Was passiert hier?
Salomo befindet sich mitten in zehn Lehrreden an seinen Sohn. Die ersten fünf Reden ermutigen Salomos Sohn, die Weisheit zu wählen und das Böse zu meiden. In den letzten fünf Reden stellt Salomo diesen Kampf als eine Entscheidung dar: Entweder verbindet sich der Sohn mit Frau Weisheit, oder er lässt sich auf eine Affäre mit Madame Torheit ein.
Auf einer Ebene ist das eine einfache Lektion über die Gefahr des Ehebruchs. Mit der Frau eines anderen Mannes zu schlafen ist eine Entscheidung, für die du den Rest deines Lebens bezahlst. Salomo vergleicht es damit, Feuer unter den Kleidern zu tragen oder über glühende Kohlen zu gehen; er warnt: Du kannst nicht anders, als dich zu verbrennen (Sprüche 6,27-28). Sich auf eine Affäre einzulassen ist wie ein Tier, das in eine Falle läuft (Sprüche 7,22-23). Der Köder von Madame Torheit ist Leidenschaft, Heimlichkeit und das Versprechen, dass es keine Folgen gibt. Wenn der Sohn nur den Köder sieht, wird der Haken ihn niemals wieder loslassen. Die Schlachtbank erwartet ihn (Sprüche 9,18).
Wenn Salomos Sohn dem Verderben aber entgehen will, muss er Frau Weisheit als das einzige Ziel seiner Liebe wählen. Er muss ihre Worte auf sein Herz schreiben, und – vielleicht noch vertrauter – er soll die Weisheit seine „Schwester“ nennen (Sprüche 7,2-4). Wenn er sich mit Frau Weisheit verbindet, entgeht er der Schlachtbank und gewinnt sie als seine Ratgeberin: Er regiert Völker, erlangt Reichtum und lebt lange (Sprüche 8,14-16; 8,38).
Auf einer anderen Ebene geht es in diesen Abschnitten nicht um das Suchen oder Meiden von Sexualität, sondern um das Streben nach der Weisheit selbst. Salomo bittet seinen Sohn, sich vorzustellen, er stehe an einer Wegkreuzung. Am Scheideweg rufen zwei Frauen nach ihm (Sprüche 7,25; 8,2). In vieler Hinsicht wirken sie ähnlich: Beide haben Schlachtopfer dargebracht, beide bieten Wein und Essen an, und beide versprechen Belohnung, wenn er in ihr Haus einkehrt. Die eine Frau sagt ihm, er solle Gott vertrauen (Sprüche 9,10), die andere sagt ihm – wie die Schlange –, er solle seinen Begierden vertrauen (Sprüche 9,17).
Salomo ermutigt seinen Sohn, die Weisheit zu wählen, die bei Gott war, als er die Welt formte (Sprüche 8,22-36). Und er warnt seinen Sohn, jene Weisheit abzulehnen, die Tod und Böses in Gottes Welt gebracht hat.
Wo ist das Evangelium?
Salomo vergleicht seine Lehrreden mit dem Gesetz Gottes. Er sagt seinem Sohn: Wenn er sie „auf die Tafel seines Herzens schreibt“ und sie wie seinen „Augapfel“ bewahrt, wird er vor der Verführung des Bösen geschützt sein und Gottes Segen erfahren (Sprüche 7,2-3). Aus der Geschichte wissen wir, dass Salomos Söhne den Anweisungen ihres Vaters nicht folgten. Die Herzen Israels, gegen die Weisheit verhärtet, ließen sich zur Abgötterei und zum Ehebruch verführen – und schließlich durch Babylons Hand ins Exil führen.
Während dieses Exils greift der Prophet Hesekiel die Sprache der Sprüche auf: Gott werde Israel einen neuen Geist geben, ihre Herzen aus Stein herausnehmen und ihnen Herzen schenken, die auf Gottes Weisheit hören (Hesekiel 11,19; 36,26). Hesekiel verheißt, dass Salomos Hoffnungen eines Tages wahr werden. Und das tun sie – in Jesus. Jesus erfüllt uns mit seinem Geist und schreibt seine Gesetze auf unsere Herzen (Johannes 14,26).
Das ist Frohe Botschaft, denn wir stehen vor derselben Entscheidung, vor der Salomos Sohn gewarnt wurde. Unsere Begierden ziehen uns in die eine Richtung, Gottes Wort in die andere. Nur Jesu Geist der Weisheit, der auf unsere Herzen geschrieben ist, kann den Kampf gegen Satans Versuchungen und die Torheit der Madame aufnehmen. Wenn du es müde bist, diesen Kampf zwischen Gottes Wort und deinen Begierden zu verlieren, dann lass dich ermutigen! Durch Jesu Kraft kannst du dich vom Geist leiten lassen und den Begierden deines Körpers Nein sagen (Galater 5,16-17). Durch Jesu Kraft wird Frau Weisheit deine Schwester. Seine Weisheit wird dich führen und leiten – hinein in das ewige Leben mit ihm.
Sieh selbst
Möge der Heilige Geist dir die Augen öffnen, damit du den Gott siehst, der Weisheit auf unsere Herzen schreibt. Und mögest du Jesus als die Weisheit Salomos sehen, durch die wir Nein zur Versuchung und Ja zu Gottes Leben sagen.

