Was passiert hier?
Nach Monaten in der Arche setzen Noah, seine Familie und die Tiere endlich ihren Fuß auf trockenen Boden (1. Mose 8,13-19). Wie am Anfang segnet Gott die Menschen und wiederholt seinen Auftrag: „Seid fruchtbar und vermehrt euch“ (1. Mose 9,1). Gott steht zu seiner Schöpfung.
Dann schließt Gott einen Bund mit Noah und allen lebenden Geschöpfen: Nie wieder wird er die ganze Welt durch eine Sintflut vernichten (1. Mose 9,11). Um dieses Versprechen zu besiegeln, setzt Gott seinen Bogen in die Wolken (1. Mose 9,13). In der Antike war der Bogen das Symbol einer Kriegswaffe. Doch jetzt legt Gott seinen Bogen nieder und hängt ihn an den Himmel wie ein Krieger, der seinen Kampf beendet hat. Gott sagt damit, dass er die Welt nicht noch einmal durch eine weltweite Sintflut neu erschaffen wird – er hat einen anderen Weg, um eine neue Schöpfung hervorzubringen.
Doch gerade während Gott diesen Bund schließt, erinnert uns die Geschichte schnell an die Schwäche des Menschen. Wie Adams Familie nach Eden, so stolpert auch Noahs Familie nach der Sintflut. Ein Sohn bringt Schande, während ein anderer mit Segen gekennzeichnet wird (1. Mose 9,20-27). Trotz der schwierigen Einzelheiten dieser Episode ist die Hauptaussage klar: Gott bleibt treu und bewahrt einen Nachkommen, eine Familienlinie, durch die seine Verheißungen weitergehen. So wie Gott nach Eden sein Wort hielt, hält er auch nach der Sintflut sein Wort.
Wo ist das Evangelium?
Der Bund mit Noah und der Regenbogen weisen auf Jesus hin. Der Regenbogen bedeutet nicht, dass niemals wieder ein Gericht kommen wird – er bedeutet, dass Gott selbst sich verpflichtet hat, Erneuerung auf einem anderen Weg zu bringen. Nicht indem er die Wasser des Chaos über das Böse der Menschen hereinbrechen lässt, sondern indem er zulässt, dass das Böse der Menschen seinen Bogen voll auf ihn richtet.
Der Apostel Petrus greift dieses Thema auf. Er sagt, dass die Sintflut Noah aus der verdorbenen Generation gerettet hat. Doch bei Jesus war es die verdorbene Generation, die ihn mit ihrem Bösen und ihrem Tod überflutete. Und dennoch: So wie Noahs Familie in die Arche ging und aus der verdorbenen Generation gerettet wurde, so ging Jesus in den Tod einer verdorbenen Generation hinein und wurde ins Leben auferweckt. Nun schließen wir uns Jesus in dieser Auferstehung an, die in der Taufe abgebildet wird (1. Petrus 3,20-21). So wie Noahs Familie in die Arche ging und durch die Wasser hindurch ins Leben getragen wurde, so gehen wir in Jesus hinein und werden durch den Tod hindurch in die neue Schöpfung getragen.
Und der Segen, den Gott durch Noahs Familie bewahrt hat, findet seine Erfüllung in Jesus. Das Evangelium nach Lukas führt Jesus’ Familienlinie bis zu Sem zurück (Lukas 3,36) und zeigt uns damit: Gott hat sein Versprechen gehalten, einen Nachkommen des Lebens zu bewahren. Aber Jesus trägt nicht nur den Segen einer einzigen Familie – er vervielfältigt ihn für alle Völker. In ihm breitet sich Gottes Bild über die ganze Welt aus, nicht durch Gewalt oder Zerstörung, sondern durch die Kraft des Geistes und das Zeugnis der Kirche.
Jesus erfüllt die Verheißung des Regenbogens. Am Kreuz nimmt er das Chaos und die Gewalt unseres Todes in sich auf und aufersteht, um eine neue Welt zu schaffen. Der Bogen ist niedergelegt, denn der König selbst ist unter unserer Gewalt gestorben und bietet uns seinen Bund der neuen Schöpfung an.
Sieh selbst
Ich bete, dass der Heilige Geist dir die Augen öffnet, damit du den Gott siehst, der seinen Bogen niederlegt und seine Versprechen hält. Und mögest du Jesus sehen als den, der uns durch den Tod hindurch ins Leben trägt und die Welt mit Gottes Segen erfüllt.

