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Andacht

2. Könige 24-25

Israels langes Exil

In 2. Könige 24–25 sehen wir: Damit Jesus der Erlöser der Geschichte Israels sein kann, muss er geschichtlich sterben. Um Israel zu retten, muss Jesus Israel sein.

Was passiert hier?

Juda steht unter babylonischer Herrschaft (2. Könige 24,1). Doch Jojakim, der Statthalter von Juda, lehnt sich erfolglos auf und wird von feindlichen Überfällen aufgehalten (2. Könige 24,2). Als Jojakims Sohn die Statthalterschaft übernimmt, regiert er nur drei Monate, bevor er sich Nebukadnezar, dem König von Babylon, ergibt (2. Könige 24,12). Nebukadnezar räumt die Schätze aus dem Tempel und verschleppt eine erste Welle von Verbannten aus Jerusalem nach Babylon (2. Könige 24,13-14).

Auch Jojakims Bruder versucht, sich gegen Babylon aufzulehnen, doch er scheitert (2. Könige 24,20). Nebukadnezar schlägt zurück und belagert Jerusalem (2. Könige 25,1). Der Bruder flieht aus Jerusalem, wird aber gefangen. Zur Strafe werden seine Söhne vor seinen Augen hingerichtet, ihm werden die Augen ausgestochen, und er wird in ein babylonisches Gefängnis verschleppt (2. Könige 25,6-7). Nebukadnezar brennt Jerusalem und seinen Tempel bis auf die Grundmauern nieder und verschleppt eine zweite Welle nach Babylon (2. Könige 25,9.11). Die verkohlte Bronze des Tempels wird vermessen, zerlegt und in die Schatzkammer des Reiches gebracht (2. Könige 25,13). Die Priester des Tempels werden ermordet, und Juda beginnt sein langes Exil (2. Könige 25,21).

Nebukadnezar setzt einen neuen judäischen Statthalter ein, unter den wachsamen Augen babylonischer Beamter (2. Könige 25,22). Doch sowohl der Statthalter als auch Nebukadnezars Beamte werden sofort von einigen Aufrührern ermordet, die den ersten Deportationswellen entkommen waren (2. Könige 25,25). Aus Angst vor weiterer Rache sucht der übrige Teil der Bevölkerung Judas Zuflucht in Ägypten – genau in dem Land, aus dem Gott ihre Vorfahren gerettet hatte (2. Könige 25,26). Gottes Volk ist wieder da, wo es angefangen hat: ohne Land, einem Weltreich versklavt, in Ägypten gefangen und so gut wie tot.

Siebenunddreißig Jahre später spricht ein neuer, gütigerer babylonischer König Jojakims Sohn frei und entlässt ihn aus dem Gefängnis (2. Könige 25,27). Er gibt ihm einen Platz an seinem königlichen Tisch und tauscht seine Gefängniskleidung gegen Kleider, die einem Mann an seinem Tisch angemessen sind (2. Könige 25,29). Die Geschichte Israels und Judas endet mit dem winzigsten Funken Hoffnung. Israel ist gefallen. Juda ist gefallen. Der Tempel ist verbrannt. Gottes Gesetze sind vergessen. Die Könige sind abgesetzt. Die Propheten sind tot. Aber einem Nachkommen Davids wurde Gnade erwiesen, und er wurde nahe an das Zentrum heidnischer Macht erhoben.

In der Geschichte Israels geht es nicht um Daten, Städte und Könige; es geht um Gott. Und was wir aus der nationalen Geschichte Israels lernen, ist: Gott rettet nicht durch Nationen, Tempel, Gesetze, Könige oder Propheten. Gott rettet durch alleinige Gnade, und Gott schenkt Leben sogar nach dem Tod.

Wo ist das Evangelium?

Jesus ist der Höhepunkt der politischen, prophetischen und geistlichen Erwartungen Israels. Jesus ist ein Sohn Davids und der rechtmäßige König Israels (Matthäus 21,9). Er ist der endgültige Tempel und das gelebte Gesetz (Matthäus 5,17). Er ist die erfüllte Prophetie und gleichzeitig der letzte Prophet (Hebräer 1,1-2).

Doch damit Jesus der Erlöser der Geschichte Israels sein kann, muss er geschichtlich sterben. Um Israel zu retten, muss er Israel sein. Um Israel von seiner Sünde zu erlösen und es aus seiner Abgötterei zu befreien, muss er seine Sünde und seine Abgötterei verkörpern (2. Korinther 5,21). Wie Babylon würden die Weltreiche der Sünde und des Todes Jesus überwältigen. Außerhalb der Stadt, von seinen Jüngern abgelehnt, von den Mächten ermordet und von Gott verlassen, durchlebt Jesus noch einmal Israels Geschichte und Israels Tod. Doch wie Jojakims Sohn steht Jesus aus seinem Exil auf und sitzt nun an Gottes Tisch, in Verherrlichung gekleidet – nicht nahe am Zentrum heidnischer Macht, sondern als das Zentrum von Leben, Tod und Universum (Epheser 1,20-21).

Jesus ist alle Macht gegeben (Matthäus 28,18). Gnädiger als der König von Babylon verspricht er ein Ende unseres Exils auf der Erde, ein Zuhause in seinem Reich und die Auferstehung von den Toten. Jesus verspricht, gebeugte, geschwächte und erniedrigte Menschen wie uns zu erheben und zu stärken. Und er wird sogar unsere Gefängniskleidung gegen Gewänder der Rechtschaffenheit tauschen und uns mit sich an seinen Tisch setzen (Epheser 2,6).

Sieh selbst

Möge der Heilige Geist dir die Augen öffnen, damit du den Gott siehst, der rettet. Und mögest du Jesus als den König sehen, der uns durch alleinige Gnade vom Tod rettet.

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