt uns Weisheit, er macht keine Versprechen. Er beschreibt, wie die Welt funktionieren sollte und oft auch funktioniert – aber nicht, wie sie jedes Mal tatsächlich funktioniert. Sprüche 13,23 sagt uns nämlich, dass Ungerechtigkeit die Rechtschaffenen oft daran hindert, das zu bekommen, was ihnen zustehen würde.
Die Sprüche sind jetzt nur vorläufig wahr, aber das heißt nicht, dass sie nicht in der Zukunft absolut wahr sein werden. Und genau hier sehen wir Jesus am deutlichsten.
Wo ist das Evangelium?
Im Tod, in der Himmelfahrt und in der verheißenen Wiederkunft von Jesus haben wir die absolute Zusage, dass die Törichten bestraft und die Weisen gerettet werden. Alles Gute, von dem wir hoffen, dass es wahr ist, wird wahr sein. Weil Gott seinen eigenen Sohn nicht verschont hat, ist uns garantiert, dass denen, die in Christus weise sind, eines Tages alles geschenkt wird (Römer 8,32).
Und wenn dieser garantierte Tag kommt, dann ist keine Handlung auf dieser Erde weltlich, zusammenhanglos oder zufällig. Alles hat Bedeutung, weil Materie und Zeit von Gott geschaffen wurden. Jesus kommt, um alles Unrecht zurechtzubringen und jede weise und jede törichte Tat ins Gericht zu bringen (Prediger 12,14). Nichts steht für sich allein, keine Ungerechtigkeit wird übersehen, und kein weiser Augenblick wird vergessen.
Wenn Jesus wiederkommt, wird seine Weisheit offenbar machen, dass nichts in deinem Leben zufällig war, dass kein Augenblick von seinem Vorhaben losgelöst war, und dass alles, was wahr sein sollte, absolut wahr sein wird – für immer.
Sieh selbst
Möge der Heilige Geist dir die Augen öffnen, damit du den Gott siehst, dessen Weisheit niemals zusammenhanglos oder weltlich ist. Und mögest du Jesus sehen, seinen Sohn, der durch seinen Tod und seine Auferstehung alle Zusagen Gottes absolut macht.

